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"Lassen Sie uns es wissen, wenn sie tot ist": Vorwurf der Folter von Krebspatientin gegen Emirate

"Lassen Sie uns es wissen, wenn sie tot ist": Vorwurf der Folter von Krebspatientin gegen Emirate
Symbolfoto
Krebspatientin Alia Abdulnoor soll in einem Gefängnis der Vereinigten Arabischen Emirate extremen Folterungen ausgesetzt und isoliert an ein Krankenhausbett gekettet worden sein. Kritik an der Lage in der ölreichen Golfmonarchie aus Europa gibt es kaum.

Alia Abdulnoor ist eine in den Vereinigten Arabischen Emiraten inhaftierte Krebspatientin, die einem Bericht des der Muslimbruderschaft nahestehenden Nachrichtenportals The New Arabzufolge derzeit isoliert in Handschellen festgehalten wird und faktisch zum Sterben freigegeben worden sein soll. Seit drei Jahren halten die Behörden sie und ihre Schwester in Haft und die Misshandlungen durch die Gefängniswärter sollen so exzessiv gewesen sein, dass andere Häftlinge es bereits seit langem für gefährlich hielten, mit dem Schwesternpaar überhaupt zu sprechen.

Arabische Organisation für Menschenrechte beobachtet die Fälle

Beide Frauen wurden im November 2015 verhaftet. Die Anklage lautete, beide würden in den Emiraten als terroristische Vereinigungen eingestufte islamistische Gruppen unterstützen. Der einzige Beweis, der in diesem Zusammenhang vorgelegt worden sein soll, sei eine Aufzeichnung von Webseiten gewesen, die Alia Abdulnoor besucht habe. Alia soll zudem in den sozialen Medien regierungsfeindliche Auffassungen geäußert haben, heißt es.

Nach mehreren Monaten, angeblich unter Folter und Androhung des Todes ihrer Schwester, wurde sie dem Bericht zufolge gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben. Das zuständige Gericht in den Emiraten verurteilte die Frau zu zehn Jahren Gefängnis.

Bei einer Veranstaltung der Arabischen Organisation für Menschenrechte in Großbritannien (AOHR UK) beschrieb eine nach eigenen Angaben ehemalige Mitgefangene und Freundin von Alia am Mittwoch die Tortur, die diese erdulden müsse.

The New Arab schreibt unter Berufung auf diese ehemalige Zellen-Genossin von Ali Abdulnoor, die namentlich nicht genannt werden wollte, dass der Krebspatientin in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die als enger Verbündeter der westlichen Welt gelten, die medizinische Versorgung verweigert würde. Die angebliche frühere Mitgefangene sagte:

Sie wurde schlechter behandelt als andere Gefangene und ihr Lebensraum war für einen Krebspatienten unhygienisch - grundlegende Antiseptika oder Reinigungsmittel wurden nicht bereitgestellt, geschweige denn medizinische Versorgung.

Anonyme Berichte über Selbstmordversuche

Auf Anfrage bei den Gefängnisbeamten um medizinische Hilfe für die Krebspatientin sollen die Beamten gelacht haben. Den Schilderungen zufolge sollen diese geäußert haben, die Schwester möge sie wissen lassen, "wenn sie tot ist". Hin und wieder soll die Krebskranke von einer Krankenschwester süchtig machende Schmerzmittel erhalten haben, um ihre Schmerzen zu lindern.

Selbst mit schweren Beruhigungsmitteln kann sie nicht essen, kommunizieren, aufstehen oder beten", kritisierte die Quelle.

Vor anderthalb Jahren soll der Gefängnisdirektor des Al-Wathba-Gefängnisses - das Regierungskritiker auch "Guantanamo der Emirate" nennen - angeordnet haben, dass Alia angesichts der Ausbreitung ihres Krebses in ein Krankenhaus gebracht werde, damit ihre Mitgefangenen "sie nicht sterben sehen" müssten. Eine ehemalige Insassin spricht auch von angeblichen Suiziden und Selbstmordversuchen im Gefängnis:

Das Gebäude ist abgenutzt und müsste gewartet werden. Selbstmorde nehmen zu: Am 15. Mai 2017 erhängte sich eine Chinesin vor den Kameras und blieb mangels Aufsicht vier Stunden lang hängen. Eine Marokkanerin warf sich aus dem obersten Stockwerk; Alia versuchte es zweimal, und ich versuchte es zweimal [sich umzubringen]."

