Diktator gesucht: Wie die CIA 1949 in Syrien einen Putsch organisierte

Diktator gesucht: Wie die CIA 1949 in Syrien einen Putsch organisierte
Symbolbild
Der Krieg in Syrien begann mit einem Aufstand der Bevölkerung gegen die syrische Diktatur, so die Lesart westlicher Regierungen. Andere Perspektiven werden als Verschwörungstheorie gebrandmarkt. Die Geschichte erhellt dabei jedoch die Verschwörungspraxis.

von Kani Tuyala

Wer den Krieg in Syrien jenseits der täglichen Flut an Nachrichten über die "Bestie Assad" verstehen möchte, für den lohnt sich ein Blick in die jüngere Geschichte des Landes. Diese war bereits vor Beginn des aktuellen internationalen Stellvertreterkriegs von etlichen Anläufen geprägt, die Entwicklungen in Syrien zu steuern und zu kontrollieren. Die leidvolle Tradition von Staatsstreichen und Destabilisierungsversuchen, der das Land seit nunmehr siebzig Jahren ausgesetzt ist, ermöglicht es, die historische Kontinuität auch der aktuellen Ereignisse nachzuvollziehen.

Die Versuche, Syrien den eigenen Willen aufzuzwingen, erreichten im Jahr 1948 einen ersten Höhepunkt, auch wenn die entsprechenden Entwicklungen bereits Jahre früher begannen. Syrien war zu diesem Zeitpunkt ein noch sehr junger Staat und der sich anbahnende arabisch-israelische Krieg veranlasste die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien dazu, der Region ein Waffenembargo aufzuerlegen. Damaskus protestierte, ebenso gegen die UN-Resolution, mit der Palästina zwischen Arabern und Juden aufgeteilt werden sollte.

Der demokratisch gewählte syrische Präsident Schukri al-Quwatli entschied sich im Zuge dessen dazu, die vorgesehene Passage der Transarabischen Pipeline (Tapline) zu blockieren, die von Saudi-Arabien über Syrien zum Mittelmeer führen sollte. Die entsprechenden Pläne zum Bau der Pipeline wurden 1945 von der damaligen Arabian American Oil Company (Aramco) ins Leben gerufen. Es war das syrische Parlament, das schließlich die Passage über syrisches Territorium verweigerte.

Zum Jahr 1948 heißt es auf der Onlinepräsenz des Unternehmens Aramco:

Standard Oil aus New Jersey und Socony-Vacuum (beide jetzt ExxonMobil) schließen sich Socal und Texaco (jetzt Chevron Corporation) als Eigentümer von Aramco an.

Gewaltsame anti-amerikanische und anti-israelische Proteste führten schließlich zum Rücktritt des syrischen Premierministers Dschamil Mardam. Sein Nachfolger wurde Chalid al-Azm. Zu jener Zeit nahm CIA-Mitarbeiter Stephen Meade Kontakt zu rechtsnationalen Offizieren der syrischen Armee auf. Deklassifizierte CIA-Dokumente verweisen demnach darauf, dass sich Meade im November des Jahres 1948 mindestens sechsmal mit dem syrischen Stabschef Oberst Husni az-Za'im traf, um die "Möglichkeit [einer] von der Armee unterstützten Diktatur" zu diskutieren.

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Douglas Little, Professor für Geschichte an der Clark University, hält fest:

US-Offizielle erkannten, dass Zai'm ein 'Typ vom Schlage eines Bananen-Republik-Diktators' mit einer starken 'anti-russischen Einstellung' sei.

Time zufolge versicherte Za'im der CIA, dass, sollten "die USA eine Regierung unter seiner Führung anerkennen, er die amerikanische Agenda in Bezug auf Öl und den arabisch-israelischen Konflikt erfüllen werde".

Za'im versprach Meade zudem eine "Überraschung" für den Fall, dass dieser ihm die Unterstützung der USA für seine Pläne zusichere. Während sich die Gerüchte um einen unmittelbar bevorstehenden Staatsstreich verdichteten, machte sich US-Vize-Außenminister George McGhee auf den Weg nach Damaskus.

Zufall oder nicht, unmittelbar nach Za'ims Ankündigung einer Überaschung kam es zu Protesten gegen die "Korruption der Regierung" und die "falsche Handhabung des Krieges mit Israel". Die günstige Gelegenheit nutzend, kam es dann am 30. Mai zum Staatsstreich unter Führung Za'ims, in dessen Verlauf der syrische Präsident Quawatli verhaftet und die syrische Verfassung außer Kraft gesetzt wurde. Wie Time im April 2017 festhält, hielt Za'im sein Versprechen und erklärte sich mit einem Waffenstillstand mit Israel ebenso einverstanden wie mit dem Verlauf der Transarabischen Pipeline über Syrien.

