Bana, Hala, Noor und Alaa - Wie Kinder im syrischen Bürgerkrieg für Propaganda missbraucht werden

Bana, Hala, Noor und Alaa - Wie Kinder im syrischen Bürgerkrieg für Propaganda missbraucht werden
Noch haben wir Bana Alabed vor Augen, das siebenjährige twitternde Mädchen aus Ost-Aleppo, das den Westen gegen Assad und die russischen Streitkräfte aufbringen sollte. Immer wieder werden Kinder von Islamisten in Syrien für Propagandazwecke missbraucht.
Der Vater des kleinen Omran Daqneesh beklagte sich darüber, dass westliche Medien seinen Sohn benutzt hätten.

Der Account ist keinen Monat alt, aber hat schon über 100 Follower auf Twitter. Er gehört einem Mädchen namens Hala, sie ist sechs Jahre alt und in einem Video steht sie vor einem Trümmerhaufen und stellt sich in gebrochenem Englisch vor. Sie sieht hübsch aus in ihrem Kleid. Jeder, der das Video sieht, möche sie sofort aus ihrer grauenhaften Lage befreien.

Vieles erinnert an Bana Alabed, das Mädchen aus Ost-Aleppo, das im Westen durch ihre berührenden Nachrichten berühmt wurde und eine beispiellose Welle der Empörung über die Agriffe auf Aleppo auslöste. Nach ihrer Evakuierung reiste sie durch die ganze Welt und wurde zusammen mit den Weißhelmen die Symbolfigur des Widerstandes gegen das Assad-Regime. Da störte es auch nicht weiter, dass sie Tweets in einem Englisch abgefasst hatte, dass kein Kind und Nicht-Muttersprachler beherrschen kann. In späteren Interviews wurde dies auffallend deutlich. Auch ihre Mutter, die die Tweets für Bana abschickt, kann nicht das sprachliche Niveau haben, das man von ihrem Twitter-Konto gewohnt ist.

Auch einige von Banas Nachrichten entsprechen nicht gerade den Gedankengängen eines siebenjährigen Mädchens. Es scheinen die Gedanken eines Erwachsenen zu sein, der sich sehr bewusst ist, dass seine Worte großes Unheil anrichten können.

Bana, Hala, Noor und Alaa - Wie Kinder im syrischen Bürgerkrieg für Propaganda missbraucht werden

Bana ist mittlerweile im Charity-Jetset angekommen, hat längst ihre eigene Webseite und ihr erstes Buch veröffentlicht. Die Methode, ein junges Kind in den Mittelpunkt einer Kampagne zu stellen, hat in Aleppo wunderbar funktioniert. Dies lockt Nachahmer unter den islamistischen Rebellen an, die immer dann aktiv werden, wenn syrische Offensiven die Stellungen des IS oder von Al-Nusra in Bedrängnis bringen.

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Kampf um westliche Aufmerksamkeit geht weiter

Neben der kleinen Hala ist Marwa eine weitere neue Protagonistin im Kampf um die westliche Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Sie verweist auf ihre Istagramseite und auf einen Acount eines syrischen Aktivisten, der sich als ihr Bruder ausgibt. Der Aktivist @FareedFromSyria twittert einschlägige Nachrichten gegen Assad und den Iran.

Ein niedliches Gesicht, viele Smileys und emotionale Botschaften wie "Save the children of Syria" geben den angeblichen Leiden der syrischen Bevölkerung ein Gesicht. Registriert ist der Account seit dem 31. Juli 2018. Auf den harmlosen Eröffnungstweet folgte sofort knallharte Propaganda, die selbst vor Bildern verletzter Kinder nicht zurückschreckt. Man fragt sich, ob ein Kind eine solche Botschaft wirklich abgeschickt hat, oder ob nicht ein Erwachsener mit klaren Absichten dahinter steckt.

Bana, Hala, Noor und Alaa - Wie Kinder im syrischen Bürgerkrieg für Propaganda missbraucht werden
Screenshot des Tweets, durch die Redaktion verpixelt. Abruf: 1. August 2018.

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Kampagnen mit hübschen Gesichtern gegen syrischen Staat

Über diese und andere Accounts werden Kampagnen gefahren, um maximale Aufmerksamkeit in den sozialen Medien zu generieren. Diese Accounts konzentrieren sich in besonderer Weise auf die Gebiete, in welchen islamistische Gruppen eingekreist sind.

Die Geschwister Noor und Alaa sind regelrecht als Krisenreporterinnen unterwegs und berichten von den Schauplätzen des syrischen Bürgerkrieges. Die Zutaten sind alle beisammen: Niedliche Gesichter und eindringliche Botschaften in schlecht auswendig gelerntem Englisch moderieren die Gräuel der Assad-Truppen.
Erst drehten sie ein Selfie-Video, das angeblich aus Guta stammen sollen. Dazu gab es den passenden Hashtag #SaveGhouta. Dann tourten sie durch Flüchtlingscamps und zeigten auf Handys immer wieder Bilder von verletzten und verstümmelten Kindern, um maximalen Druck auf die Follower aufzubauen. Begleitet wurde die Phase der syrischen Südwestoffensive vom Hashtag #Act4Daraa. Jetzt beteiligen sie sich an der neuen Kampagne #EyesOnIdlib, da die syrische Armee die letzten Kämpfer der Al-Nusra Front dort isoliert hat.

Da kann eine Marketingkooperation mit den Weißhelmen nicht schaden. Zusammen mit dem Gründer der angeblichen Hilfstruppe posieren Noor und Alaa für einen Twitterpost.

Die Weißhelme werden seit Langem von unabhängigen Journalisten verdächtigt, als Propagandaarm der islamistischen Rebellen die westlichen Medien beeinflussen zu wollen. Sie werden mit Millionenbeträgen von den USA, Großbritannien und auch Deutschland gestützt. Obwohl sie vorgeben, unabhängig zu sein, operieren sie nur in Rebellengebieten. Anders als jeder andere Zivilschutz sind sie mit Kameras ausgestattet und verbreiten ihre Rettungsaktionen werbewirksam im Internet.

Nachdem die syrische Armee den Kampf zu gewinnen scheint, werden die Weißhelme selber zu einem Rettungsfall. Heimlich wurden sie aus dem Südwesten Syriens mit israelischer Hilfe nach Jordanien gebracht. Einige werden sogar von Deutschland aufgenommen. Davon ist in den sozialen Medien weniger zu lesen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist der erste seiner Art, der die Macht sozialer Medien in ihrer ganzen Breite nutzt, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Mit der Heftigkeit der Kämpfe um Idlib wird auch der Kampf um die sozialen Medien aufflammen.

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Trends: # Krieg in Syrien, # Medienkritik

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