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Interview: Saudis wollen über neuen Wahlsieger Irans Einfluss im Irak zurückdrängen

Interview: Saudis wollen über neuen Wahlsieger Irans Einfluss im Irak zurückdrängen
Der irakische schiitische Kleriker Muqtada al-Sadr nimmt an der Wahl in einem Wahllokal während der Parlamentswahlen in Nadschaf, Irak, teil.
Bei den Parlamentswahlen im Irak hat allen Erwartungen zuwider ein Außenseiter gewonnen. Muqtada al-Sadr könnte sich womöglich zu einer Schlüsselfigur Saudi-Arabiens herausstellen, um Irans dominierenden Einfluss zurückzudrängen. Doch auch Teheran kann auf lokale Unterstützung setzen.

von Ali Özkök

RT Deutsch sprach mit Seth J. Frantzman über die Bedeutung und Auswirkung der irakischen Wahlen am 12. Mai. Frantzman ist Jerusalemer Journalist und Leiter des Middle East Center for Reporting and Analysis.

Nach ersten Prognosen hat der schiitische Prediger Muqtada al-Sadr die Parlamentswahlen im Irak gewonnen. Wer ist Sadr, und was könnte dieser Sieg für die nahe Zukunft des Landes bedeuten?

Sadr ist ein bekannter religiöser Führer und politischer Aktivist. Allerdings hat er keine Erfahrung im Regieren und das wirft für ihn Fragen auf, wie er tatsächlich eine Führungsrolle in der irakischen Politik übernehmen will.

In Washington und Teheran herrscht eine gewisse Opposition gegenüber Sadr vor. Die Chancen, dass er eine Koalition bilden kann, was er tun muss, um eine Regierung auf die Beine stellen zu können, sind nicht sehr wahrscheinlich.

Sadr ist ein vehementer Kritiker der US-amerikanischen Rolle im Irak. Das stellt den Kampf der US-geführten Koalition im Irak auf die Probe, die irakische Sicherheitskräfte ausbildet. Jedoch zu seinen Gunsten ist die Tatsache, dass er im letzten Jahr die arabischen Golfstaaten politisch erreicht hat und sunnitische Koalitionspartner finden konnte.

In der Vergangenheit traf sich Sadr mit Vertretern aus Saudi-Arabien, dem Erzfeind des Iran. Hat Riad einen Weg gefunden, seinen Einfluss auf Bagdad auszudehnen?

Saudi-Arabien hat Interessen im Irak, weil der Irak in den 1980er Jahren ein Verbündeter war, dann aber den Golf selbst unter Saddam Hussein bedrohte. Heute will Riad den iranischen Einfluss im Irak zurückschrauben.

Sadrs Anschluss an Saudi-Arabien kann pragmatischer Natur sein oder Teil einer komplizierteren Diskussion über das Zurückbringen des Iraks zu den Irakern sein mit dem Ziel, Teherans Einfluss zurückzudrängen.  

Premierminister Haidar Abadi ging als Favorit in die Wahlen. Er galt als ein Mann, der sich gleichzeitig gut mit den USA und dem Iran verstand. Was lief schief?  

Abadi glaubte, dass der Sieg gegen den "Islamischen Staat" den Sieg bei den Wahlen bringen würde. Er verwechselte auch seine internationale Unterstützung mit der Unterstützung der Bevölkerung. Es scheint so, als wenn er in Realität keine Unterstützung in der Bevölkerung fand. Es ist nicht das erste Mal, dass ein erfolgreicher "Manager" eines Krieges von den Wählern ausgestoßen wurde.

Den zweiten Platz belegte eine vom Iran unterstützte schiitische Allianz. Was sagt das über Teherans Einfluss auf die irakische Politik aus, und wo stehen die USA im irakischen Parteienkampf?

Die von Hadi al-Amiri geführte Liste der sogenannten Volksmobilisierungseinheiten, die auch unter ihrer Abkürzung PMU bekannt sind, schnitt deutlich gut ab. Sie wurden wiederum von den Wählern wegen ihrer wahrgenommenen Opfer während des Krieges gegen den "Islamischen Staat" belohnt und unterstützt.

Wahlberechtigte geben am 12. Mai 2018 in einem Wahllokal im irakischen Basra  ihre Stimme ab. Mehr als die Hälfte blieb der Abstimmung fern.

Es ist unklar, was die Position der USA im Falle der pro-iranischen Liste ist. Amiri jedoch ist ein enger Verbündeter des Iran. Seine engen Verbindungen zu Teheran reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Dieser Erfolg also sollte Teheran offensichtlich zufrieden stellen.

Gibt es andere regionale Akteure, die einen besonderen Einfluss auf die verschiedenen politischen Gruppen im Irak und damit auf die fragile Zentralregierung haben, die bisher in den Mainstream-Medien untergehen?

In den vergangenen Jahren arbeitete die Türkei enger mit der Kurdischen Regional Regierung im Norden Iraks und auch mit dem einflussreichen Nudschaifi-Clan im Raum von Mossul zusammen.

Seit den Wahlen ist die Rolle der Türkei nicht mehr in den Medien sichtbar, aber natürlich möchte Ankara, dass die Rechte der turkmenischen Minderheit im Nordirak geschützt werden. Außerdem verfolgt die Türkei als einer der größten Handelspartner Iraks besondere Wirtschaftsinteressen im Irak.

Der Irak hat seine ersten Wahlen seit der offiziellen Zerschlagung des "Islamischen Staates" abgehalten. Wie wahr ist die Aussage ihrer Meinung nach?

Der "Islamische Staat" existiert immer noch in einer anderen und viel eingeschränkteren Form. Es gibt immer noch Terror und Bedrohung. Damit der IS aber besiegt bleibt, müssen die irakische Zentralregierung und die Kurden-Region nach der Bildung der neuen Regierung eng zusammenarbeiten.

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