"USA sollten mit Russland reden": Bei US-Angriffen wird sich Russland in Syrien verteidigen

"USA sollten mit Russland reden": Bei US-Angriffen wird sich Russland in Syrien verteidigen
Die USA und Russland können einen Ausweg aus der Sackgasse in Syrien finden, wenn sie miteinander reden, glaubt die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa. Sollte Washington einen Angriff starten, wird sich Russland in Syrien verteidigen.

In einem Interview mit Sky News am Donnerstag betonte Sacharowa, dass die Spannungen über Syrien zwischen Moskau und Washington nicht zu einer direkten Konfrontation beider Länder vor Ort führen sollten.

Bezüglich Spekulationen über Weltuntergangsszenarios, in denen als Ergebnis der von den USA geführten Militäraktion russisches und amerikanisches Blut vergossen würde, beruhigte Sacharowa die Weltöffentlichkeit mit den Worten, dass Moskau und Washington über alle Mittel verfügten, um einen solchen Showdown und seine potenziell katastrophalen Folgen zu verhindern.

"Wir leben im Jahr 2018 und haben alle Arten von Kommunikation, einschließlich Twitter, und wir können alle Fragen wie diese [in Syrien] lösen, indem wir das Telefon abheben, und ich denke, das ist ein Fall, der durch Kommunikation gelöst werden sollte, aber nicht durch Gewalt", sagte die Sprecherin des Außenministeriums.

Sacharowa bekräftigte, dass Russland seine Soldaten am Boden schützen werde, sollten dennoch Raketen abgefeuert werden. Zu der vorausgegangenen Erklärung des Gesandten Moskaus im Libanon, Alexander Sasypkin, der die USA warnte, dass sich das russische Militär das Recht vorbehalte, im Falle eines Angriffs abgefeuerte Raketen abzufangen und Abschussplattformen anzugreifen, sagte Sacharowa, dass die Worte des Gesandten in dem Sinne verstanden werden sollten, dass Russland seine Armee nicht im Stich lassen werde.

"Ich möchte noch einmal betonen, und das war auch die Idee unseres Botschafters im Libanon, dass Russland seine Leute vor Ort schützen wird. Das ist offensichtlich", sagte Sacharowa zu Sky.

In Syrien droht keine zweite Kuba-Krise

Sie wies Parallelen zur kubanischen Raketenkrise von 1962 zurück, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs brachte, und argumentierte, dass sich die Zeiten geändert hätten. "Ich möchte Sie nur noch einmal daran erinnern, dass es 2018 ist, es ist nicht die Mitte des 20. Jahrhunderts", sagte sie und fügte hinzu, dass es in einer Zeit der sofortigen Kommunikation keinen Grund gebe, warum Menschen, die für unsere Sicherheit und den internationalen Frieden verantwortlich sind, nicht miteinander reden könnten.

Russland strebe nicht nach Lob, sondern nur nach echter Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Sacharowa und kommentierte den jüngsten Tweet von US-Präsident Donald Trump. Der US-Präsident beklagte, dass die von den USA geführte Anti-Terror-Kampagne in Syrien unterschätzt worden sei.

Wo ist unser Dankeschön, Amerika?", schrieb er auf Twitter.

Sacharowa verwies auf die düsteren langfristigen Auswirkungen früherer US-Militärbemühungen:

Ich denke, die Menschen im Irak 'danken' den Vereinigten Staaten immer noch für das, was sie getan haben und was sie ihrem Land angetan haben, und so hoffen wir, dass Syrien eine bessere Zukunft haben wird.

"Wir brauchen kein Verständnis dafür, was wir vor Ort tun, wir brauchen Kooperation, ähnliche Worte, aber ein wenig anders", sagte sie. Der russische Präsident Wladimir Putin forderte in seiner Rede vor der UNO im Jahr 2015 die Bildung einer breiten internationalen Koalition gegen den Terrorismus, erinnerte Sacharowa und fügte hinzu, dass dieser Vorschlag "immer noch auf dem Tisch liegt".

Wir freuen uns auf eine engere Zusammenarbeit mit anderen Ländern in Syrien. Wir wollen und wir brauchen sie wirklich", sagte sie.

US-Reaktion dient der Innenpolitik und wird Balance in Syrien nicht verändern

Am Mittwoch informierte General Wladimir Schamanow, der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Unterhaus, dass Moskau einen intensiven Dialog mit der US-Regierung begonnen habe. Schamanow sagte:

Ich möchte alle unsere Bürger beruhigen: alle staatliche Organe der militärischen, diplomatischen- und politischen Führung arbeiten seit drei Tagen rund um die Uhr.

Der NATO-Staat Türkei, der in Syrien eng mit Russland zusammenarbeitet, nimmt laut dem russischen General eine Vermittlerrolle ein. "Es gibt einen direkten Dialog mit dem Ausschuss der Generalstabschefs der USA. Über unsere Verbündete, die türkischen Kollegen, verläuft die Kommunikation mit der NATO - die Informationen werden geprüft und präzisiert", fügte Schamanow hinzu.

