Diskriminierung durch Ultraorthodoxe: Israelische Flughafenbehörde blockt Infokampagne für Frauen

Diskriminierung durch Ultraorthodoxe: Israelische Flughafenbehörde blockt Infokampagne für Frauen
Orthodoxe Männer bestehen auch auf getrennte Betstellen für Männer und Frauen an der Klagemauer - was immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Aktivistinnen führt.
Behörden am Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv blockieren eine Kampagne, die Frauen darüber aufklärt, dass sie nicht den Sitz wechseln müssen, wenn ein ultraorthodoxer Mann sie dazu auffordert. Die Kampagne basiert auf einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2017.

Wie die britische Zeitung Guardian berichtet, weigert sich die israelische Flughafenbehörde, an einer Aufklärungskampagne für Frauen mitzuwirken. Die Kampagne erinnert weibliche Passagiere daran, dass sie nicht den Sitz wechseln müssen, wenn ultraorthodoxe Männer sich weigern, neben ihnen zu sitzen.

Israelischer Premierminister Benjamin Netanjahu, Archivbild

Die Kampagne wurde vom Israel Religious Action Center (IRAC) konzipiert und sah vor, Plakatwerbung am Flughafen Ben Gurion in der Nähe von Tel Aviv während des jüdischen Pessachfestes zu zeigen. Das Pessachfest endet an diesem Samstag.

Die Aufklärungskampagne des IRAC basiert auf einem Gerichtsurteil vom Juni dieses Jahres zugunsten der 82-jährigen Holocaust-Überlebenden Renee Rabinowitz. Die ehemalige Rechtsanwältin hatte die nationale Fluggesellschaft El Al wegen Diskriminierung verklagt - und gewonnen. Die Kabinenbesatzung eines El-Al-Flugs hatte Rabinowitz gebeten, sich umzusetzen, als ein ultraorthodoxer Mann sich weigerte, neben ihr zu setzen.

Der zuständige Richter entschied, dass "unter keinen Umständen ein Besatzungsmitglied einen Passagier bitten kann, sich von seinem vorgesehenen Sitzplatz zu entfernen, weil der benachbarte Passagier aufgrund seines Geschlechts nicht neben ihm sitzen möchte".

Daraufhin erhielt El Al 45 Tage Zeit, um seine Politik zu ändern, und wurde zudem aufgefordert, Rabinowitz eine Entschädigung zu zahlen. Frauen, die mit der Fluggesellschaft reisen, wurden in den letzten Jahren häufig gebeten, ihre Sitze zu wechseln.

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Die Kampagne von IRAC erinnert unter dem Slogan "Ladies, please take your seat ... and keep it!" ("Damen, setzt euch auf euren Platz ... Und bleibt dort!") daran, dass Anträge auf einen Sitzplatzwechsel aus Gründen des Geschlechts illegal sind. Dazu produzierte die Organisation auch ein Video:

Das Israel Religious Action Center wurde 1987 als öffentliche und juristische Interessenvertretung der Israelischen Bewegung für ein Progressives Judentum gegründet. Der Hauptsitz befindet sich in Jerusalem. Das IRAC hat sich zum Ziel gesetzt, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und religiösen Pluralismus in Israel durch das israelische Rechtssystem, Lobbyarbeit und Veröffentlichungen zu verteidigen.

Schon im Jahr 2011 entschied der Oberste Gerichtshof Israels zugunsten der Organisation, als sie bestätigte, dass die Geschlechtertrennung in Bussen nicht erzwungen werden kann. Auch im Hinblick auf die Flughafenbehörden zeigt sich das IRAC kämpferisch. Gegenüber dem Guardian sagte Anat Hoffman, die Geschäftsführerin der Organisation:

Wenn die Flughafenbehörde unsere Plakate nicht zulässt, werden wir sie bitten, eigene Anzeigen zu machen, die die Leute über ihre Politik informieren. Und wenn sie das nicht tun, müssen wir sie vielleicht verklagen.

Die Konflikte mit den sogenannten Haredim (ultraorthodoxen Juden) sind nicht neu. Immer wieder kommt es in Israel zu Streit zwischen progressiven und orthodoxen Kräften. Die Richtlinien orthodoxer Juden verbieten den Kontakt mit dem anderen Geschlecht, sofern es sich nicht um ein Familienmitglied handelt. So sollen "unkeusche Gedanken" und die Ablenkung von dem Studium der Thora vermieden werden.

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2011 machte das ultraorthodoxe Jerusalemer Stadtviertel Mea Shearim Schlagzeilen. Die Männer wollten nicht länger die Bürgersteige mit den "stets auf Verführung sinnenden Frauen" teilen.

Die Zahl der Ultraorthodoxen in Israel ist 2017 auf 800.000 gestiegen, dass sind rund zehn Prozent der Bevölkerung. Sie verstehen sich als die wahren Bewahrer des jüdischen Glaubens.