Irakischer Analyst gegenüber RT: "USA wollen im Iran Regimewechsel wie im Irak durchführen"

Irakischer Analyst gegenüber RT: "USA wollen im Iran Regimewechsel wie im Irak durchführen"
Ein US-Marine bedeckt das Gesicht einer Statue des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein in Bagdad mit einer US-Flagge.
Der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit Teheran ist der erste Schritt eines US-Plans für einen Regimewechsel im Iran, der in Übereinstimmung mit dem irakischen Szenario durchgeführt werden soll, meint Nahost-Experte Sami Ramadani im Gespräch mit RT.

"Wenn man genau hinhört, was Trump gesagt hat, dann ziehen sich die USA nicht nur einseitig aus diesem multilateralen internationalen Abkommen zurück, sondern drohen auch mit einem Regimewechsel im Iran", sagte der im Irak geborene Dozent für Soziologie.

"Der Ton seiner [Trumps] Rede; die Worte, die er benutzte", erinnern an die Rede von George W. Bush, bevor die USA ihre Invasion im Jahr 2003 starteten, als "Lügen benutzt wurden, um einen völkermörderischen Krieg gegen das irakische Volk zu beginnen", kritisierte Ramadani. Der Experte stellte fest, dass nicht nur das irakische Regime vom US-Militär gestürzt, sondern "das ganze Land zerstört" wurde.

Die USA versuchen seit Jahrzehnten, den Iran zu destabilisieren", meint er außerdem.

Donald Trump und Barack Obama, Washington, USA, 20. Januar 2017.

"Niemand hat die Absicht, Atomwaffen zu entwickeln"

Washington wünsche viel mehr von Teheran als Zugeständnisse betreffend das Kernabkommen. Iranische Stellen seien jedoch infolge der starken Unzufriedenheit mit dem Abkommen im eigenen Lande nicht imstande, diese zu leisten, sagte Ramadani, der Mitglied des Lenkungsausschusses der linksgerichteten britischen "Stop the War Coalition" ist.

Ich glaube nicht, dass der Iran in der Lage ist, weitere Zugeständnisse zu machen - sie sagten, sie haben nie geplant, Atomwaffen zu entwickeln - und die Einhaltung der Vereinbarung wurde von der IAEO bei zahlreichen Gelegenheiten bestätigt", fügte er hinzu.

Was die USA vom Iran wollten, sei, dass dieser "seine Unabhängigkeit aufgibt". Das sei das Entscheidende.

Sie wollen keine unabhängige, starke Nation, besonders nicht im Nahen Osten. Und - unabhängig davon, was wir von seinem politischen System halten - der Iran hat den Weg der Unabhängigkeit von den USA gewählt. Sie wollen kein Lakai der US-Politik in der Region sein. Und die USA beantworten es mit der Aussage: Wir werden Sie dafür bestrafen", meint der Dozent, der als Gegner der Regierung Saddam Husseins nach Großbritannien ausgewandert war, aber sich später gegen US-Sanktionen, die Invasion und Besetzung des Iraks einsetzte.

"Israelischer Einfluss hinter Trumps Entscheidung"

Auch der umstrittene Journalist Max Blumenthal hat sich in die Debatte eingeschaltet. Er ist davon überzeugt, dass Israel hinter der Entscheidung Trumps steht, aus der Vereinbarung auszusteigen.

Der israelische Einfluss ist hier absolut entscheidend. Trump stellte sich auf die Seite von Netanjahus Darstellung, die er im Stile eines Autoverkäufers machte, um den Rückzug aus dem Iran-Abkommen zu rechtfertigen", behauptet der Journalist.

Ende April gab Premierminister Benjamin Netanjahu eine PowerPoint-Präsentation, in der er der Öffentlichkeit angebliche Geheimdienstinformationen über die Nichteinhaltung der Nuklear-Vereinbarung durch Teheran zur Kenntnis brachte, die seiner Darstellung zufolge aus dem Iran selbst stammen würden. Der Inhalt der Informationen hinke allerdings der tatsächlichen Realität hinterher, so Blumenthal.

"Es ist ein weiterer Geheimdienstbetrug, der uns in den Krieg treibt", sagte er und nannte die von Netanjahu zitierten Geheimdienstinformationen "wohl erfunden". Blumenthal fügte hinzu, dass nichts Neues präsentiert und dass "viel von den geheimdienstlichen Informationen zusammengekocht" wurde, die aus den frühen 2000er Jahren stammten.

Am Dienstag hatte Trump angekündigt, dass sich Washington "aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen wird" und dass Sanktionen gegen das Land verhängt werden. Der US-Präsident begründete seine Entscheidung damit, dass der "Joint Comprehensive Plan of Action" (JCPOA) Teheran nicht daran hindern würde, Uran anzureichern, und dass dies den Nahen Osten auf den Weg eines atomaren Wettrüstens bringe.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat Trumps Entscheidung als "illegal" bezeichnet und versprochen, dass Teheran trotz des Rückzugs der USA am Abkommen festhalten wird.

Richard Grenell (l.), der neue Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland, wurde von Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue am 8. Mai akkreditiert. Mit diesem Akt gibt es nach 15 Monaten Pause wieder einen US-Gesandten in Berlin.

Iran fordert Garantien von EU-Staaten

Bei einem Treffen mit Akademikern und Lehrern in der Farhangian-Universität von Teheran forderte der Oberste Führer Irans, Groß-Ajatollah Ali Chamanei, dass die übrigen Unterzeichner-Staaten des Nuklear-Deals, vor allem die europäischen, Iran feste Zusicherungen machen müssen, die "nicht gebrochen werden wie von den USA". 

Der Führer sagte jedoch, er sei pessimistisch bezüglich der Aussichten, dass die drei europäischen Länder - Großbritannien, Deutschland und Frankreich - dem Iran eine feste Garantie für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen geben würden.

Iranische Spitzenbeamte haben mittlerweile gewarnt, dass sie Teherans Atomprogramm wieder hochfahren werden, sollte das Abkommen zusammenbrechen, um ein fortgeschritteneres Niveau als vor dem Abkommen zu erreichen.

Der Iran hat unter anderem angedroht, seine 20-prozentige Urananreicherung wiederherzustellen und den Atomwaffensperrvertrag aufzugeben.

Die JCPOA-Vereinbarung, die der Iran und die P5+1-Mächte (China, Frankreich, Russland, Großbritannien, USA und Deutschland) im Jahr 2015 nach jahrelangen Verhandlungen unterzeichnet hatten, wurde im Gegenzug zur Zusage in Kraft gesetzt, dass der Iran sein umstrittenes Atomprogramm einschränkt.

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