Droht die Spaltung Jemens? Vereinigte Arabische Emirate besetzen strategische Insel am Golf von Aden

Droht die Spaltung Jemens? Vereinigte Arabische Emirate besetzen strategische Insel am Golf von Aden
Auf der jemenitischen Insel Sokotra sind wütende Proteste ausgebrochen, nachdem die VAE Militärflugzeuge und Soldaten dorthin entsandt hatten. Abu Dhabi möchte die strategische Kontrolle über den Golf von Aden übernehmen und riskiert die Spaltung Jemens.

Die Bewohner erzählten dem Nachrichtensender Al Dschasira, dass die vier emiratischen Militärflugzeuge am Mittwoch illegal auf der Insel ankamen, um Beamte der international anerkannten Regierung einzuschüchtern, die einen seltenen Besuch auf dem Archipel machten.

Die Emirate bauen eine Militärbasis und ein geheimdienstliches Nachrichtenzentrum auf Sokotra. Das Militär habe zudem eine Volkszählung durchgeführt, schreibt das Nachrichtenportal Middle East Monitor.

Hunderte von Jemeniten waren gekommen, um den jemenitischen Premierminister Ahmed bin Daghr und zehn seiner Minister zu empfangen und die Anwesenheit der Vereinigten Arabischen Emirate auf der Insel zu verurteilen.

Videos in den sozialen Medien zeigten Demonstranten, die Slogans zur Unterstützung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und einem vereinten Jemen sangen.

Die Einwohner erzählten Al Dschasira, dass die Menge wütend auf die Einmischung Abu Dhabis sei, nachdem Berichte über die Vertreibung jemenitischer Soldaten auf der Insel aufkamen. Die Soldaten waren damit beauftragt, den einzigen Flughafen der Inselgruppe auf der Hauptinsel zu schützen.

Der Einsatz erfolgt inmitten sich wachsender Spannungen zwischen den Streitkräften, die den Vereinigten Arabischen Emiraten treu ergeben, und denen, die den ehemaligen jemenitischen Präsidenten Abd Rabbuh Mansour Hadi unterstützen, wie das iranische Nachrichtenportal Press TV berichtet. Präsident Hadi bezeichnete die Vereinigten Arabischen Emirate im vergangenen Jahr als "Besatzer" und nicht als "Befreier".

Beide Lager befinden sich im südlichen Jemen, hauptsächlich in Aden, da die Hauptstadt Sana'a immer noch unter der Kontrolle der Huthis steht.

Hadi-Loyalisten beschuldigen die Vereinigten Arabischen Emirate, den Kampf gegen die Huthis aufgegeben zu haben. Stattdessen verfolge Abu Dhabi eigene geopolitische Interessen. Die emiratischen Streitkräfte unterstützen laut der Hadi-Regierung eine Abspaltung der südjemenitischen Gebiete vom Norden des Landes.

Östlich des Horns von Afrika im Arabischen Meer gelegen, wird die Insel mit 60.000 Einwohnern, die für ihre einzigartige Flora und Fauna bekannt ist, seit fast zwei Jahrhunderten vom Jemen aus verwaltet.

Doch seit die Vereinigten Arabischen Emirate im März 2015 als Teil einer von Saudi-Arabien angeführten Koalition gegen die Huthi-Rebellen in den Jemen einmarschiert sind, hat Abu Dhabi das Sicherheitsvakuum ausgenutzt und versucht, auf der strategisch günstig gelegenen Inselgruppe Fuß zu fassen.

Die Emirate bestätigten inzwischen, dass sie Militäroperationen auf Sokotra durchführen. Lokale Medien berichten, dass die Emirate Sokotra und die nahe gelegene Insel Abd al-Kuri für 99 Jahre gepachtet hätten.

Laut Human Rights Watch hat Abu Dhabi ein Netzwerk von Milizen finanziert und ausgebildet, Gefängnisse errichtet und parallel zur Regierung von Hadi eine eigene Sicherheitsstruktur geschaffen.

Anfang des Jahres warnte das jemenitische Tourismusministerium, dass Abu Dhabi versucht hätte, die Inselbewohner davon zu überzeugen, "über ein Referendum zur Selbstbestimmung abzustimmen", und nannte dies einen "gefährlichen Schritt".

Andreas Krieg, ein Akademiker am King's College London, sagte im Gespräch mit Al Dschasira, dass die jüngsten Entwicklungen in Sokotra Teil einer viel größeren Strategie der Emirate zur Machtkonsolidierung im Südjemen seien. "Die Vereinigten Arabischen Emirate sehen sich selbst als Bindeglied zwischen Ost und West oder wollen sich selbst in Zukunft so sehen."

"Für sie ist es sehr wichtig, die Handelsbeziehungen zu kontrollieren, die hauptsächlich durch den Suezkanal und die Meeresstraße Bab al-Mandab zwischen Jemen und dem Horn von Afrika verlaufen", erklärte der Nahost-Experte und fügte hinzu:

Sie haben eine Insel gefunden, die sehr strategisch gelegen ist, als Quasi-Flugzeugträger mitten im Indischen Ozean fungiert und wo die Emirate den Verkehr kontrollieren und gleichzeitig einen günstigen Zugang zu den Nachbarländern haben.

Als ölreiches Land am Persischen Golf haben die Vereinigten Arabischen Emirate ähnliche extraterritoriale Projekte unter anderem in Eritrea, Dschibuti, Somaliland und auf der jemenitischen Insel Perim initiiert.

Die Emirate nahmen vor drei Jahren als erstes Land das Angebot Saudi-Arabiens an, sich dem Krieg gegen den Jemen anzuschließen. Dutzende von emiratischen Soldaten wurden bei der Militäroperation getötet. Mehr als 14.000 Menschen wurden im saudisch geführten Krieg gegen die Huthis getötet, weitere Zehntausende Menschen wurden verletzt.

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