Die Verantwortlichen sollen nun auf ihren Tod im Al-Mafraq-Krankenhaus warten, wo Alia Abdulnoor laut The New Arab "wie eine Drogenabhängige in der Reha" behandelt würde. In ihrem Krankenhauszimmer soll es keine Fenster geben. Die Inhaftierte soll mit ihren Armen und Beinen an das Krankenhausbett gefesselt worden sein.

Rodney Dixon, ein Anwalt und Analyst, der unter anderem für Al-Jazeera Beiträge verfasst, beschäftigt sich nach eigenen Angaben mit Menschenrechtsverletzungen in den Golfstaaten, unter anderem in Saudi-Arabien und den VAE. Er erklärte, die "systematische Folterung von Frauen in den Gefängnissen der Emirate" unterstreiche, "mit was für einer Regierung man es zu tun hat".

Systematische Folter von Frauen?

Die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Menschenrechtsbilanz als umstritten gilt, gehen Kritikern wie Dixon zufolge seit Jahrzehnten brutal gegen eigene Häftlinge vor. Wegen enger wirtschaftlicher Beziehungen zum Westen gäbe es gleichzeitig wenig Kritik an behaupteten Menschenrechtsverletzungen.

Ein Mann besichtigt die Schäden an einem Haus, das nach einem saudischen Luftangriff zerstört wurde, Sanaa, 9. Juni 2017.

Hannah Phillips, Vertreterin des britischen Büros der Arabische Organisation für Menschenrechte (AOHR UK), kritisierte, dass Menschen, die in dem Emiraten in Gefangenschaft gehalten werden, und von denen viele politische Aktivisten seien, keinen Zugang zu Rechtsanwälten hätten und oft der Willkür der absoluten Monarchie ausgesetzt seien.

Bis zu 80 Frauen würden manchmal in einem Raum untergebracht, der lediglich für acht Häftlinge ausgelegt wäre, und die Hygiene-Standards seien so niedrig, dass den Gefangenen schmutzige Decken zum Schlafen in von Käfern befallene Zellen gegeben würden, behauptete die britische NGO-Vertreterin.

Gefangene, einschließlich Frauen, seien gezwungen, Dokumente zu unterschreiben, die sie nicht lesen dürften. Bitten sie darum, das Dokument zu lesen oder weigern sie sich, ein Geständnis abzulegen, würden sie geschlagen, fügte Hannah Phillips hinzu.

Diametral entgegengesetzte Schilderungen - kaum neutrale Quellen

Der Hauptanteil der Wächter in den Gefängnissen soll sich aus Söldnern aus Nepal zusammensetzen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Häftling Imran al-Radwan, ein Oppositioneller mit Verbindungen zur verbotenen Muslimbruderschaft, medial mit einem Hungerstreik auf sich aufmerksam gemacht, nachdem er angeblich von nepalesischen Wachen in einem emiratischen Gefängnis missbraucht worden war.

Quellen aus den Emiraten selbst und aus Saudi-Arabien zeichnen die Zustände in den Gefängnissen des Landes, insbesondere im Al-Wathba-Gefängnis, in einer vollständig entgegengesetzten Weise. Die emiratische Zeitung The Nationalschildert das Gefängnis geradezu als ideale Einrichtung zur Resozialisierung mit reichhaltiger Bibliothek, Blumenschmuck und ausreichend Raum für alle Inhaftierten. Information aus neutralen Quellen ist hingegen dünn gesät. Im Jahr 2001 berichtete jedoch auch The Telegraph über Foltervorwürfe einer britischen Gefangenen, die in Al-Wathba inhaftiert war.

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