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Ärzte in Gaza: "Verheerende Verletzungen ungewöhnlicher Schwere"

Ärzte in Gaza: "Verheerende Verletzungen ungewöhnlicher Schwere"
Eine palästinensische Demonstratin reagiert auf den Beschuss mit Tränengas durch die israelische Armee
Während sich westliche Staaten angesichts des unbewiesenen Giftgasangriffs im syrischen Ort Duma empört zeigten und Vergeltung übten, spielt sich im Gazastreifen am Grenzzaun zu Israel eine völkerrechtliche Tragödie ab. Dabei beschreiben Ärzte Geschosswunden die sie selten zuvor zu Gesicht bekamen.

Die als "Großer Marsch der Rückkehr" bezeichnete Aktion begann am 30. März und soll bis zum 70. Jahrestag der israelischen Staatsgründung andauern. Für viele Palästinenser repräsentiert dieser Tag die sogenannte "Nakba", die Katastrophe. Bei den entlang des Grenzzauns bis dahin stattfindenden Demonstrationen geht es den Palästinensern darum, auf das ungelöste Problem der hundertausenden Vertriebenen aufmerksam zu machen. Zudem soll in Erinnerung gerufen werden, dass das Problem bis heute ungelöst ist.

Seit Beginn der Proteste verloren dutzende Menschen durch die Hand israelischer Soldaten ihr Leben. Zudem sollen bislang etwa 5.000 Palästinenser zum Teil schwer verletzt worden sein.

Seit dem 1. April haben wir im Gazastreifen mehr als 500 Menschen mit Schussverletzungen medizinisch versorgt. Damit waren es in den vergangenen drei Wochen drei Mal so viele Patientinnen und Patienten wie im gesamten Jahr 2014 während der groß angelegten israelischen Militäroffensive "Protective Edge", informiert die vor Ort tätige Organisation Ärzte ohne Grenzen."

Die Organisation verweist dabei auf "ungewöhnlich schwere Verletzungen in den unteren Extremitäten".

Zuletzt sorgte der Tod des 15-Jährigen Palästinenser Mohammed Ayoub in Gaza für einen Aufschrei unter den Protestlern und internationalen Aktivisten, ohne jedoch einen entsprechenden Wiederhall in den Amtsstuben Washingtons, Londons, Paris‘ und Berlins zu finden. Die EU rang sich dazu durch, die israelische Regierung zu "äußerster Zurückhaltung" aufzurufen und stellte die "Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Gewalt" in Frage.

Die EU fordert die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte auf, keine tödliche Gewalt gegen unbewaffnete Protestierende einzusetzen", erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Samstag in Brüssel.

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Wesentlich deutlichere Worte fand hingegen am 20. April der UN-Koordinator für den Friedensprozess im Mittleren Osten, Nickolay Mladenov:

Es ist abscheulich ein Kind zu töten! Wie kann der Mord an einem Kind zum Frieden beitragen? Er kann es nicht! Er fördert den Zorn und führt zu noch mehr Tötungen", machte er seiner Empörung Luft.

Dem mag der israelische Brigade-General Zvika Fogel nicht zustimmen:

Auf der taktischen Ebene sollte jede Person die sich dem Zaun [Grenzzaun] nähert, jeder der sich als eine künftige Bedrohung der Grenze des Staates Israel und seiner Bewohner erweisen könnte, einen Preis bezahlen", zeigt sich der Brigade-General überzeugt.

Fogel führt dann weiter aus, dass auch "ein Kind oder jeder andere Person [...] Sprengmaterial verstecken", oder "ein Loch in den Zaun schneiden" könnte. In jedem dieser nicht tolerierbaren Verstöße wäre die Folge "der Tod".

Dem 15-Jährige Palästinenser wurde durch einen Scharfschützen in den Kopf geschossen. Sein Tod wurde später im Shifa-Hospital in Gaza festgestellt. Ayoub war nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums demnach einer von bisher 40 Palästinensern, die bis zum 23. April den Tod fanden. Die Ärzte des Shifa-Krankenhauses sind derweil damit beschäftigt, weitere zum Teil schwer verletzte Demonstranten zu versorgen.

