Palast-Putsch mit saudischer Unterstützung? Jordaniens König lässt Prinzen festnehmen

Palast-Putsch mit saudischer Unterstützung? Jordaniens König lässt Prinzen festnehmen
König Abdullah von Jordanien hat am Freitag seine Brüder Prinz Feisal und Prinz Ali sowie seinen Cousin Prinz Talal entlassen und sie von wichtigen Militärposten entfernt. Der Grund ist die Kontaktaufnahme mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die einen Putsch vorbereitet haben sollen.

Der jordanische König soll die drei einflussreichen Männer in ihren Häusern festgenommen haben. Das militärwissenschaftliche britische Portal IHS Jane’s bestätigte:

Generalmajor Prinz Feisal bin al-Hussein und Generalmajor Prinz Ali bin al-Hussein, beide Brüder des Königs, sowie sein Cousin Generalmajor Prinz Talal bin Mohammed sind nach fast zwei Jahrzehnten Dienst in leitenden Positionen innerhalb der JAF [Jordanische Armee] in den Ruhestand getreten. Andere weniger hochrangige Royalisten werden ihre Positionen in der JAF behalten."

Prinz Faisal traf sich vor zwei Wochen noch mit einer Delegation der NATO-Verteidigungsakademie, um die militärische Zusammenarbeit und Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung zu besprechen. Prinz Ali hat in den jordanischen Spezialeinheiten gedient und das „Special Security“-Team des Königs kommandiert. Prinz Talal ist ebenso ein Veteran der Sondereinsatzkräfte.

Die arabische Nachrichtenseite al-Sura berichtete, obwohl es keine offizielle Bestätigung gibt, dass König Abdullah seine Familienmitglieder verhaftete, nachdem seine Nachrichtendienste den Hinweis erhielten, dass sie direkten Kontakt zu Muhammad bin Salman und Muhammad bin Zayid aufnahmen.

Die Spannungen in der Region haben in den letzten Monaten zugenommen. Jordanien entgegnete den regionalen Vormachtambitionen des neuen saudischen Kronprinzen Mohammad bin Salman zunehmende Skepsis, heißt es in der britischen Presse.

Laut al-Sura ist Jordanien, obwohl es sich nominell auf die Seite Riads gestellt hat, nicht glücklich mit der Blockade Katars durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Facebook-Video Screenshot vom saudischen Prinzen im libanesischen Gefängnis.

„Die saudische Haltung gegenüber selbst Verbündeten hat viele in Führungspositionen dazu veranlasst, wachsam zu bleiben. Das Vertrauen hat alle Zeittiefs erreicht und Strategen haben Saudi-Arabiens schlecht geplante Aktionen für die Verlagerung des regionalen Einflusses vom saudischen Staat auf die Türkei, den Iran und Ägypten verantwortlich gemacht. Vor allem die arabischen Golfstaaten haben sich sehr kritisch über die oft zuweilen einseitigen Aktionen Saudi-Arabiens geäußert“, kritisiert das arabische Nachrichtenportal.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Amman und Saudi-Arabien ist die sich zu einer Allianz entwickelnden Partnerschaft von Riad mit Israel. Jordaniens König gilt seit dem verlorenen Sechs-Tage-Krieg 1967 als „Hüter der heiligen Stätten“ von Ost-Jerusalem, darunter insbesondere der Felsendom und die al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg. Hinzu kommt, dass in Jordanien eine große palästinensische Minderheit lebt. Die Politik Saudi-Arabiens, Israel in der Jerusalem-Frage und damit gegen die palästinensische Forderung nach Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen, hat Jordaniens geopolitische Rolle im Konflikt direkt untergraben.

Ein jordanischer Beamter beschwerte sich im November laut dem Nachrichtenportal „Middle East Eye“ anonym darüber, dass Kronprinz Mohammad bin Salman

mit den Jordaniern und der Palästinensischen Autonomiebehörde so umgeht, als wären sie die Diener und er ist der Meister, und wir müssen dem folgen, was er tut.“

Am 16. Dezember ließ der saudische Kronprinz den jordanischen Milliardär Sabih al-Masri festnehmen, der auch die saudische Staatsbürgerschaft besitzt. Die Inhaftierung von al-Masri war einem Paukenschlag gleich in Jordanien, wo spekuliert wurde, dass er festgenommen wurde, um Druck auf König Abdullah auszuüben, damit er nicht an einer vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einberufenen Dringlichkeitssitzung der Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) zu Jerusalem teilnimmt. In Dubai und Riad ist die Sorge groß, dass Jordanien aus dem Orbit Saudi-Arabiens ausbricht und sich Katar sowie der Türkei anschließt, die beide Jordaniens Rolle bei der Palästina-Frage unterstützen.

Blick von Abu Dis auf Jerusalem.

„Darüber hinaus hat Jordanien eine Schlüsselrolle bei einem Waffenstillstand in Südsyrien gespielt, den es im Juli unterzeichnet hat. Im November unterzeichnete sie eine Grundsatzvereinbarung mit Russland und den USA“, schrieb der Jerusalem Post-Journalist Seth Frantzman am Freitag im Zusammenhang mit den sich anspannenden Beziehungen zu Riad.

Marcus Chevenix, Nahost-Analyst bei der Beratungsgesellschaft TS Lombard, fasste zusammen, dass die diplomatischen Beziehungen in der Region „unberechenbar“ geworden sind. Er sagte:

Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass es im Nahen Osten keinen echten externen Schiedsrichter mehr gibt, der die diplomatischen Beziehungen aller Beteiligten definiert. Lange Zeit waren es die USA und Russland, dann war es nur Amerika und jetzt gibt es niemanden mehr.“

Die Erschütterung der Streitkräfte mit einflussreichen Prinzen, die als „Modernisierer“ gehandelt wurden, „kann bei den Verbündeten im Westen für Aufsehen sorgen. Es mag einige an die Umbrüche unter den Königshäusern in Saudi-Arabien erinnern“, zog Seth Frantzman in einem Kommentar für das Analyseportal Medium das Fazit.