Mithilfe von Heliumballons und Lenkdrachen: Jesidinnen werden zu Historikern ihres Schicksals

Mithilfe von Heliumballons und Lenkdrachen: Jesidinnen werden zu Historikern ihres Schicksals
Ein Mädchen lässt im Bagdader Stadtbezirk ar-Raschid einen Drachen steigen, Irak, 8. Dezember 2008.
Jesidinnen lernen von britischen Architekten, die Schauplätze des Völkermords an der religiösen Minderheit mithilfe von Heliumballons und Lenkdrachen zu dokumentieren. Die Aufzeichnungen aus dem ehemaligen IS-Gebiet sollen den Weg für Anklagen bereiten.

Die Lenkdrachen und Heliumballons, welche die Jesidinnen von britischen Architekten zu steuern lernen, werden mit kleinen Kameras ausgestattet. Die so erlangten Dokumentationen erlauben die Erstellunng von 3D-Modellen und damit von historisch wertvolle Aufzeichnungen. Zusammen mit Aussagen von Augenzeugen und Überlebenden des Genozids an den der religiösen Minderheit der Jesiden dienen sie als Grundlage für Anklagen. 

Kinder von Frauen, die behaupten, ihre Männer hätten dem Islamischen Staat angehört, Flüchtlingslager Jada, Irak, 27. Juli 2017.

Die Jesiden, eine Gruppe mit mehreren Hunderttausenden Angehörigen, bezeichnen sich als ethnische Kurden wie auch aus eigenständige ethno-religiöse Gruppe mit monotheistischer Ausrichtung. Im Jahr 2016 lebten circa 100.000 Jesiden in Deutschland. Der Genozid an den Jesiden begann im August 2014 mit dem Einfall der Terrororganisation IS im irakischen Sindschar an der syrisch-irakischen Grenze, einem Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden. Dabei wurden über 5.000 männliche Angehörige der Jesiden ermordet, über 7.000 Frauen und Kinder entführt. Viele Jesiden versuchten, ihr Leben zu retten, indem sie zum Islam konvertierten. Die versklavten Jesidinnen wurden größtenteils nach Mossul verschleppt. Einige konnten von ihren Familien freigekauft werden. Die Jesiden bezeichnen diese Vorgänge als den 73. Genozid in ihrer Geschichte. 

Die Vereinten Nationen und das Europäische Parlament haben den Mord an den Jesiden als Völkermord anerkannt. Eine genaue Zahl zu den durch den IS ermordeten Jesiden gibt es nicht. Es wird von circa 10.000 ausgegangen, die dem Terror zum Opfer fielen. Fast 400.000 Jesiden flohen aus dem Sindschar-Gebirge. 

Die Daesh Criminal Investigation Unit (DCIU) versucht, Beweise für die Kriegsverbrechen des IS zu sammeln, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Die DCIU arbeitet mit der Comission for Internationale Justice and Accountability (CIJA) zusammen. Doch Forderungen, die Anklagen am internationalen Strafgerichtshof (ICC) zu verhandeln, können dadurch nicht umgesetzt werden, da der Irak das Römische Statut des ICC nicht unterzeichnet hat. Gerichtsverhandlungen im Irak, so warnt Amnesty International, könnten den Verbrechen nicht gerecht werden und neue ethnische Konflikte fördern.

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