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Politikanalyst: "Russland hat US-Aggressionspolitik im Nahen Osten gestoppt"

Politikanalyst: "Russland hat US-Aggressionspolitik im Nahen Osten gestoppt"
Ein Konvoi gepanzerter Fahrzeuge der US-Streitkräfte fährt nahe des Dorfes Yalanli, am westlichen Stadtrand der nordsyrischen Stadt Manbidsch.
Dr. Mehmet Perinçek ist Politikanalyst an der Staatlichen Universität Moskau. Für Perinçek ist der Abzug der USA aus Syrien ist eine Chance für die gesamte Region und leite das Ende einer von den USA dominierten transatlantischen Ära ein: "Die Zukunft gehört Eurasien".

von Ali Özkök

Ein Interview von RT Deutsch mit dem Politikanalysten und Professor am Institut für Asien- und Afrikastudien der Staatlichen Universität Moskau, Dr. Mehmet Perinçek.

Trump hat erklärt, dass die Vereinigten Staaten ihre Truppen aus Syrien abziehen. Inwiefern würden Sie diese Entscheidung als ernsthaften Schritt einschätzen?

Sehr ernst. Aber das ist keine freiwillige Entscheidung für die USA gewesen, sondern eine Verpflichtung. Weil die USA ihren regionalen Krieg verlieren, der mit dem ersten Irakkrieg 1991 begann. Die Globalisierung und die unipolare Welt neigen sich dem Ende zu. Die Entscheidung der USA, sich zurückzuziehen, ist das wichtigste Zeichen dafür, dass eine neue Welt entsteht. Diese Entscheidung wird regionale Auswirkungen haben. Sie wird Konsequenzen auf der ganzen Welt haben. Kurz gesagt, die Zeit der Transatlantiker endet. Wir treten in eine neue eurasische Ära ein.

Dieser Prozess ist auch für Europa vorteilhaft. Das rücksichtslose Vorgehen der USA ist auch für Europa ein Problem. Die USA haben auch keinen Respekt vor ihren Verbündeten Deutschland und Frankreich.

Was sind Ihrer Meinung nach die geopolitischen Gründe, dass die USA beschlossen haben, sich militärisch zurückzuziehen und die YPG damit mehr oder weniger fallen zu lassen?

AFP PHOTO / Iranisches Präsidentenamt

Es gibt zwei entscheidende Faktoren. Am wichtigsten ist natürlich der Widerstand von Syrien und Assad. Zweitens sind die Türkei, Russland und der Iran zusammengekommen. Die Tatsache, dass diese Länder ihre Kräfte gegen den reaktionären und separatistischen Terrorismus vereint haben, hat die Pläne der USA zerstört. Denn genau wie der IS-Terror, wird auch der separatistische Terrorismus von den USA verursacht. Die Vereinigten Staaten haben den "Islamischen Staat" aufblühen lassen, um dann die bewaffneten kurdischen YPG-Gruppen zu legitimieren und unter dem Vorwand des Anti-Terror-Kampfes einen Staat zu gründen.

Warum sollten die USA einen kurdischen Staat gründen wollen?

Ganz einfach, auf diese Weise könnte Washington die Regionalmächte Türkei und Iran sowie den Irak und Syrien spalten und auf lange Zeit schwächen. Die USA sind bereits beim Referendum über die Unabhängigkeit des kurdischen Nordens des Irak im vergangenen Jahr gescheitert. Aber Washington stachelte weiterhin kurdische Gruppen an. Bis zu diesem Zeitpunkt: Jetzt lässt Washington zu, dass sie getrieben werden. Das ist nichts anderes als die typische "Gebrauch- und Wegwerfpolitik" der Imperialisten. Jetzt betteln Organisationen wie die PYD/YPG/PKK die USA an, nicht zu gehen. Es ist wirklich peinlich.

Während Trump, das Weiße Haus und das Außenministerium konkreter sind, ist das Pentagon vorsichtiger, wenn es um den Rückzug geht. Warum?

Es ist klar, dass es in den USA eine sehr schwere innenpolitische Auseinandersetzung gibt. Besonders nach der Wahl von Trump wurde dieser Konflikt deutlicher. Vor den Wahlen sagte Trump:  "Lasst uns unsere innere Welt organisieren, nicht die Welt; lasst uns unsere Ressourcen mobilisieren, um uns auf uns selbst zu fixieren statt auf das Ausland."

