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Oman zwischen den Stühlen: Israel und USA fördern Kooperationen mit Feindbild Iran

Oman zwischen den Stühlen: Israel und USA fördern Kooperationen mit Feindbild Iran
"Bibi" Netanjahu zum ersten Staatsbesuch seit mehr als 20 Jahren im Sultanat Oman.
Nach mehr als zwanzig Jahren fand kürzlich ein Treffen zwischen dem Sultan Omans und dem israelischen Premierminister statt, gefolgt von weiteren Besuchen hochrangiger israelischer Beamter im Oman. Das Sultanat ist bisher vergleichsweise neutral und stabil.

Im Oktober empfing der Sultan von Oman, Qabus ibn Said, eine israelische Delegation unter der Leitung von Premierminister Benjamin Netanjahu, seiner Frau Sara und dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes Mossad, Yossi Cohen, in der osmanischen Hauptstadt Maskat. Es war der erste Staatsbesuch aus Israel seit 1996 zwischen den beiden Ländern, auch gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern.

Kinder protestieren vor dem UN-Gebäude in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gegen die saudische Kriegskoalition und ihre Verbündeten aus den USA und Großbritannien.

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Neben einem Gespräch über den andauernden israelisch-palästinensischen Konflikt war eine der Botschaften des israelischen Ministerpräsidenten, dass die Golfstaaten und Israel in Opposition zum gegnerischen Iran vereint seien. Die iranische Führung kritisierte den Besuch und wertete ihn als Versuch, die Beziehungen zwischen den muslimischen Ländern zu spalten.

Vermehrte Besuche hochrangiger israelischer Beamter - Washington begrüßt "Dialog"

Weniger als zwei Wochen nach dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten folgte der Verkehrs- und Nachrichtendienstminister, Israel Katz. Dabei ging es offiziell um die sogenannte Initiative "Tracks for Regional Peace" (übersetzt: "Gleise für den regionalen Frieden"), die Errichtung von Eisenbahnverbindungen zwischen dem Mittelmeer und dem persischen Golf, über Haifa, Jordanien, Saudi-Arabien in mehrere Golfstaaten, wie die Emirate und Oman. 

Der Vorschlag ist Teil eines Vorstoßes Israels, regionale Entwicklungen zu nutzen und antiiranische Ressentiments zu schüren. Katz erwähnte im letzten Monat, dass er das Bahn-Projekt auch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgestellt habe und die deutsche Regierung erwäge, an dem Projekt mitzuwirken.

Das Bahnprojekt, eine Idee von Katz persönlich, wurde dem Sondergesandten der USA für den Nahen Osten, Jason Greenblatt bei einem Besuch in Israel präsentiert. Im Namen der US-Regierung begrüßte Greenblatt die Initiative und forderte die Unterstützung des Dialogs zwischen Israel und den arabischen Staaten.

Auf Twitter schrieb er zu dem Besuch von Katz in Maskat: "Diese Bemühungen unterstützen unsere Bemühungen."

Einem Werbevideo zufolge soll sich das mit öffentlichen-privaten Mitteln gestemmte Projekt durch die damit erlangten wirtschaftlichen Profite innerhalb von zehn Jahren rechnen. Die Transportwege über Land sollen außerdem dazu dienen, die "Sicherheitsbedrohungen zu vermeiden, die von Iran in der Straße von Hormus ausgehen und in der Bab-al-Mandab" Meeresenge.

Gemeinsamer Feind: Iran

In den vergangenen Monaten gab es vermehrt Auseinandersetzungen um Durchfahrtsrechte in der Straße von Hormus. Die Meerenge ist teilweise weniger als 60 Kilometer breit, Schiffe durchfahren dabei die Hoheitsgewässer des Irans. Durch die Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweit vermarkteten Öls verschifft, und immer wieder gibt es dort Spannungen.

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Josh Block, Präsident des Israel-Projekts, schrieb im Wall Street Journal: 

Obwohl Israel und die arabischen Golfstaaten seit langem geheime diplomatische Beziehungen unterhalten, haben die jüngsten öffentlichen Gesten der Normalisierung die Beziehung auf eine neue Ebene gehoben".

Block verwies dabei auch auf eine "gemeinsame Bedrohung durch den Iran".

