In Israel hungern Holocaust-Überlebende – Deutsche Gelder kommen nicht immer an

In Israel hungern Holocaust-Überlebende – Deutsche Gelder kommen nicht immer an
Proteste gegen schlechte Lebensbedingungen von Holocaust-Überlebenden, Jerusalem, Israel, 25. Januar 2007.
Werden Sie einem Überlebenden der Shoah heute ein Mittagessen bezahlen? Damit wirbt ein Spendenaufruf. Das Geld, das ihnen die israelische Regierung zum Leben lässt, reiche nicht für das Notwendigste. Viele können nicht auf die Hilfe von Familienmitgliedern zählen.

Auch zum Essen reiche das Geld oft nicht. Holocaust-Überlebende leiden unter Altersarmut. Mit drei Pfund könne man bereits einen Überlebenden des Holocausts unterstützen. Von den Spendengeldern werde von der Organisation nichts einbehalten. Alles gehe direkt an die Überlebenden. Zitiert wird auch der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu auf der Seite von Survivorhope aus Großbritannien, der die Moral der Organisation lobt. 

Legendärer Auschwitz-Ausbrecher mit 98 Jahren verstorben

Geführt wird die Seite vom "Jerusalem Prayer Team" mit Sitz in London, die sich als Freunde des Zionismus und bibeltreue Christen beschreiben. In der israelischen Hafenstadt Haifa und in Jerusalem unterhalten sie Gemeinschaftszentren für die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs. Derzeit leben noch rund 200.000 Holocaust-Überlebende in Israel, darunter schätzungsweise ein Viertel in Armut. Eine der Organisationen Israels, welche die Situation der Betroffenen verbessern wollen, ist "Aviv (Leben) für Rechte von Holocaust Überlebenden". 

Die Zahlungen der deutschen Regierung an die Opfer der Shoah gingen nicht direkt an die Menschen. Sie wurden von der israelischen Organisation in New York entgegengenommen, der sogenannten "Jewish Claims Conference" (JCC), die im Jahr 1951 gegründet wurde. Im April 2016 wurde ein Bericht öffentlich, wonach 20.000 der in Israel lebenden Opfer ihre Entschädigung nie erhielten. In Zahlen ging es um 30 Millionen Dollar. Aber der israelische Minister für Wohlfahrt und Soziale Dienste, Haim Katz, geht von einem noch höheren Schaden aus, wenn man diejenigen miteinbezöge, die zwischenzeitlich schon verstorben sind und nie von den Geldern profitieren konnten. Der JCC ist nicht nur für seine Hilfsbereitschaft bekannt, sondern auch durch einen Betrugsfall. Semen Domnitser, ehemaliger JCC-Mitarbeiter, und 30 andere erschlichen sich in den Jahren 1993 bis 2009 57 Millionen Dollar. Gelder, die von der Bundesregierung stammten. 

Im Jahr 2013 verpflichtete sich Deutschland gegenüber der Jewish Claims Conference zu 800 Millionen Euro an Hilfszahlungen, die der Pflege von 60.000 Überlebenden in 46 Staaten dienen sollten. Stuart Eisenstat, Chefunterhändler der JCC sagte damals: 

Wir sehen Deutschlands anhaltendes Bekenntnis, seine historische Verpflichtung gegenüber den Nazi-Opfern zu erfüllen. Das stellt sicher, dass die Holocaust-Überlebenden ihre letzten Lebensjahre in Würde verbringen können."

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