Ein Jahr nach Befreiung vom IS: Nur 30 Prozent der Krankenhäuser in Mossul wieder aufgebaut

Ein Jahr nach Befreiung vom IS: Nur 30 Prozent der Krankenhäuser in Mossul wieder aufgebaut
Ein Blick auf einen Teil des westlichen Mossuls, Irak 29. Mai 2017
Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat dringende Maßnahmen beim Wiederaufbau der Gesundheitsinfrastruktur der zerbombten nordirakischen Stadt Mossul gefordert. Die Wiederaufbaubemühungen in der Region verlaufen "extrem langsam".

Die Lokalbevölkerung von Mossul hat keinen Zugang zu 70 Prozent der Gesundheitspflegeinfrastruktur der Stadt. Vor genau einem Jahr, am 9. Juli 2017, kämpften irakische Truppen mit Unterstützung der USA die Stadt frei vom "Islamischen Staat". Seitdem hat sich in Fragen des Wiederaufbaus wenig getan. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärte am Montag, dass die Beschädigungen für die Wiederaufnahme der meisten Krankenhäuser und anderer medizinischen Einrichtungen zu groß sind.

Nach Angaben der medizinischen Hilfsorganisation wurden neun der 13 öffentlichen Krankenhäuser Mossuls während der neunmonatigen Schlacht substanziell beschädigt. Daraus resultiert, dass die Stadt rund 70 Prozent ihrer Kapazitäten für Krankenhausbetten verloren hat.

IS-Kämpfer bei einer Parade in Rakka, Syrian, am 30. Juni 2014.

Ärzte ohne Grenzen unterstrich, dass der Wiederaufbau in Mossul "extrem langsam" verläuft. In der gesamten Stadt stehen weniger als 1.000 Krankenhausbetten zur Verfügung. Offiziell umfasst die Bevölkerungsgröße von Mossul 1,8 Millionen Einwohner.

"Der Zugang zu Gesundheitsdiensten ist eine tägliche Herausforderung für Tausende von Kindern und Erwachsenen in Mossul", sagte Heman Nagarathnam, Leiter der "Ärzte ohne Grenzen"-Mission im Irak. Er fügte hinzu:

Die Bevölkerung der Stadt wächst von Tag zu Tag. Allein im Mai 2018 kehrten fast 46.000 Menschen nach Mossul zurück. Aber das öffentliche Gesundheitswesen erholt sich nicht, und es besteht eine große Kluft zwischen den verfügbaren Dienstleistungen und den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung.

Die internationale Vereinigung von Ärzten informierte, dass die Bewohner Mossuls auch in ihren Häusern gefährdet sind. Dort herrschen schlechte hygienische Verhältnisse und instabile Strukturen, die ein physisches Trauma verursachen.

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Die Gruppe forderte die internationale Gemeinschaft auf, "die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur dringend wiederaufzubauen, den Patienten Zugang zu erschwinglichen Medikamenten zu verschaffen und sicherzustellen, dass medizinische Einrichtungen mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet werden."

Nagarathnam hob auch die dringende Notwendigkeit hervor, für diejenigen zu sorgen, die an den Nachwirkungen der Periode der IS-Herrschaft und dem verheerenden Angriff der irakischen Streitkräfte auf die Stadt leiden. In den letzten Tagen kam es offenbar unter dem Eindruck einer mangelnden Präsenz der Zentralregierung in Mossul zu vereinzelten Angriffen von IS-Zellen in der Stadt und der Region. Dazu gehören die Entführungen von mindestens 46 Zivilisten, Sicherheitsbeamten und Stammeskämpfern. 20 der Gefangenen sollen hingerichtet worden sein.

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