Israelisches Militärgericht: Anklage gegen sechzehnjährige Palästinenserin

Israelisches Militärgericht: Anklage gegen sechzehnjährige Palästinenserin
Die 16-jährige Palästinenserin im israelischen Militärgefängnis Ofer.
Der Fall der 16-jährigen Tamimi schlug vor allem in den Sozialen Medien hohe Wellen. Nun muss sich die Palästinenserin nach Angaben der israelischen Armee unter anderem wegen Aufwiegelung, Körperverletzung und Bedrohung verantworten.

Die junge Frau hatte einen Soldaten vor laufender Kamera geschlagen und damit großes Aufsehen erregt. Zuvor war ihr 15-jähriger Cousin demnach bei einem Protest von einem Gummigeschoss ins Gesicht getroffen worden. Vor allem für die Palästinenser und in Arabisch sprachigen Medien wird die am 19. Dezember Verhaftete als Heldin und Symbolfigur des Widerstands gefeiert.

 Die palästinensische Teenagerin Ahed Tamimi vor dem Gerichtssaal

Vor einem Militärgericht im Westjordanland wurde Ahed Tamimi nun am Montag wegen Körperverletzung angeklagt, berichteten israelische Medien. Einer Mitteilung der Armee zufolge wird sie unter anderem beschuldigt, Steine geworfen und Drohungen ausgesprochen zu haben sowie an Ausschreitungen beteiligt gewesen zu sein. Ihre Mutter Nariman sei demnach ebenfalls wegen Körperverletzung und wegen Hetze in Sozialen Medien angeklagt worden.

Tamimi ist in zwölf Punkten angeklagt, die nicht nur die Konfrontation am 15. Dezember 2017 betreffen, sondern auch fünf weitere Angriffe auf israelische Sicherheitskräfte im letzten Jahr. Die Untersuchungshaft einer 20-jährigen Cousine der Palästinenserin soll am Dienstagnachmittag enden. Das Militärgericht von Ofer hat gegen Tamimis ebenfalls beteiligte Mutter in fünf Punkten Anklage erhoben. Ihr werden weitere Konfrontationen mit Soldaten und die Nutzung von Facebook zum "Aufruf zu terroristischen Akten" vorgeworfen.

Die Frauen waren im vergangenen Monat nach einem Vorfall in dem Dorf Nabi Saleh nahe Ramallah festgenommen worden. Auf einem Video, das sich schnell in sozialen Medien verbreitete, war zu sehen, wie Tamimi, ihre Mutter und eine Verwandte die Konfrontation mit zwei israelischen Soldaten suchen. Tamimi tritt und schlägt auf einen der Männer ein, ein Fausthieb trifft ihn im Gesicht. Die beiden bewaffneten Soldaten reagieren kaum.

Der Vorfall löste eine Kontroverse aus. In Israel wurden die Soldaten für ihre zurückhaltende Reaktion gelobt und Tamimi als Provokateurin kritisiert. Kritiker dieser Sichtweise verweisen hingegen auf das repressive Vorgehen der IDF-Kräfte und sprechen von Doppelmoral. So gebe es etwa seitens westlicher Feministinnen, Menschenrechtsgruppen und Regierungsvertretern keine Solidaritätsbekundungen mit der Jugendlichen. Ganz im Gegenteil etwa zum Fall der jungen Pakistanerin Malala Yousafzai, die für ihr unerschrockenes Vorgehen und ihre Kritik an den Taliban, deren Opfer sie wurde, gefeiert und hofiert wurde.

Der israelische Regierungschef und Parteivorsitzende Benjamin Netanjahu war bei der Abstimmung nicht anwesend, hatte die Versammlung in der Nähe des internationalen Flughafens Ben-Gurion aber auch nicht verhindert.

Auch Ahed Tamimi, so der Vorwurf, sei für ihr Standhaftigkeit gegen Ungerechtigkeit bekannt. So habe sie gegen die Besetzung palästinensischen Landes aufbegehrt, persönliche Opfer gebracht. So seien etwa sowohl ein Onkel als auch ein Cousin im Kampf gegen die israelische Okkupation getötet worden. Ihre Eltern und ihr Bruder seien demnach ebenfalls immer wieder aufgrund ihres Protests verhaftet worden. Ihr Vater Bassam verbrachte mehrere Jahre in israelischer Haft. Tamimi steht daher nicht zum ersten Mal im Fokus der Öffentlichkeit.

Bereits im Jahr 2012 sorgte Tamimi für Aufsehen, als sie etwa einem IDF-Angehörigen eine geballte Faust entgegenstreckte. Im Jahr 2015 biss sie einem israelischen Soldaten in die Hand, um diesen daran zu hindern, ihren Bruder festzunehmen.