Totale Eskalation? Saudi-Arabien droht dem Iran offen mit eigener Atombombe

Totale Eskalation? Saudi-Arabien droht dem Iran offen mit eigener Atombombe
Wenn sein Erzrivale Iran Nuklearwaffen zu erlangen versucht, werde auch Riad solche entwickeln, wie der saudische Kronprinz am Donnerstag sagte. Damit befeuerte er Spekulationen über ein atomares Wettrüsten in der Region, die ohnehin schon von Konflikten zerrissen ist.

"Saudi-Arabien strebt nicht nach Atombomben, aber wenn der Iran eine Atombombe entwickelt, werden wir diesem Beispiel zweifellos so bald wie möglich folgen", sagte Prinz Mohammed bin Salman in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS.

Das autokratische arabische Königreich liegt seit Jahrzehnten mit dem Iran im Streit. Die Länder führen einen permanenten Stellvertreterkrieg im Nahen Osten. Sie unterstützen rivalisierende Seiten in bewaffneten Konflikten und politischen Krisen, unter anderem im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen.

Waffenladen in den Arabischen Emiraten

Kronprinz Mohammed bin Salman, der als eigentlicher Herrscher in Riad gilt, verharmloste während des Interviews mit CBS die Rolle des Iran und sagte, der Iran sei weit davon entfernt, ein Rivale für Saudi-Arabien zu sein.

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums Bahram Ghasemi reagierte hart und sagte, der saudische Kronprinz sei ein "wahnhafter, naiver Mensch", der keine Ahnung von Politik habe, berichtete das iranische Staatsfernsehen am Donnerstag.

"Er hat keine Ahnung von Politik, abgesehen von verbittertem Gerede, das von einem Mangel an Voraussicht zeugt. Seine Bemerkungen verdienen keine Antwort, denn er ist ein wahnhafter, naiver Mensch, der nur lügt", so Ghasemi.

Prinz Mohammed, der auch als saudischer Verteidigungsminister fungiert, drohte vergangenes Jahr, das Königreich werde dafür sorgen, dass jeder künftige Kampf zwischen den beiden Ländern "im Iran geführt wird", was die wiederum zur iranischen Drohung führte, Saudi-Arabien mit Ausnahme der heiligen Städte Mekka und Medina anzugreifen.

Riad hat das Wiener Abkommen von 2015 zwischen den Supermächten und Teheran kritisiert, in dem Wirtschaftssanktionen gegen den Iran als Gegenleistung dafür aufgehoben wurden, dass die Islamische Republik ihr Nuklearprogramm einschränkt. Die Sanktionen der USA könnten allerdings wiederaufgenommen werden, sollte Präsident Donald Trump am 12. Mai die Weiterführung des Atomabkommens nicht ratifizieren.

Das Logo des Nachrichtensenders Al Jazeera in Doha, Katar

Die Äußerungen von Prinz Mohammed, der mit erst 32 Jahren Thronerbe ist, haben auch Auswirkungen auf Israel, einen weiteren Verbündeten der USA, das als einzige Atommacht im Nahen Osten gilt.

Israel hat lange argumentiert, dass der Iran, sollte er Atomwaffen entwickeln, dadurch ähnliche Projekte seiner arabischen Rivalen verursachen und die Region damit weiter destabilisieren würde.

Israel trat nie dem Atomwaffensperrvertrag von 1970 bei. Tel Aviv erklärte, dass es Inspektionen und Kontrollen im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags nur dann in Betracht ziehe, wenn Israel mit seinen arabischen Nachbarn und dem Iran im Frieden koexistiere.

Erster Schritt: Ziviles Atomprogramm für Riad

Saudi-Arabien forciert die Pläne zur Entwicklung einer zivilen Kernenergiekapazität im Rahmen eines von Prinz Mohammed geleiteten Reformprogramms, um die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Erdöl zu verringern.

Der weltweit führende Ölexporteur hat bereits früher erklärt, er wolle die Nukleartechnologie nur für friedliche Zwecke nutzen, hat aber offengelassen, ob er auch Uran als Kernbrennstoff anreichern will, ein Verfahren, das auch zur Herstellung von Atomwaffen verwendet werden kann.

Die Vereinigten Staaten, Südkorea, Russland, Frankreich und China bieten im Rahmen einer Ausschreibung den Bau der ersten beiden Kernreaktoren des Landes im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar an.

Die Kommentare von Prinz Mohammed vor seiner Reise in die Vereinigten Staaten nächste Woche könnten sich auf das Angebot eines Konsortiums auswirken, zu dem auch das zu Toshiba gehörende Unternehmen Westinghouse gehört.

Begleitet von Mitglieder der britischen Regierung und saudischen Delegierten, treffen der saudische Kronzprinz Mohammed bin Salman und die britische Premierministerin Theresa May in 10 Downing Street zusammen.

US-Unternehmen dürfen Nukleartechnologie in der Regel nur dann in ein anderes Land transferieren, wenn die Vereinigten Staaten ein Abkommen mit diesem Land unterzeichnet haben, das die Anreicherung einheimischen Urans und die Vorverarbeitung abgebrannten Kernbrennstoffs ausschließt – Schritte also, die auch für militärische Zwecke genutzt werden können.

In früheren Gesprächen hat sich Saudi-Arabien geweigert, irgendein Abkommen zu unterzeichnen, da dies das Land der Möglichkeit beraube, eines Tages Uran anzureichern.

Reaktoren benötigen Uran, das mit etwa fünf Prozent Reinheit angereichert sein muss. Dieselbe Technologie kann jedoch auch verwendet werden, um das Schwermetall auf ein höheres, waffenfähiges Niveau anzureichern. Dies war der Kernpunkt der westlichen und regionalen Besorgnis über die nuklearen Ambitionen des Iran.

Riad hat am Dienstag eine nationale Regelung für sein Atomenergieprogramm verabschiedet, die unter anderem die Beschränkung aller nuklearen Aktivitäten auf friedliche Zwecke innerhalb der durch internationale Verträge festgelegten Grenzen vorsieht.

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