Am 14. April 1949 übermittelte Meade schließlich die Nachricht, dass "400 Commies [Kommunisten] in allen Teilen Syrien verhaftet" worden sein. Demnach "übertraf das Auftreten Za'ims bei Weitem die Erwartungen Washingtons". Am 28. April berichtete der CIA-Mitarbeiter dem US-Botschafter in Syrien, dass Syrien bereit sei, Friedensgespräche wiederaufzunehmen, und "250.000 palästinensische Flüchtlinge in Syrien anzusiedeln".

Am 16. Mai genehmigte Za'im Aramcos Tapline [Transarabische Pipeline]", fügt Little hinzu.

Nur zwei Wochen später verbot Za'im die Kommunistische Partei und ließ "Dutzende linksgerichtete Dissidenten" verhaften. Ein Waffenstillstand mit Israel wurde unterzeichnet. Es bestand zudem begründete Hoffnung auf die Genehmigung "militärischer und wirtschaftlicher Hilfe [durch die USA] in Höhe von 100 Millionen US-Dollar".

Doch Za'ims Putsch sollte sich für ihn nicht auszahlen, denn bereits am 14. August 1949 wurde er selbst Opfer eines Staatsstreichs und schließlich hingerichtet. Wie Little erläutert, brachen infolgedessen die alten Gräben zwischen den USA und Syrien erneut auf, was zu drei Staatsstreichen innerhalb etwa eines Jahres führte. Mit Wissen und Billigung der USA ging schließlich Adib Schischakli aus den Tumulten als neues Staatsoberhaupt Syriens hervor. Auch dieser bat die Vereinigten Staaten im März 1950 um "militärische Hilfe, um die Ordnung wiederherzustellen". Das Potenzial Schischaklis als „eine der stärksten anti-kommunistischen Kräfte im Land“ erkennend, gab Washington ihm zu verstehen, "dass Syrien bald mit Waffen aus den USA rechnen" könne.

Eine Ölpumpe in der Stadt asch-Schaddadi im Gouvernement al-Hasaka am 2. April 2010.

Hier kommt CIA-Mitarbeiter Miles Copeland von der US-Botschaft in Syrien ins Spiel.

Was erwartet ihr von uns?", wird die Frage eines Schischakli-Militärs an den Militärattaché der US-Botschaft zitiert.

Um auch diese Frage zu diskutieren, besprechen sich Copeland und weitere Geheimdienstler mit Schischakli am 23. November 1951. Eine Woche später galt es, gemeinsam die Pläne von Maarouf Dawalibi, den US-Beobachter als pro-sowjetisch betrachteten, zu durchkreuzen, Syriens achtes Parlament in weniger als zwei Jahren zu leiten. Schischakli entschied sich kurzerhand für die Auflösung des Parlaments und die Errichtung einer Militärdiktatur. Um seine Machtposition zu festigen, erhielt der Diktator von Washingtons Gnaden schließlich auch die gewünschte Militärhilfe.

In einem Artikel der New York Times aus dem Jahr 2003 heißt es zu den Geheimabsprachen und Geheimdienstmachenschaften unter Copeland:

Bei einem Kaffee in einem Kairoer Hotelzimmer im Jahr 1968 erinnerte Copeland daran, dass, während US-Diplomaten den Syrern, die sie nicht sehr gut verstanden, Demokratie predigten, er die syrischen Wahlen durch Bestechung manipuliert hatte, indem er diesen durch den Import amerikanischer Wahlmaschinen einen Anstrich von Ehrlichkeit gab.

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Copeland beschrieb die damaligen verhängnisvollen Aktivitäten der CIA in Syrien in seiner 1989 Autobiographie "The Game Player". Weiter heißt es in der New York Times:

Copeland und ein anderer ehemaliger CIA-Agent, Wilbur Eveland, stimmten darin überein, dass Oberst Husni Za'ims 'pro-westlicher' Staatsstreich vom März 1949 CIA-Arbeit war. Es begann eine Zeit großer Instabilität und politischer Gewalt.

Bei dem von der CIA orchestrierten Staatsstreich im Jahr 1949 handelte es sich um "eine der ersten verdeckten Operationen der CIA". Die Central Intelligence Agency wurde im Jahr 1947 gegründet.

Etwa zehn Jahre später, im Jahr 1957, einigten sich der US-amerikanische Präsident und der britische Premierminister auf einen erneuten Regimewechsel in Syrien. Der Putschplan, der die Installierung eines pro-westlichen "Regimes" vorsah, konnte jedoch aufgedeckt und vereitelt werden.

Doch diese unheilvollen Ereignisse sollten nur der Auftakt im Bestreben der USA und ihrer treuesten Verbündeten sein, Syrien nach ihren Vorstellungen umzugestalten.

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