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Putin-Besuch in Saudi-Arabien: Kann Russland mit jedem im Nahen Osten befreundet sein?

Putin-Besuch in Saudi-Arabien: Kann Russland mit jedem im Nahen Osten befreundet sein?
Der russische Präsident Wladimir Putin bei seiner Ankunft in Saudi-Arabien, das er seit 2007 zum zweiten Mal besucht
Russlands Ansehen und Einfluss im Nahen Osten ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Es unterhält mittlerweile freundschaftliche Beziehungen zu fast allen Staaten in der Region und wurde so zu einem verlässlichen Partner selbst für miteinander verfeindete Parteien.

Russland verteidigt den Iran, unterstützt die Regierung von Baschar al-Assad in Syrien und kritisiert den Krieg Saudi-Arabiens im Jemen. Der gegenwärtige Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der saudischen Hauptstadt Riad scheint ein riskanter Balanceakt zu sein – ist aber vielmehr ein pragmatischer Schritt, der auf gegenseitigen Interessen beruht.

Der russische Präsident Wladimir Putin und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Al Saud bei einem Treffen im Jahr 2016.

Es ist die zweite Reise des russischen Präsidenten in die Golfmonarchie, nach seinem Besuch 2007. Nur wenige Tage zuvor ignorierte Riad den – offensichtlich scherzhaft gemeinten – Vorschlag Putins, russische Luftverteidigungssysteme zu kaufen. Stattdessen genehmigten die Saudis den Einsatz von rund 3.000 US-Soldaten auf ihrem Territorium, darunter Kampf- und Spezialverbände der Luftwaffe sowie Luftabwehrkräfte.

Allem Anschein nach bleibt Riad weiterhin fest im Orbit des Einflusses Washingtons, zumindest soweit es um Sicherheit und Verteidigung geht. Doch für Moskau ist dies offenbar kein Problem, im Gegenteil. Tatsächlich waren die Beziehungen zu den Saudis nie besser. Putin plauderte in aller Öffentlichkeit herzlich mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (kurz auch MBS genannt) und sprach darüber hinaus über seine persönlichen Beziehungen zu MBS und dem saudischen König selbst. Diese freundschaftlichen Beziehungen spiegeln sich auch gut erkennbar in der Wirtschaft wider:

Die vergleichsweise geringen Handelsumsätze zwischen beiden Ländern steigen rasant (um 15 Prozent im Jahr 2018 und um 38 Prozent im laufenden Jahr). Im Gespräch ist ein gemeinsames Projekt im Erdölsektor mit einem Kostenvolumen von einer Milliarde US-Dollar. Darüber hinaus wird der Abschluss weiterer Investitionsabkommen in dieser Woche erwartet.

Gleichzeitig ist Moskau ein Verbündeter des US-amerikanischen Staatsfeindes Nummer eins: des Iran. Saudi-Arabien macht Teheran für Angriffe gegen zwei seiner Ölanlagen im vergangenen Monat verantwortlich und beherbergt – zur Abschreckung jeglicher iranischer Aggression – US-Truppen auf seinem Boden. Riad ist in einen verheerenden militärischen Konflikt gegen die von Teheran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen verwickelt und steht auf der Seite der Gegner Moskaus im syrischen Bürgerkrieg, in dem die Saudis Teile der regierungsfeindlichen Rebellen unterstützen, während die Russen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad helfen.

Zeit für einen Durchbruch?

Doch bizarrerweise pflegt Russland derzeit bessere Beziehungen zu Saudi-Arabien als vor zwei Jahrzehnten, als Putin ein von Wirtschaftskrisen heimgesuchtes Land erbte, das sich zu sehr auf seine eigenen Probleme konzentrierte, um auf der Weltbühne eine entscheidende Rolle zu spielen. Auch wenn beide Länder in Syrien als Gegner im dortigen Stellvertreterkrieg aufeinandertrafen, besuchte der saudische König Salman 2017 Moskau, um über die Lösung des anhaltenden Konflikts zu sprechen.

Der Einfluss Russlands im Nahen Osten wächst offensichtlich, und die Saudis sehen dies als Gelegenheit, sich mit einem neuen Hauptakteur zu arrangieren.

Was sich in den letzten Jahren verändert hat, ist der russische Einfluss im Nahen Osten. Er hat stark zugenommen, und viele traditionelle US-Verbündete haben in den letzten Jahren Beziehungen zu Russland geknüpft und Russland als Akteur in dieser Region akzeptiert", sagt Ammar Waqqaf, Gründer und Direktor von Gnosos, einer Plattform für Stellungnahmen von Interessengruppen in Syrien und dem Nahen Osten, und fügt hinzu: "Niemand hatte erwartet, dass der russische Einfluss im Nahen Osten zunehmen würde. Doch er ist gewachsen – wahrscheinlich durch die syrische Krise."

Insbesondere für Saudi-Arabien wächst die Partnerschaft innerhalb der "erweiterten Organisation erdölexportierender Länder" (OPEC+), um den internationalen Ölmarkt stabil zu halten – wofür Putin selbst in einem Gespräch im Vorfeld des aktuellen Besuchs seine Unterstützung bekräftigt hat.

Der russische Präsident Wladimir Putin plädiert für den Abzug aller ausländischen Streitkräfte aus Syrien.