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Die Mediziner des Hospitals haben nach eigenen Angaben seit der israelischen Offensive "Protective Edge" keine derart schwerwiegenden Verletzungen mehr gesehen. Nach Angaben der Ärzte ohne Grenzen seien die "verheerenden Verletzungen ungewöhnlicher schwer, [und] extrem schwierig zu behandeln".

Die den Patienten zugefügten Verletzungen werden bei den meisten zu schweren, langzeitlichen, körperlichen Behinderungen führen.

Die israelische Zeitung Haaretz verweist auf Aussagen der Ärzte:

Das MSF-Team [Ärtze ohne Grenzen] stellt fest, dass die Verletzungen ein extremes Level an Zerstörung von Knochen und weichem Gewebe und zu großen Austrittswunden führten, welche die größte einer Faust erreichen.

Die Leiterin der MSF-Mission in Palästina, Marie-Elisabeth Ingres, wird mit den Worten zitiert:

Die Hälfte der mehr als 500 Patienten, die wir in unseren Kliniken aufgenommen haben, weisen Verletzungen auf, bei denen die Kugel buchstäblich Gewebe zerstörte, nachdem sie den Knochen pulverisiert hat. Diese Patienten werden sehr komplexe chirurgische Eingriffe benötigen und die meisten von ihnen werden lebenslang behindert sein.

Nach Angaben des Palästinensischen Gesundheitsministeriums soll das israelische Militär demnach auch auf durch die Haager Landkriegsordnung geächtete Deformationsgeschosse zurückgreifen. Derweil zeigt sich der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman von der moralischen Integrität der israelischen Armee (Israely Defence Forces) überzeugt:

Wir haben gesehen, dass die IDF [israelische Besatzungsarmee] die moralischste Armee der Welt ist."

Seinen Angaben nach tue die israelische Armee "das Maximum um die Verletzung Unschuldiger zu vermeiden […] Ich gebe allen Bewohner Gazas noch einmal einen Rat für ein langes Leben: Nähert euch nicht dem Zaun."

Palästinenser in Kostümen in Gaza, 5. April 2018.

Derweil sorgt das brachiale Vorgehen der israelischen Soldaten angesichts der aktuellen Demonstrationen unter Aktivisten und Menschenrechtlern weltweit für Proteste. So kritisierte etwa Human Rights Watch "kalkulierte" Tötungen und argumentierte, dass es keine Beweise dafür gäbe,

dass der Einsatz von Steinen und andere Gewalt einiger Demonstranten, die Sicherheit israelischer Soldaten entlang des Grenzzauns gravierend gefährde.

Auch Amnesty International beschuldigte Israel der Anwendung "exzessiver, tödlicher Gewalt gegen Protestler, darunter Kinder".

Doch nicht nur Demonstranten werden zu Opfern. So kritisierte etwa die WHO, dass auch medizinisches Personal durch Beschuss verletzt worden sei.  So sollen auch 48 medizinische Mitarbeiter der Organisation verletzt worden sein, als sie versuchten Verwundete zu evakuieren. Mindestens drei sollen demzufolge von scharfer Munition getroffen worden sein. Auch 13 Ambulanzen wurden mit scharfer Munition oder Tränengasgranaten beschossen. Nach bisherigen Angaben verlor kein Israeli durch die Proteste sein Leben.

Auf die Ziele der Proteste angesprochen, erklärte Asaad Abu Shariek, ein Sprecher des "Großen Marsch der Rückkehr":

Wir wollen, dass die Welt ein militärisches Embargo gegen Israel und die BDS-Strategie [Boykott, Kapitalabzug, Sanktionen] verhängt. Südafrika hat diese Methode angewandt, und sie haben gewonnen, und ich denke, wir werden da keine Ausnahme machen.

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