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Urheber des tödlichen Angriffs auf US-Söldner im Irak war wohl IS-Zelle und nicht wie behauptet Iran

Urheber des tödlichen Angriffs auf US-Söldner im Irak war wohl IS-Zelle und nicht wie behauptet Iran
Nach dem vermeintlichen US-Vergeltungsangriff auf Stellungen proiranischer Milizen im Irak griffen zornige Iraker die US-Botschaft im Bagdad an. Laut Washington handelte es sich erneut um eine von Teheran gesteuerte Aktion. Was folgte war der Mordanschlag auf den iranischen Top-General Soleimani.
Den Mordanschlag auf den iranischen General Soleimani begründeten die USA insbesondere mit einem vorherigen Angriff "pro-iranischer Milizen" auf eine US-Militärbasis im Irak. Doch neue Erkenntnisse widerlegen diese Darstellung. Der Angriff ging wohl von einer IS-Zelle aus.

Alles begann mit dem Tod eines Mitarbeiters des US-Militärs am 27. Dezember 2019. Nach Auslegung Washingtons war dieser die Folge eines Raketenangriffs "pro-iranischer Milizen" auf die irakische K1-Militärbasis, die auch von US-Truppen genutzt wird. Prompt übte das Pentagon Vergeltung und ließ fünf Basen der schiitischen Miliz Kata'ib Hisbollah bombardieren. Wütende Irakis stürmten daraufhin die US-Botschaft in Bagdad, was laut Washington ebenfalls das Werk "pro-iranischer Milizen" gewesen sei.

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Was folgte, war der Drohnenanschlag auf den iranischen Volkshelden Qassem Soleimani in Bagdad, der Teheran dazu veranlasste, Stellungen der US-Armee im Irak anzugreifen. Schließlich musste die iranische Führung einräumen, versehentlich ein Passagierflugzeug mit 176 Insassen abgeschossen zu haben.

Dass geheimdienstliche und militärische irakische Stellen das US-Narrativ der Urheberschaft der Hisbollah-Brigaden für den Raketenangriff Ende vergangenen Jahres in Zweifel zogen, spielte für die transatlantische Schuldzuweisung keinerlei Rolle. Die Tatsache, dass die Milizentruppe jede Schuld von sich wies, ohnehin nicht. Das Urteil des Richters und Anklägers in Personalunion war gesprochen. Bei den notwendigen Beweisen handelte es sich demnach um geheimdienstliche Informationen. Bis heute wurden diese jedoch weder der Öffentlichkeit noch der irakischen Regierung zugänglich gemacht.

Wir haben die amerikanische Seite gebeten, uns alle Informationen und Beweise mitzuteilen, aber sie haben uns keine Informationen übermittelt", erklärte demnach etwa Generalleutnant Muhammad al-Bayati, Stabschef des ehemaligen Premierministers Adil Abd al-Mahdi, in einem Interview.

Wie sich nun – auch laut US-Medien wie der New York Times – herausstellte, erfolgte der Angriff aus einem sunnitisch geprägten Teil der Kirkuk-Region Iraks. Ein Gebiet, das seinem Ruf als Hochburg des sogenannten Islamischen Staats durch zahlreiche Angriffe in der Vergangenheit alle Ehre machte. Der sunnitisch geprägte IS gilt nicht gerade als natürlicher Partner schiitischer Milizen wie der Kata'ib Hisbollah. Seit 2014 verfügt letztere über keinerlei Präsenz mehr in der entsprechenden irakischen Kurdenregion.

Der IS wiederum verübte zehn Tage vor dem tödlichen Angriff nachweislich drei Raketenangriffe auf Ziele in der unmittelbaren Nähe der K1-Militärbasis. Nachrichtendienstliche Stellen des Irak warnten die USA im November und Dezember 2019 vor einem bevorstehenden IS-Anschlag auf die von den USA genutzte irakische K1-Basis.  

Laut irakischen Stellen deute all dies auf den IS als treibende Kraft hinter dem Angriff, der die Spirale der Gewalt in Gang setzte.

"Alles deutet darauf hin, dass es die Daesh [der IS, Anm. d. Red] waren", erklärte Brigadegeneral Ahmed Adnan, Chef für nachrichtendienstliche Informationen der irakischen Bundespolizei auf der K1-Basis. "Ich habe Ihnen von den drei Vorfällen in den Tagen zuvor [vor dem Angriff, Anm. d. Red.] in der Gegend erzählt – wir kennen die Bewegungen von Daesh", so Adnan weiter.

Nicht einmal wir als irakische Streitkräfte können ohne eine größere Truppe in dieses Gebiet, weil es nicht sicher ist. Wie kann es da sein, dass jemand, der das Gebiet nicht kennt, hierherkommt, diese Schussposition findet und einen Angriff startet?", fragte sich der irakische Brigadegeneral in Hinblick auf die vermeintliche Urheberschaft pro-iranischer Milizen.

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Wie der Generaldirektor des irakischen Geheimdienstes und Verantwortlicher für Terrorismusbekämpfung, Abu Ali al-Basri, zudem hinzufügte, hätte Washington den Irak vor der Durchführung des "Vergeltungsangriffs" vom 29. Dezember auf die Kata'ib Hisbollah nicht konsultiert.