Neben der Zusammenarbeit im Öl- und Gassektor "denken viele Länder über den Kauf russischer Waffen nach", sagt Waqqaf. Nach Einschätzung des im Mittleren Osten lebenden Journalisten und Schriftstellers Ali Rizk ist es allerdings noch viel zu früh, um ernsthaft darüber zu sprechen, dass Saudi-Arabien russische Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 Triumf kauft:

Riads Beziehung zu den USA und zum Kongress ist momentan durchaus sehr schlecht", als Folge des aufsehenerregenden Mordes an dem Kolumnisten der Washington Post Jamal Khashoggi in einem saudischen Konsulat in der Türkei. "Ich glaube nicht, dass die Saudis riskieren würden, es noch schlimmer zu machen, indem sie diese Waffen kaufen."

Der Kauf russischer Luftverteidigungssysteme würde den gesamten aktuellen, von den USA gelieferten Luftabwehrkomplex der Saudis durch Gegenstücke aus Russland ersetzen, sagt Grigori Lukjanow, Dozent an der Moskauer Higher School of Economics:

Das ist nicht nur sehr teuer, sondern auch eine sehr radikale geopolitische Entscheidung, die die Saudis gegenwärtig wohl nicht treffen können" – trotz der den US-amerikanischen Systemen innewohnenden Mängel. Das US-Verteidigungssystem ist beschränkt. Es hat natürliche Grenzen und Schwachstellen, und eine davon, eine sehr wichtige, ist, dass das System nicht unter der direkten Kontrolle der Saudis steht – es steht in erster Linie unter der Kontrolle der USA.

Der Freund aller – aber kein Vermittler

Experten sind sich einig, dass Russland, das mit fast allen Ländern im Nahen Osten freundschaftliche Beziehungen unterhält, in einer optimalen Position ist, um in der von Spannungen geprägten Situation zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu vermitteln. Doch Putin hat gerade die "undankbare" Rolle des Vermittlers für sein Land ausgeschlossen – um sich offenbar aus den Angelegenheiten dortiger Regionalpolitik herauszuhalten, die sich nicht direkt auf Russland und seine Optionen auswirken.

Da wir sehr freundschaftliche Beziehungen zu allen Ländern der Region unterhalten, einschließlich des Iran und der arabischen Staaten wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), könnten wir sicherlich dazu beitragen, einige Botschaften zwischen den Parteien weiterzugeben, damit sie die Position des anderen anhören können. Aber da ich persönlich die Führer dieser Länder kenne, bin ich mir absolut sicher, dass sie keinen Rat oder Vermittlung benötigen", sagte Putin in einem am Sonntag veröffentlichten Interview und fügte hinzu, dass er bereit ist, "einige Ideen aus der Perspektive eines Freundes zu präsentieren".

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Moskau und Riad könnten für einen zufälligen Beobachter verblüffend sein, insbesondere im Vergleich zu Washingtons Gewohnheit, abweichende Positionen seiner Verbündeten durch wirtschaftlichen Druck zu unterbinden. Doch in einer Zeit, in der die USA – gerade im Hinblick auf den Iran – die Diplomatie als Nullsummenspiel eines "mit uns oder gegen uns" betrachten, hat Russland mehrere, oft miteinander in Konflikt stehende Seiten gleichzeitig umworben – und, wie seine Beziehungen zum Nahen Osten zeigen, sich dabei besonders hervorgetan.

Putin rühmte sich damit, die militärischen Beziehungen seines Landes zur Türkei zu vertiefen und die S-400 Triumf Anfang dieses Sommers nach Ankara auszuliefern. Im vergangenen Monat erklärte er zudem, dass "die Verhandlungen über die Lieferung neuer Waffen im Gange sind". Gleichzeitig unterstützt Russland die Assad-Regierung in Syrien, die von der Türkei bewaffnete Rebellengruppen bekämpft.

Moskau gelingt es ohne große Mühe, sowohl mit Israel als auch mit dem Iran herzliche Beziehungen zu unterhalten, obwohl der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu den Iran ständig als nukleare Bedrohung bezeichnet und dieser die Vernichtung des jüdischen Staates fordert.

Für die Saudis bietet Putin daher entsprechende Optionen, indem Russland nunmehr einen verlässlichen und stabilen Partner für die Golfstaaten darstellt.

Zuerst das Geschäft – dann die Geopolitik

Riad seinerseits hat sich im Umgang mit Mächten außerhalb des Nahen Ostens als geschickt darin erwiesen, verschiedene Angelegenheiten voneinander getrennt und professionell zu handhaben – ein Ansatz, mit dem Putin offenkundig ebenso gut vertraut ist. Moskaus Hauptziel ist es, Freunde für gegenseitig vorteilhafte Partnerschaften zu finden, keine Verbündeten, die sich gegen Rivalen zusammenschließen.

Und obwohl die Geopolitik keine Hindernisse für die Beziehungen zwischen den beiden Nationen darzustellen scheint, ist die Situation gleichwohl ein Hinweis darauf, dass der Einfluss Washingtons auf die Region nachlässt.

Die USA sind nicht mehr die Macht, die sie früher im Nahen Osten waren", stellte Rizk fest. Angesichts dessen wäre es "klug, wenn Mohammed bin Salman vielleicht nicht alle seine Eier in den US-amerikanischen Korb legen würde", ergänzte er.

Während es mit Sicherheit zu Gesprächen über Ölpreise und Investitionsgeschäfte während des Besuchs kommen wird, sollte man auch einen Schritt in Richtung einer tieferen Partnerschaft nicht ausschließen – auch wenn die unterschiedlichen Positionen und Loyalitäten Riads und Moskaus dies nach westlichen diplomatischen Standards als unmöglich erscheinen lassen.

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