Um den Iran zu schwächen: NATO will irakische Offiziere ausbilden

Um den Iran zu schwächen: NATO will irakische Offiziere ausbilden
Der Generalsekretär der NATO hat erklärt, das Bündnis plane, die Ausbildung der irakischen Streitkräfte massiv auszuweiten und damit faktisch zu kontrollieren, unter anderem durch die Einrichtung von Militärakademien. Auf diese Weise will man die Dominanz des Iran zurückdrängen. RT Deusch sprach mit einem irakischen Politikwissenschaftler.

von Ali Özkök

Jens Stoltenberg sagte am Dienstag, das Ziel der Ausbildung sei es, dafür zu sorgen, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" nie wieder "so zurückkehren kann, wie wir es bisher gesehen haben".

"Wir planen, den Irakern zu helfen, Militärschulen und -akademien zu errichten, um ihre Ausbilder zu erziehen und dadurch ihre Fähigkeiten zu verbessern, eigene Ausbilder auszubilden", beteuerte Stoltenberg.

Nachdem der Kampf gegen den "Islamischen Staat" im vergangenen Dezember für gewonnen erklärt wurde, sagten irakische Beamte, sie würden sich mithilfe der NATO und der westlichen Nationen auf die Ausbildung der Streitkräfte konzentrieren.

"Wir sind hier, weil der Irak will, dass wir hier sind, wir sind nicht ohne die Zustimmung und ohne eine Einladung aus dem Irak hier", behauptete Jens Stoltenberg nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP.

Er sagte, dass Truppen aus 19 Mitgliedsländern die Ausbildung irakischer Streitkräfte in mehreren Bereichen verstärkt hätten, darunter auch die deutsche Bundeswehr.

Trotz der Milliarden US-Dollar, die nach der von den USA geführten Invasion von 2003 für die Ausbildung irakischer Streitkräfte ausgegeben wurden, erlitt das Militär eine demütigende Niederlage, als IS-Kämpfer Mitte 2014 fast ein Drittel des Irak einnehmen konnten.

Doch das Engagement scheint auch mit dem Ziel der USA verbunden zu sein, pro-iranische Schiiten-Milizen im Irak zurückzudrängen. Am Donnerstag erließ der irakische Premierminister Haider al-Abadi ein Dekret, mit dem die Aufnahme pro-iranischer paramilitärischer Gruppen in die Sicherheitskräfte des Landes formalisiert wurde.

Der arabische Politikwissenschaftler vom geopolitischen Krisenforschungsinstitut ANKASAM Muwafaq Adil Omar, der in der nordirakischen Stadt Erbil lebt, bestätigte im Gespräch mit RT Deutsch, dass sich die Initiative der NATO unmissverständlich gegen den Einfluss des Iran im Irak richtet. Der Irak-Experte sagte:

"Die verstärkte Aktivität der NATO im Irak zielt darauf ab, den Einfluss des Iran zu begrenzen. Die NATO stärkt deshalb die Koalitionskräfte. Die USA waren von der Kampffähigkeit der irakischen Armee frustriert und wollen das Sektierertum diesmal vermeiden, das unter dem Premierminister al-Maliki vorherrschte."

Hinsichtlich der strukturellen Folgen einer Eingliederung der al-Haschd asch-Schaabi wies Muwafaq Adil Omar darauf hin, dass die NATO der iranischen Seite auf diese Weise den Zugriff auf die Schiitenmilizen künftig verwehren will. "Fällt sie unter den Befehl der irakischen Armee, dann wird al-Haschd asch-Schaabi unter dem direkten Kommando von Haidar al-Abadi stehen, der gute Beziehungen zu den USA pflegt. Das bedeutet, dass jene, die in der Miliz dem Iran nahestehen, über kurz oder lang von ihren Posten entfernt werden", fügte der Politikwissenschaftler hinzu.

Dem Dekret zufolge sollen Mitglieder der al-Haschd asch-Schaabi (auf Deutsch: "nationale Mobilmachung"), einer Gruppe von Milizen, weitgehend die gleichen Rechte wie Angehörige des Militärs erhalten.

Paramilitärische Mitglieder erhielten Gehälter, die denen im Militär unter der Kontrolle des Verteidigungsministeriums entsprechen, heißt es in dem Dekret. Sie unterlägen auch den Gesetzen des Militärdienstes und erhielten Zugang zu militärischen Instituten und Hochschulen.

Die paramilitärischen Kräfte, zu denen mehr als 40 Milizen bestehend aus überwiegend schiitischen Kämpfern gehören, wurden der Kriegsverbrechen beschuldigt. Sie wurden 2014 durch einen Aufruf des hochrangigen irakischen schiitischen Klerikers Ajatollah Ali as-Sistani gebildet, nachdem der "Islamische Staat" die zweitgrößte Stadt des Landes Mossul überrannt hatte und den Stadtrand von Bagdad erreichte.

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