Sie baten mich nicht um meine Analyse der Ereignisse in Kirkuk und gaben auch keine ihrer Informationen weiter. Normalerweise würden sie beides tun", berichtete al-Basri demnach.

Laut irakischen Geheimdienstbeamten sei es schwierig, die US-Behauptungen zu beurteilen, ohne Einblick in die nachrichtendienstliche Informationslage zu erhalten.  

Zudem besteht demzufolge Uneinigkeit über die Anzahl der auf die K1-Basis abgefeuerten Raketen. Laut US-Angaben habe es sich um 31 Raketen gehandelt. Irakische Augenzeugen, darunter Brigadegeneral Adnan, berichteten hingegen von elf eingeschlagenen Flugkörpern, definitiv seien es jedoch keine 31 Raketen gewesen.  

Zudem erfolgte der Angriff alles andere als unerwartet. Am 6. November 2019 überreichte der Nationale Sicherheitsrat des Irak US-Offiziellen einen Bericht, in dem demzufolge festgehalten wurde, dass "IS-Terroristen seit letztem Oktober versucht haben, die K1-Basis im Bezirk Kirkuk durch indirektes Feuer (Katjuscha-Raketen) zu treffen".

In einem weiteren Geheimdienstbericht, übergeben am 25. Dezember 2019, heißt es demnach, dass IS-Kämpfer versuchten, nordwestlich von K1 Boden gut zu machen.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte am 13. Januar bei der Hoover Institution den Strategiewechsel im Weißen Haus.

Laut General Adnan habe man die US-Amerikaner noch am Tag des Angriffs selbst eingeladen und sie vor der Möglichkeit eines Raketenangriffs auf K1 gewarnt. Bei dieser Gelegenheit hätte man den Besatzungstruppen und "Partnern" im Kampf gegen den IS Chicken Tikka, Reis und Kebab aufgetischt.

Im Gegensatz zu den meisten vorherigen Angriffen auf irakische und US-amerikanische Ziele forderte der folgende Angriff Opfer. Vier US-amerikanische Soldaten und zwei irakische Bundespolizisten wurden verwundet. Der getötete zivile Mitarbeiter des US-Militärs, ein im Irak geborener Amerikaner namens Nawres Waleed Hamid, war als Dolmetscher für die US-Truppen im Land tätig.

Für den Stabschef des von der irakischen Armee genutzten Teils der K1-Basis, Brigadegeneral Amer Isa Hassan, handelte es sich um eine logische Schlussfolgerung, dass der IS für den Anschlag verantwortlich gewesen sei.

Die Dörfer in der Nähe sind turkmenisch und arabisch. Dort besteht Sympathie mit Daesh. Warum wird darauf zurückgegriffen, den Hisbollah oder anderen die Schuld zu geben?

Sechs Tage nach dem Angriff auf den Stützpunkt erklärte Verteidigungsminister Mark T. Esper gegenüber Reportern:

Wie Sie wissen, wurden die US-Streitkräfte am vergangenen Freitag von der Kata'ib Hisbollah auf einem Stützpunkt in der Nähe von Kirkuk angegriffen.

Der irakische Premierminister Adil Abd al-Mahdi und der saudische Kronprinz bin Salman bei einem Treffen am 25. September in Dschidda, Saudi-Arabien. Abd al-Mahdi erklärte nach der Ermordung des iranischen Generals Soleimani, dass dieser in diplomatischer Mission nach Bagdad gereist sei.

Als US-amerikanische Beamte den irakischen Premierminister darüber informierten, dass sie im Begriff seien, als Vergeltungsmaßnahme Luftschläge auf Stützpunkte der Kata'ib Hisbollah auszuführen, waren die Iraker demnach schockiert.

Wie Muhammad Muhi, der Sprecher der Kata'ib Hisbollah, in einem Interview erläuterte, habe sich die Miliz im Jahr 2014 nur 80 Tage in der Provinz Kirkuk aufgehalten.

Wenn die Amerikaner Beweise dafür hätten, dass die Kata'ib Hisbollah den Angriff durchgeführt hat, sollten sie diese 'teilen', ergänzte Muhi.

Die US-amerikanischen Angriffe auf die Kata'ib Hisbollah am 2. Januar und der Drohnenangriff, der am folgenden Tag die iranischen und irakischen Militärführer – unter ihnen Qassem Soleimani – auf dem Flughafen von Bagdad tötete, führten zu antiamerikanischen Ausschreitungen im Irak und zu einer Abstimmung im irakischen Parlament, der zufolge alle ausländischen Militärangehörigen das Land zu verlassen hätten.

Die Vereinigten Staaten verfügen aktuell nach wie vor über etwa 5.000 Soldaten im Irak. Deren Auftrag besteht offiziell darin, den sogenannten Islamischen Staat zu bekämpfen und das irakische Militär auszubilden. Auch die Bundeswehr fühlt sich demnach dieser Aufgabe verpflichtet. Noch hat die irakische Regierung Washington noch nicht formell dazu aufgefordert, den Irak zu verlassen. Laut Beamten beider Seiten seien die Beziehungen jedoch alles andere als vertrauensvoll.

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