Trump wurde gewählt, aber er war nicht voll an der Macht. Vielleicht kann er jetzt zum ersten Mal das tun, was er verspricht. Der Konflikt innerhalb der USA wird sich jedoch verschärfen, was die widerstreitenden politischen Lager und Machthaber in der Führung der USA dazu bringen kann, unterschiedliche Mittel gegeneinander einzusetzen. Es wird auch vermutet, dass die USA die Türkei wieder aus dem russischen Einflussbereich herauslösen wollen.

Mit dem Rückzug aus Syrien wollen die USA auch Patriot-Systeme an Ankara verkaufen. Ist es noch möglich, das sich entwickelnde Bündnis zwischen der Türkei und Russland zu durchbrechen?

Es ist eigentlich eine Verpflichtung für die Türkei, das transatlantische Lager zu verlassen und sich Eurasien zu nähern; auf die Bedrohung vom Westen zu reagieren, die territoriale Integrität zu wahren und ihre Wirtschaft zu konsolidieren.

Allerdings haben die USA all ihre Pläne noch nicht aufgegeben, nur weil sie sich aus Syrien zurückziehen. Der Konflikt zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten ist strategisch. Die USA werden ihre die Provokationen nicht aufgeben, auch wenn sie sich zurückziehen. Zu den größten Ängsten des Westens gehört eine türkisch-russische Annäherung. Wenn diese beiden Länder zusammenkommen, haben die Pläne der imperialistischen Kräfte in der Region keinerlei Aussicht auf Erfolg.

US-Panzerfahrzeug begleitet YPG/SDF-Konvoi in Syrien.

Aber von nun an ist es fast unmöglich, die türkisch-russischen Beziehungen zu stören. Beide Länder brauchen einander, und vor allem haben sie in Syrien einen sehr ernsten Erfolg und Sieg errungen. Sie werden sehen, dass die türkisch-russischen Beziehungen auf eine viel weitere Ebene angehoben werden. Dabei spielt der Erwerb oder Nicht-Erwerb des Patriot-Systems keine Rolle. Was zählt, ist die geopolitische Kooperation am Boden.

US-Analysten behaupten, dass die Türkei und Russland die größten Nutznießer eines Rückzugs der USA aus Syrien seien. Inwiefern könnten beide Länder davon profitieren?

Am wichtigsten ist, dass sie die Bedrohung durch die USA beseitigen. Es kann keinen größeren Nutzen als diesen geben. Russland hat die Aggression der USA im Nahen Osten gestoppt. Die Türkei hat die US-Stellvertreter in Syrien, die YPG- und SDF-Milizen, gestoppt. Aber es ist ein Muss für Ankara, mit Damaskus in Kontakt zu sein, um diesen Prozess viel besser zu steuern und mögliche Provokationen durch die USA zu vermeiden. Dann wird dieser Erfolg noch exponentieller wachsen.

Politikanalyst: "Russland hat US-Aggressionspolitik im Nahen Osten gestoppt"
Aktueller Frontverlauf in Syrien

Das russische Außenministerium lobte den Rückzug der USA und verknüpfte ihn mit den Friedensgesprächen von Astana. Welche Folgen könnte diese Entwicklung für den Friedensprozess haben?

Das große Problem in Syrien und im Nahen Osten sind die Einmischungen der USA. Keine USA, kein Problem, denn so könnten sich die regionalen Staaten untereinander verständigen, ohne die Einmischung einer Supermacht. Gehen die USA, lösen sich 90 Prozent der Probleme.

Den Rest der Probleme könnten die Länder der Region über Kooperation und Interessensausgleich fair lösen.

Andererseits ist der Astana-Prozess auch für andere Probleme in der Region ein Zukunftsmodell. Diese Dialogplattform kann auch zur Lösung der Probleme im Schwarzen Meer, dem Kaukasus, der Ägäis und im Mittelmeer eingesetzt werden. Astana hat beweisen, dass die Probleme in Syrien überwindbar sind und dass die USA nicht unbesiegbar sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

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