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Land der Captagon-Junkies: Saudischer Prinz beim Schmuggel von „Dschihad-Droge“ erwischt

Land der Captagon-Junkies: Saudischer Prinz beim Schmuggel von „Dschihad-Droge“ erwischt
Facebook-Video Screenshot vom saudischen Prinzen im libanesischen Gefängnis.
Ein Video sorgt derzeit im Nahen Osten für Furore. Es zeigt einen bekannten saudischen Prinzen, der bei einem der größten Drogenfunde in der Geschichte des Beiruter Flughafens verhaftet wurde. Der Prinz wurde des Schmuggels von zwei Tonnen der „Dschihad-Droge“ Captagon überführt.

In einem exklusiven Video, das vom arabischen Fernsehsender Aljadeed TV publik gemacht wurde, ist der saudische Prinz Abdel Mohsen bin Walid Bin Abdulaziz zu sehen, wie er mit seinem Freund Shadi Musik hört und mit Kerzenlicht im Hintergrund seinen Geburtstag genießt.

Der Prinz und vier andere Saudis wurden zuvor im Libanon von der Flughafensicherheit festgenommen, als sie versuchten, etwa zwei Tonnen Captagon-Pillen und Kokain zu schmuggeln.

Captagon ist der Markenname für das Amphetamin Fenetyllin, eine synthetische Stimulans. Die verbotene Droge wird vor allem im Nahen Osten konsumiert und ist Berichten zufolge unter Kämpfern in Syrien weit verbreitet.

Die Medikamente waren in Kisten verpackt, die darauf warteten, in ein Privatflugzeug nach Saudi-Arabien geladen zu werden, berichtet das Nachrichtenportal al-Arabi al-Dschadid.

Genau der gleiche Zwischenfall ereignete sich 2015 auf dem Flughafen von Beirut mit den selben Beteiligten. Der saudische Prinz Abdel Mohsen bin Walid Bin Abdulaziz wurde von libanesischen Behörden erwischt, wie er zwei Tonnen Amphetamine in seinen Privatjet laden wollte und das ultrakonservative saudische Königreich verlassen wollte. Das britische Nachrichtenportal Independent schreibt, dass die beschlagnahmte Fracht über 210 Millionen Euro wert war.

Blick von Abu Dis auf Jerusalem.

Im April 2014 vereitelten libanesische Sicherheitskräfte einen anderen Versuch, 15 Millionen Kapseln Captagon zu schmuggeln, die in Schiffscontainern voller Mais aus dem Hafen von Beirut verschickt werden sollten.

Das Video, das der Prinz von sich selbst aufgezeichnet hat, ist aus dem Gefängnis Hobeish. Das für viele arabische Kommentatoren schockierende Video wirft zahlreiche Fragen über die Sonderbehandlung des 31-jährigen saudischen Drogenschmugglers auf, der einen Diplomaten-Pass besitzt. Im Gefängnis wurde dem Prinzen eine Luxus-Zelle zugeteilt, in der es dem saudischen Monarchie-Mitglied an nichts fehlt. In anderen Zellen des gleichen Gefängnis leben bis zu 15 Menschen auf kleinen Räumen eingepfercht zusammen, schreibt al-Arabi al-Dschadid.

Die Gefängnisse im Libanon erfüllen in der Regel nicht den Mindeststandard, der von den Vereinten Nationen erhoben wird. Die UN erhebt zahlreiche Korruptionsvorwürfe, bei denen Hochsicherheitshäftlinge unter fragwürdigen Umständen entkamen und Gefängniswärter wegen Drogenschmuggels angeklagt wurden.

Saudi-Arabien gilt laut einem Bericht des arabischen Portals Raseef22 als der größte Markt für den Import von Captagon. Nach Angaben mehrerer libanesischer Händler liegt der Preis für eine Schachtel mit 200.000 Captagon-Pillen zwischen 550.000 und 600.000 US-Dollar in Saudi-Arabien, was angesichts der niedrigen Herstellungskosten des Medikaments zu einer beträchtlichen Gewinnspanne führt. Das macht sie zu einer begehrten Einkommensquelle in Libanons Bekaa-Tal, wo es viele Händler der Droge gibt.

Händler behaupten, dass die Droge über syrische und türkische Händler in den Libanon gelangt ist, während libanesische Händler die Arzneimittelformel modifiziert haben, um einen ausgezeichneten libanesischen Geschmack hinzuzufügen. Zunächst produzierten die Händler die Pillen in Bulgarien und führten sie dann in die Region ein. Das kriegsgeschüttelte Syrien gilt als Transitort für die Droge.

Lange profitierte die Terrormiliz „Islamischer Staat“ vom Export der Droge. Abu Ahmed, ein Schmuggler im Bekaa-Tal, sagte dem Analyseportal Raseef22, dass ein saudischer Kunde aufgehört hat, die Waren von Händlern im Bekaa zu kaufen, weil er sie billiger aus Rakka holen konnte, die selbsternannte Hauptstadt des „Islamischen Staates“ in Syrien.

Taym Ramadan, ein Aktivist, der in Raqqa lebt, informierte, dass der Captagon-Mißbrauch weit unter IS-Kämpfern verbreitet war. Das soll dazu geführt haben, dass die Organisation eine „Rechtsauskunft“ (Fetwa) erteilte, die es IS-Mitgliedern erlaubt, die Droge zur Leistungssteigerung zu benutzen.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman nimmt an einer Kabinettssitzung in Riad teil; Saudi-Arabien, am 28. November 2017.

Juri Fedotow, Exekutivdirektor des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), erklärte im Juli 2016, dass der „Islamische Staat“ und die al-Nusra-Front den Schmuggel der chemischen Substanzen, die in der Captagon-Produktion verwendet werden, erleichtern.

Eine Studie des Institute for Middle East Studies an der George-Washington-Universität kam 2015 zu dem Schluss, dass auch die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah an der Herstellung der Droge beteiligt sein soll.

Der Captagon-Missbrauch gilt heute als eine der härtesten Herausforderungen für saudische Behörden. Der Generalsekretär des Nationalen Komitees für Drogenkontrolle, Abdullah al-Scharif, erklärte im vergangenen Jahr, dass 40 Prozent der saudischen Drogenabhängigen Captagon nehmen. Damit stellen Captagon-Abhängige die höchste Quote unter allen Drogenabhängigen im Königreich dar.

Die saudische Königsfamilie stößt immer wieder in den vergangenen Jahren mit Behörden in verschiedenen Ländern zusammen. Vor ein paar Monaten wurde ein saudischer Prinz in Los Angeles verhaftet, weil er angeblich versucht hatte, eine Frau zu zwingen, Oralsex mit ihm in einer Villa in Beverly Hills zu haben. 2013 wurde eine saudische Prinzessin in Los Angeles beschuldigt, eine kenianische Frau als Hausmädchen versklavt zu haben.

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