Der Chefberater des türkischen Präsidenten, İlnur Çevik, unterstrich im Gespräch mit der RT-Sendung SophieCo, dass er die US-Reaktion auf die Ereignisse hauptsächlich als innenpolitischen Schritt der Trump-Regierung betrachte, um der US-Bevölkerung zu beweisen, dass das Wort Washingtons internationales Gewicht habe. Sollten die USA Luftangriffe in Syrien starten, werde dies das militärische Gleichgewicht nicht verändern, glaubt Çevik.

Ein syrischer Soldat steht in der Nähe eines zerstörten Gebäudes in Jobar, in Ost-Ghuta, in Syrien.

Unterdessen wird die fragile Lage von einigen politischen Kreisen in den USA weiter angeheizt. Die USA planen, als Reaktion auf den angeblichen chemischen Angriff, der sich in Duma wenige Kilometer von Damaskus ereignet haben soll; "acht Ziele in Syrien anzugreifen, darunter zwei Flugplätze, ein Forschungszentrum und eine Chemiewaffenanlage", berichtete der US-Fernsehsender CNBC News am Donnerstag unter Berufung auf eine regierungsnahe Quelle, die aber nicht genannt wurde.

US-Präsident Donald Trump habe noch keine "endgültige Entscheidung" getroffen, wie er reagieren solle, sagte das Weiße Haus am Donnerstag, nachdem er sich mit seinen wichtigsten nationalen Sicherheitsberatern getroffen hatte.

"Wir werten weiterhin Geheimdienstberichte aus und engagieren uns im Gespräch mit unseren Partnern und Verbündeten," sagte Pressesekretärin Sarah Sanders.

Westen behinderte OPCW-Mission in Syrien

Ein Sprecher der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) "bestätigte, dass das Untersuchungsmissionsteam der OPCW auf dem Weg nach Syrien ist und seine Arbeit am Samstag, dem 14. April 2018, aufnehmen wird", so eine kurze Erklärung am Donnerstag. Die Experten der Mission werden Gespräche mit den mutmaßlichen Opfern führen und Proben sammeln, die in den Labors der OPCW untersucht werden sollen.

Die syrische Regierung betonte, dass sie den Westen für jede Verzögerung bei der Ankunft der OPCW-Mission verantwortlich machen werde. Eine Quelle im Außenministerium wurde in einer Nachrichtenmeldung im staatlichen Fernsehen mit den Worten zitiert, westliche Staaten versuchten, die Aufgabe der Mission zu behindern und sich in ihre Arbeit einzumischen.

"Wir werden die Ankunft des OPCW-Teams in Duma erleichtern, um zu überprüfen, ob chemische Substanzen verwendet wurden oder nicht", äußerte Baschar Dschaafari, Syriens Gesandter bei der UNO, in New York und fügte hinzu, dass ein zweites Team am Freitag eintreffen werde.

Der Damaszener Vorort Duma wurde diese Woche von der syrischen Regierung mit russischer Unterstützung zurückerobert, sodass auch Experten von der OPCW einen leichteren Zugang erhalten dürften als bei früheren Gelegenheiten, bei denen die angeblichen Angriffe in Gebieten stattfanden, in denen militärische Zusammenstöße andauerten oder die von extremistischen Rebellen kontrolliert wurden.

Syrien und Russland baten um die Entsendung eines Untersuchungsteams, nachdem Oppositionsgruppen behaupteten, die syrische Armee hätte in Duma einen Chemiewaffenangriff durchgeführt. Rebellen und ihnen nahestehende humanitäre Organisationen behaupteten, der Angriff hätte zu zahlreichen Toten und Hunderten von Opfern geführt.

Moskau und Damaskus gehen davon aus, dass der Vorfall "inszeniert" wurde, um die Regierungsoffensive gegen die Rebellen in Dume zu stoppen. Außerdem fällt der Zwischenfall fast zeitgleich mit den Aussagen Trumps zusammen, der zuvor ankündigte, die US-Armee aus Syrien zurückzuziehen.

In einem Fernsehinterview am Donnerstag stellte der französische Präsident Emmanuel Macron die Behauptung auf, "dass chemische Waffen zumindest in Form von Chlor benutzt wurden und dass sie von Baschar al-Assads Regime benutzt wurden". Konkrete Beweise konnte der Präsident allerdings nicht vorlegen.

Einen Tag zuvor sagten die USA, dass sie "noch immer [dabei sind,] Geheimdienstinformationen zu beurteilen" und sie "überzeugt" seien, dass Damaskus an Chemieangriffen beteiligt gewesen sei.

Die Missionsexperten der OPCW sind nicht berechtigt, einen Verantwortlichen für den angeblichen Chemiewaffen-Vorfall zu definieren. Aber es wird erwartet, dass die OPCW Aussagen fällen kann, ob und welche Chemikalien verwendet und wie sie verbreitet wurden.

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