Omans Verkehrsminister Dr. Ahmed Mohammed Al-Futaisi hatte gegenüber Medien betont, die Einladung an Katz sei einzig vor dem Hintergrund des Treffens der Internationalen Straßentransportunion (IRU) in Oman erfolgt. Ein Ausschluss von Vertretern eines einzelnen Landes sei nicht möglich.

Katz hatte eine formelle Einladung von seinem omanischen Amtskollegen und den Organisatoren der Konferenz erhalten, was nach Angaben von Middle East Monitor ebenfalls eine Besonderheit zu sein scheint, wurde damit doch das erste Mal ein israelischer Minister formell zur Teilnahme an einer internationalen Konferenz im Oman eingeladen. Empfangen wurde er mit dem traditionellen Schwerttanz.

Katz sitzt im Sicherheitskabinett Israels und ist als Hardliner bekannt, der auch vor gezielten Tötungen - beispielsweise von Aktivisten der politischen Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) - nicht zurückschreckt, die sich durch Boykott-Aufrufe gegen die Besatzung von pa­läs­ti­nen­sischen Territorien durch Israel stellt.

Seit dem vergangenen Jahr brachte Washington Pläne einer Militärallianz arabischer Staaten auf den Weg welche sich deutlich gegen den Iran richtet. Die Strategischen Allianz für den Nahen Osten (MESA) soll laut Weißem Haus eine arabische Variante einer "NATO-ähnlichen Allianz" darstellen und hat eine sehr klare Ausrichtung:

MESA wird als Bollwerk gegen iranische Aggression, Terrorismus, Extremismus und Stabilität im Nahen Osten dienen."

Dahinter stehe eine stragische Partnerschaft zwischen den USA und den Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) sowie Ägypten und Jordanien. US-Außenminister Mike Pompeo untermauerte erst vor wenigen Wochen die Ansichten Washingtons über die wahren Feinde des Friedens im Nahen Osten. Ziel von MESA solle es werden

terroristische Gruppen zu besiegen, Syrien und Jemen Frieden und Stabilität zu bringen, einen florierenden und integrativen Irak zu gewährleisten und die bösartigen Aktivitäten des Iran in der Region zu stoppen." 

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Während der Frieden in der Region sicherlich nicht unerheblich unter einer Reihe der geplanten MESA-Mitglieder leidet und einige davon auf verschiedene Arten Terrorismus unterstützen, wird immer häufiger offen debattiert, dass das vorsätzliche Morden von Zivilisten seitens Saudi-Arabien und seinen Verbündeten im Jemen veranstaltete Genozid beendet werden muss.

Omans Neutralität unter Druck

Eine Reihe weiterer hochrangiger israelischer Beamter besuchte dennoch bereits bisher den um Neutralität bemühten Golfstaat. Auch in den Konflikten des Nahen Ostens hatte sich das Sultanat bislang weitestgehend zurückgehalten, da seine Mehrheitsbevölkerung weder schiitisch noch sunnitisch ist, eine Bevölkerungsmehrheit von etwa 75 Prozent sind Ibaditen.

Zwischen Israel und anderen arabischen Staaten gibt es seit längerem eine Annäherung von Interessen, auch hinsichtlich der Eindämmung des Iran. Laut einem Bericht des Magazins Foreign Policy finden regelmäßige Treffen zwischen den israelischen, ägyptischen, jordanischen Geheimdienstchefs und denen der Golfstaaten statt. Das öffentliche Treffen des osmanischen Sultans mit Netanjahu sei allerdings darüber hinaus gegangen, hatten doch die Staatsoberhäupter der Golfstaaten bisher Treffen mit Netanjahu nicht öffentlich vollzogen.

Omans bisherige Rolle war eher die eines Vermittlers. So waren die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran für das Atomabkommen im Jahr 2015 unter Mitwirkung von diplomatischen Kanälen des Oman vorbereitet worden.

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Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur des Oman ONA stand auch bei dem jüngsten Besuch Benjamin Netanjahus der Friedensprozess im Nahen Osten im Vordergrund.

Da die Palästinenser mittlerweile die USA nicht mehr als Vermittler anerkennen, seit Trump im Alleingang ganz Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte und die US-Botschaft bald darauf demonstrativ von Tel Aviv nach Jerusalem verlegte. Vor Netanjahu war Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in den Oman gereist.

