Gerichtsverhandlung im Westjordanland zum Fall Ahed Tamimi: Zwischen Ikone und Terroristin

Gerichtsverhandlung im Westjordanland zum Fall Ahed Tamimi: Zwischen Ikone und Terroristin
Ahed Tamimi betritt einen Gerichtssaal, begleitet von Mitarbeitern des Ofer Gefängnisses, 1. Januar 2018.
Unter Ausschluss von Journalisten, Menschenrechtlern und Diplomaten wurde der Prozess gegen Ahed Tamimi nach Lesung der Anklage um einen Monat verschoben. Die Anklageschrift umfasst zwölf Punkte. Sie hatte einen Soldaten geschlagen und ihr wird vorgeworfen, zu Anschlägen aufgerufen zu haben.

Derzeit sitzen schätzungsweise 350 minderjährige Palästinenser in israelischen Gefängnissen. Die 17-jährige Ahed Tamimi ist die wohl Bekannteste unter ihnen. Heute stand sie vor Gericht. Die Verhandlung wurde um einen Monat verschoben. Das Mädchen muss weiter in Haft bleiben. 

Aheds Anwältin Gaby Lasky dementierte, dass ihre Mandantin zu Anschlägen aufgerufen habe, es handle sich lediglich um eine schlechte Übersetzung aus dem Arabischen. Journalisten, Menschenrechtler und Diplomaten wurden von der Verhandlung ausgesperrt. Ihre Anwältin kritisierte diese Entscheidung des Gerichts, das habe nichts mit dem Willen der minderjährigen Angeklagten zu tun, sondern sei eine Entscheidung des Gerichts. Tamimi wünschte sich eine öffentliche Verhandlung: 

Der Vater des Mädchens glaubt nicht, dass es sich um eine faire Verhandlung handeln wird. Amnesty International forderte die sofortige Freilassung Tamimis. Im Gefängnis feierte sie nun ihren 17-ten Geburtstag. Seit dem 19. Dezember befindet sie sich in Haft. Sie wurde drei Tage, nachdem das Video, wie sie einen israelischen Soldaten schlug und beschimpfte, publik wurde. Der Soldat erwiderte die Aggressionen des palästinensischen Mädchens nicht. Auch die Mutter des Mädchens, Neriman Tamimi wurde in Haft genommen. Da Tamimi durch Aggression, wie das Werfen von Steinen auf israelische Soldaten bekannt wurde, urteilte der Richter, dass sie "gefährlich" sei und in Haft bleiben müsse. 

Amnesty verweist auf das Recht der Kinder: 

Nach der Kinderrechtskonvention, der auch Israel angehört, darf die Verhaftung und Gefangenhaltung eines Kindes nur eine letzte Möglichkeit für eine möglichst kurze Zeit sein. 

Auf Twitter schrieb Amnesty:

Ahed Tamimi wurde zu einem Symbol des palästinensischen Widerstands. 

Auch Prominente aus dem Ausland, insbesondere den USA, forderten die Freilassung Tamimis und unterzeichneten eine Petition mit dem Hashtag #FreeAhed, die von einer Gruppe aus Florida, die sich "Dream Defenders" nennt, initiiert wurde. Die Hollywood-Stars Rosario Dawson und Danny Glover sowie die Musiker Talib Kweli und Vic Mensa gehören zu den Befürwortern der Petition. Ihre Unterstützung begründeten sie mit einem Vergleich der Diskriminierung von Afro-Amerikanern. Kritiker sehen in der Familie Tamimi keine Heiligen, die sich für den Frieden einsetzen. Bassem Tamimi, der Vater von Ahed, ist gegen den Zionismus und den jüdischen Staat. Er erklärte seine Sympathien für den Kampf der Hisbollah gegen Israel. Seine Frau Narim Tamimi, die Mutter von Ahed, lobte das Attentat auf eine 13-jährige Israelin auf Facebook. Diese wurde von einem palästinensischen Teenager im Schlaf in ihrem Haus ermordet. Während ihr Mann nur auf arabisch postet, teilt sie ihre Abneigung gegen Israel auf Englisch. 

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman lobte die Entscheidung der Inhaftierung Tamimis. Ihre Verhaftung bezeichnete er als "wichtiges Signal" an alle Palästinenser. Der Grund für ihre Aggressionen sei laut Tamimi ihr Ärger über eine Kopfverletzung ihres Cousins durch ein israelisches Gummigeschoss gewesen. Die neue Verhandlung wird am 11. März stattfinden. Bis dahin bleibt Tamimi im Ofer-Gefängnis von Ramallah. 

Die Aufnahme, die zu Tamimis Verhaftung führte: 

Ahed Tamimi im Gerichtssaal: 

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen