Israel greift iranische Ziele in Syrien an

Israel greift iranische Ziele in Syrien an
Israelischer Kampfjet F-35
Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist in der Nacht zum Donnerstag eskaliert. Nach Luftangriffen Israels in Syrien hatte Teheran mit Vergeltung gedroht. Einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem Nuklearabkommen kommt es zum direkten militärischen Schlagabtausch.

Einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem Nuklearabkommen kommt es zu einem militärischen Schlagabtausch zwischen Iran und Israel. Israel griff Dutzende iranische Militärziele in Syrien an und iranische Streitkräfte griffen erstmals von Syrien aus israelische Militärposten an, wie der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus mitteilte. Ganze 20 Raketen hätten die Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, auf die Golanhöhen abgefeuert. 

Die Quds-Brigaden hätten Raketen des Typs Grad und Fadschr-5 eingesetzt, sagte der israelische Armeesprecher. "Wir sehen diese iranische Attacke auf Israel als sehr schwerwiegend an."

Keine der auf die Golanhöhen abgefeuerten Raketen habe ihr Ziel getroffen. Mehrere seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden. Opfer auf israelischer Seite waren nicht zu beklagen. 
Die israelischen Luftangriffe in Syrien gehörten zu den "größten, die Israels Armee gegen iranische Ziele unternommen hat". Man habe dem iranischen Militär schweren Schaden zugefügt. Es seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Es habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden.

Die syrische Luftabwehr habe israelische Flugzeuge beschossen, aber nicht getroffen. "Wir haben die Syrer gewarnt, sich nicht einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan." Israel sei "auf verschiedene Szenarien vorbereitet", sagte Conricus. "Wir sind nicht an einer Eskalation interessiert, aber weitere Versuche, Israel zu attackieren, werden eine schwerwiegende Reaktion zur Folge haben." Man habe Russland vor dem Angriff in Syrien informiert.

Der US-Präsident Donald Trump kündigte den Rückzug seines Landes aus dem Atomabkommen mit dem Iran an. Den Deal bezeichnete er als

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Mittwoch auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin besucht. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen. Mit Hinweis auf Warnungen vor einem iranischen Angriff von Syrien aus hatte Israels Armee schon am Dienstag Reservisten mobilisiert. Die Armee hatte zudem Ortschaften auf den Golanhöhen angewiesen, die Luftschutzbunker zu öffnen. Israel hatte die Golanhöhen 1967 erobert und später annektiert. Die Armee wies die Einwohner der Golanhöhen am Donnerstag an, ihrer normalen Routine nachzugehen. Schulen und Kindergärten blieben geöffnet.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete, bei den israelischen Angriffen seien unter anderem Einheiten der Luftverteidigung, eine Radarstation und ein Munitionslager getroffen worden. Syriens Luftabwehr schoss demnach Dutzende israelische Raketen ab. Die meisten hätten ihr Ziel nicht erreicht, berichtete Sana.

SANA veröffentlichte Aufnahmen von einschlagenden Raketen: 

Auch in der Nacht zuvor wurde ein mutmaßlicher israelischer Raketenangriff auf Ziele in Syrien gemeldet. Dabei kamen nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 15 Menschen ums Leben. Der Angriff habe einem Waffenlager der iranischen Revolutionsgarden gegolten.

Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Der Iran hat nach israelischen Angaben in den vergangenen Monaten seine militärische Präsenz im Land weiter ausgebaut. Israel wird für Luftangriffe in Syrien verantwortlich gemacht, bei der auch Iraner getötet wurden. 

Der iranische Präsident Hassan Rohani hatte den Ausstieg der Amerikaner mit dem Nuklearabkommen kritisiert, aber begrüßt, dass ein "irritierendes Element" sich aus dem Abkommen verabschiedet hat. Die Europäer wollen an dem JCPOA festhalten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Teheran mit den verbleibenden Unterzeichnerländern das Nuklearabkommen aufrechterhalten wird. 

(dpa/rt deutsch)