Doch nach Einschätzung des Nahost-Experten Steven Cook ging es dabei für den Oman in erster Linie weder um den israelisch-palästinensischen Konflikt noch um den Iran. Vielmehr spiele Washington eine große Rolle für die Zukunft des Sultanats, das mit der Verbesserung seiner Beziehungen zu Israel versucht, dem derzeitigen politischen und diplomatischen Druck zu entsprechen.

Risiko für Stabilität Omans

Der herrschende Sultan Qabus ist bereits 77 Jahre alt und nicht bei bester Gesundheit. Er war unlängst unter anderem zwecks einer Behandlung in Deutschland, möglicherweise wegen einer Krebserkrankung. Seine Nachfolge ist noch ungeklärt, doch wenn diese Frage akut wird, steht auch die Stabilität dieses Landes auf dem Spiel. Und daher ist die Unterstützung Washingtons möglicherweise zu bedeutsam, als dass das Sultanat jetzt die Annäherungsversuche Israels ablehnen könnte. Denn gute Beziehungen zu Israel wiederum sind derzeit auch für gute Beziehungen zu den USA eine Voraussetzung.

Israel hat eingestanden, über 200 Luftangriffe in Syrien in den letzten 18 Monaten durchgeführt zu haben. (Symbolbild zeigt einen israelischen F15-Kampfjet)

Oman versucht zwar, seine Neutralität zu wahren, steht dabei aber zwischen den konfliktreichen Fronten Irans, Saudi-Arabiens, Jemens und der Vereinigten Arabischen Emirate. Gäbe der Oman seine Neutralität auf, könnte auch er in die Kriege und Krisen der Region verwickelt werden.

Aber eben diese Neutralität scheint nun unter Druck zu geraten. Bisher hat sich Sultan Qabus trotz der Mitgliedschaft seines Landes im Golfkooperationsrat gegen eine aktive Rolle bei der saudi-geführten Offensive im Nachbarland Jemen entschieden. Auch unterhält Oman Verbindungen zum Iran, so dass die Unterstellung im Raum schwebt, die Führung des Oman ignoriere Waffendeals zwischen Teheran und den Huthi-Rebellen. Die Beziehungen zwischen Maskat und Teheran reichen jedoch bis in die frühen 1970er Jahre zurück. Die anhaltenden Bindungen zwischen Oman und dem Iran erklärt der Analyst Mahan Abedi im Middle East Monitor mit der Unterstützung Irans für den Oman im Kampf der Regierung gegen die Dhofar-Rebellen im eigenen Land.

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Bei der aktuellen, offenen anti-iranischen Haltung einflussreicher Vertreter der Trump-Administration und des US-Präsidenten selbst wäre eine Einordnung Omans als "zu Iran-freundlich" für das Land bedrohlich.

Ganz zu schweigen von Washingtons Verbündeten im Golfkooperationsrat, die dem Sultanat in vielerlei Hinsicht weit überlegen sind und mit der Isolierung Katars gezeigt haben, zu welchen Mitteln zu greifen sie im Fall einer Interessenverlagerung bereit sind.

Risiko für internationale Vermittlerrolle Omans

Der Analyst Mahan Abedi sieht es jedoch als riskant an, wenn sich das Sultanat Oman plötzlich gegen Teheran stellen müsste, nicht nur für das gesamte politische Gefüge der Golfregion sondern darüber hinaus, und zwar vor dem Hintergrund der früheren erfolgreichen Vermittlerrolle des Oman zwischen Washington und Teheran.

Weiterhin führt Abedi an, dass Israel de facto einen Krieg gegen den Iran führt. Erst im September gestand das israelische Militär ein, allein in den letzten 18 Monaten mehr als 200 Luftangriffe in Syrien durchgeführt hat, nämlich vorrangig gegen "iranische Ziele."

Zudem wurde ein großer Teil der anvisierten "iranischen" Zielkoordinaten den Israelis durch die Arbeit US-amerikanischer Geheimdienste bereitgestellt. Washington wurde öffentlich gewarnt, Iran könnte in Syrien Vergeltungsaktionen oder aber Operationen zur Eindämmung der offensiven Politik Israels ausführen.

Nach Ansicht iranischer Experten scheint der hochrangige Besuch aus Israel auch das Ziel zu verfolgen, die historisch guten bilateralen Beziehungen Omans zum Iran einzuschränken, um den Iran auch auf dieser Ebene weiter zu isolieren.

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