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Kurdische YPG im Stich gelassen? US-Militär will bis April alle Truppen aus Syrien abziehen

Kurdische YPG im Stich gelassen? US-Militär will bis April alle Truppen aus Syrien abziehen
US-Militärkonvoi fährt durch die ostsyrische Deir-ez-Zor-Provinz.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal bereitet sich das US-Militär auf einen kompletten Rückzug aus Syrien bis Ende April vor. Der Plan sehe demnach auch den Abzug aller 200 US-Soldaten aus dem strategisch wichtigen Stützpunkt im südsyrischen al-Tanf vor.

von Ali Özkök

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump vom 19. Dezember, dass er alle rund 2.000 US-amerikanischen Soldaten aus dem vom Konflikt betroffenen Land im Nahen Osten abziehen wird, schockierte die lokalen Partner der USA. Die Wellen schlugen so hoch, dass selbst Verteidigungsminister James Mattis seinen Rücktritt erklärte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin nehmen am 19. November 2018 in Istanbul an einer Zeremonie anlässlich der Fertigstellung des Seeabschnitts der TurkStream-Gaspipeline teil.

Die von den USA unterstützte kurdische YPG-Miliz und deren Schirmorganisation SDF werden laut US-Beamten die letzten Schutzgebiete der Terrormiliz "Islamischer Staat" einnehmen. Im Anschluss wird das US-Militär seine Aufmerksamkeit auf einen Rückzug der Streitkräfte richten, so das Wall Street Journal.

Solange die Trump-Administration ihren Kurs nicht ändert, plane das Militär, einen erheblichen Teil seiner Kräfte bis Mitte März abzuziehen. Der vollständige Rückzug könnte dann bis Ende April erfolgen, informierten US-amerikanische Regierungsbeamte. Im offenen Widerspruch mit der Armee steht dabei das US-Außenministerium. Dieses behauptet öffentlich, dass es keinen Zeitplan für einen Rückzug gebe.

Während Präsident Trump keine feste Frist für den Abzug der Truppen aus Syrien festlegte, wies er das Pentagon an, alle Streitkräfte aus dem Land zu holen; ein Befehl, der dazu führte, dass die zeitliche Frist des Abzugs auf Ende April gelegt wurde.

Bemerkenswert ist, dass bislang alle Bemühungen der Trump-Regierung scheiterten, mit ihrem kurdischen Verbündeten, der YPG-Miliz, eine Existenzvereinbarung zu treffen, die sie vor einer türkischen Offensive schützen würde. Die Türkei betrachtet die YPG-Miliz als syrischen Ableger der PKK und damit als terroristisch. Sie zielt darauf ab, eine Sicherheitszone, die bis zu 40 Kilometer tief ist, entlang ihrer Grenze gegen die YPG zu errichten.

Im Gespräch mit RT Deutsch kommentierte der Syrien-Experten und Journalist Ismail Coktan, der für die Forschervereinigung Naher Osten und Afrika (ORDAF) in Istanbul tätig ist:

Aus Perspektive von Ankara glaube ich nicht, dass sich mit dem Abzug der USA eine Chance für die Etablierung einer Sicherheitszone entwickelt. Leider gibt es keinen richtigen Willen und keine Vision, die Chance zu nutzen. Ankara will das Vakuum in Syrien am besten selbst füllen und die PKK (YPG) von der türkischen Grenze abdrängen, aber dafür müsste Ankara beständig sein.

Zuletzt soll die US-Regierung der Türkei eine ähnliche Zone unterbreitet haben. Diese müsste allerdings gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien und Australien koordiniert werden. Der Vorschlag wurde von Ankara zurückgewiesen, das befürchtet, dass westliche Staaten auf diese Weise versuchen könnten, die YPG vor der Türkei militärisch abzuschirmen.

"Das Entscheidende ist: Entscheidungen müssen getroffen werden", kommentierte ein US-Beamter im Wall Street Journal.

Irgendwann machen wir politische Fortschritte, oder sie müssen dem Militär sagen, dass es langsamer werden soll, oder wir werden ohne einen politischen Prozess weitermachen."

"Die USA wollen allein den IS zerschlagen und pro-iranische Milizen herausdrängen. Wenn diese Ziele, die leicht zu meistern sind, erreicht sind, werden die USA komplett abziehen. Der April ist knapp, aber wir können sagen, dass die USA 2019 definitiv abziehen werden", erklärte Ismail Coktan über die Aussichten des Rückzugs. 

Washington informiert seine Verbündete 

US-Beamte begannen diese Woche unterdessen, ihre europäischen Verbündeten bei einer Konferenz, die sich dem Anti-IS-Kampf widmete, über den Rückzug aus Syrien zu informieren.

US-Soldat auf einem gepanzerten Mannschaftswagen in der Nähe der syrischen Stadt Manbidsch am 30. Dezember 2018

"Wie Präsident Trump von Anfang an erklärte, werden die USA ihre Streitkräfte bewusst und geordnet aus Nordostsyrien abziehen und versuchen sicherzustellen, dass die Streitkräfte, die mit Koalitionspartnern in der Kampagne gegen den IS kämpften, nicht misshandelt werden", betonte wiederum ein Beamter des State Department. Er fügte hinzu:

Wir bekennen uns zu der dauerhaften Niederlage von IS und al-Kaida, einer unumkehrbaren politischen Lösung des syrischen Konflikts und der Entfernung aller von Iran unterstützten Streitkräfte aus Syrien."

Nach den Arbeitsplänen des Militärs würden die USA auch etwa 200 Soldaten aus al-Tanf abziehen, einer Basis in Südsyrien. Diese Basis blockiert eine Autostrecke, die Damaskus mit der irakischen Hauptstadt Bagdad verbindet. Nach US-Lesart soll die Blockade dazu dienen, die expansionistischen Ambitionen des Iran in der Region zu schwächen.

Der Rückzug wird vor allem die Kurden-Miliz YPG alarmieren, die die Trump-Regierung bat, einen Plan zu entwickeln, um sicherzustellen, dass sie nicht von der Türkei ins Visier genommen wird. YPG-Führer besuchten zu diesem Zweck in den letzten zwei Wochen Washington, um Lobbyarbeit bei US-Beamten und Politikern zu leisten. Vergangene Woche soll Trump sogar Ilham Ahmed getroffen haben. Sie ist die Co-Vorsitzende des Exekutivrates des "Syrischen Demokratischen Rates", dem politischen Arm der militärischen YPG/SDF-Strukturen in Ostsyrien.

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