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Mit scharfer Munition in den Kopf geschossen: Britische Forensiker widersprechen israelischer Armee

Mit scharfer Munition in den Kopf geschossen: Britische Forensiker widersprechen israelischer Armee
5,56-Millimeter-Kugeln, die aus einem Wassertank auf dem Dach gesammelt wurden
Israelische Soldaten beschossen Mitte Juli einen neunjährigen palästinensischen Jungen laut eigenen Angaben mit Gummigeschossen und verletzen ihn schwer. Britische Forensiker kommen nach einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass es sich um scharfe Munition gehandelt hat.

Der Vorfall ereignete sich am 12. Juli in der palästinensischen Stadt Kafr Qaddum im nördlichen Westjordanland. Der neunjährige Palästinenser Abd el Rahman Uasir Shatawi wurde am Kopf getroffen und schwer verletzt. Seit 2011 finden im Dorf wöchentlich Proteste gegen die israelische Besatzung, Landbeschlagnahmungen und die Schließung einer Zufahrtsstraße vom Dorf zur nahe gelegenen Stadt Nablus durch das Militär statt.

Die israelischen Streitkräfte (Israel Defense Forces, IDF) behaupteten nach dem blutigen Zwischenfall, dass sie gummierte Metallgeschosse (RBCM) und keine scharfe Munition verwendet hätten. Dieser Darstellung widerspricht nun ein Bericht britischer Forensiker, die Mitglieder der Gruppe "Forensic Architecture" sind. Die Gruppe hatte auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt, als sie den Mordfall Halit Yozgat (NSU-Komplex) minutiös nachstellte.

Nicht für jedermann zugänglich: Der Saal des NSU-Ausschusses im hessischen Landtags. Einen für den Ausschuss angefertigten Bericht hat der Verfassungsschutz für 120 Jahre gesperrt.

Laut Forensic Archtiecture musste der Verfassungsschützer Andreas Temme, der zur Tatzeit im Hinterzimmer des Internetcafes saß, in dem Yozgat am 6. April 2006 erschossen wurde, sowohl die Tat als auch die Leiche gesehen haben. Dafür werteten die Forscher Tatortfotos, Zeugenaussagen, zugespielte Polizeiakten und den Browserverlauf des Computers aus. Zudem rekonstruierten sie mit einem gleich großen Schauspieler den Tathergang und konsultierten auch einen Akustikspezialisten.

In dem Bericht zu dem Vorfall im Westjordanland kommt die Gruppe zu dem Ergebnis, dass der neunjährige Palästinenser aus etwa 100 bis 120 Meter Entfernung mit 5,56-Millimeter-Munition beschossen worden sein muss. Für die Untersuchung wurden computertomographische Scans, Zeugenaussagen und Videomaterial ausgewertet. So soll zum Beispiel die Fragmentierung der verwendeten Munition ein eindeutiges Indiz dafür sein, dass es sich nicht um Gummigeschosse handeln könne.

Die Forscher erklärten dazu, dass der Grad an Fragmentierung, "konsistent mit der Fragmentierung, die bei 5,56-Millimeter-Munition" sei und dass "medizinische Scans auch zeigten, dass es keine Austrittswunde gab, was die Augenzeugenberichte bestätigen, dass der Schuss aus einer Entfernung von 100 bis 120 Metern abgefeuert wurde". Die Entfernung sei ein entscheidendes Element der Untersuchung, "da 100 bis 120 Meter doppelt so weit ist wie die effektive Reichweite der Gummigeschosse".

Laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) wurden zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 26. Oktober 2019 in Kafr Qaddum 2.762 Palästinenser verletzt. 100 Verletzungen wurde dabei durch scharfe Munition verursacht, die von den israelischen Streitkräften abgefeuert wurde. Ein IDF-Sprecher erklärte gegenüber The Independent lediglich: "Der Vorfall wurde untersucht, und die Ergebnisse der Untersuchung sowie andere Informationen wurden an die Militärische Generalanwaltschaft weitergeleitet, um zu prüfen, ob es Gründe für die Einleitung einer militärischen Polizeiuntersuchung gibt."

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