Britische Forscher: Waffenlieferungen der USA landeten beim Islamischen Staat

Britische Forscher: Waffenlieferungen der USA landeten beim Islamischen Staat
Ein von irakischen Sicherheitskräften beschlagnahmtes Arsenal des IS.
Washington stellte so genannten Rebellen in Syrien tausende Tonnen Waffen und Munition zum Sturz des legitimen Präsidenten Baschar al-Assad zur Verfügung. Laut britischen Forschern hat auch der "Islamische Staat" von diesem Waffenprogramm profitiert.
Ein C-17-Frachter der amerikanischen Luftwaffe auf dem Stützpunkt Ramstein, Juni, 2015.

Viele der von den USA zum Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an sogenannte Rebellen ausgegebenen Waffen landeten in den Händen des "Islamischen Staates" (IS). Das ist das Ergebnis einer aufwendigen Recherche der britischen Organisation Conflict Armament Research (CAR), die auf Wired veröffentlicht wurde. CAR hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Weg von Waffen in kriegerischen Konflikten nachzuspüren. Über drei Jahre lang – von Juli 2014 bis November 2017 – dauerte die Studie, die den Weg von über 40.000 Waffen und anderer Kriegsgerätschaften analysierte, die im Besitz des IS gelandet waren.

Bis zu 90 Prozent der Waffen und der Munition, die der IS nutzte, stammten demnach ursprünglich aus Russland, China und osteuropäischen Staaten. Ein Großteil des Arsenals gelangte jedoch infolge der unter US-Präsident Barack Obama geleisteten Unterstützung für die Rebellen in Syrien in die Hände der Dschihadisten, so die CAR-Studie.

Indem sie "große Mengen" an Waffen und Munition in Europa kauften und diese dann an nicht-staatliche Akteure in Syrien weitergaben, ohne die Verkäufer zu informieren, hätten die USA "die Verkaufs- und Exportbedingungen, die zwischen Waffenexporteuren und -empfängern vereinbart wurden", verletzt. In dem Bericht heißt es weiter:

Die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien lieferten den Großteil dieses Materials ohne Genehmigung, offenbar an syrische Oppositionskräfte. Bei dem abgezweigten Material, das aus den Händen des IS geborgen wurde, handelt es sich ausschließlich um Waffen und Munition aus dem Warschauer Pakt, die von den USA und Saudi-Arabien osteuropäischen EU-Staaten abgekauft worden waren. […] Materiallieferungen in den syrischen Konflikt durch ausländische Parteien – insbesondere von den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien – haben es dem IS indirekt erlaubt, beträchtliche Mengen an panzerbrechenden Waffen anzuhäufen.

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Innerhalb weniger Wochen von Bulgarien über die USA an den IS

Anhand von Seriennummern und anderen Markierungen konnte CAR den Weg einzelner Waffen zurückverfolgen. So gelangte eine von Bulgarien an die USA verkaufte Panzerfaust innerhalb von knapp zwei Monaten in die Hände des IS. "Das ist ein extrem kurzer Zeitraum", sagte Damien Spleeters von CAR gegenüber NBC News. Das deute darauf hin, dass es nur wenige Zwischenhändler gab.

Das Beladen eines Militärtransportflugzeuges auf dem Luftwaffenstützpunkt im deutschen Ramstein.

Laut den Recherchen wurde die Panzerfaust am 12. Dezember 2015 nach Angaben des bulgarischen Herstellers an das US-Militär verkauft. Irakische Sicherheitskräfte stellten sie dann am 9. Februar 2016 während der Schlacht um die Stadt Ramadi sicher. Unklar bleibt, auf welchem Weg die Waffe an die IS-Kämpfer gelangt ist.

CAR merkt in diesem Zusammenhang jedoch an, dass die der "Freien Syrischen Armee" zugehörige Kampfgruppe "Jaysh al-Nasr" am 21. Dezember 2016 Bildmaterial veröffentlichte, das Panzerfäuste mit ähnlichen Seriennummern zeigte. Das deute darauf hin, dass diese "Teil derselben Lieferkette" waren, so der Bericht.

Verpackung gewechselt - Fabrikmarkierungen entfernt

Diesem zufolge haben die an den Waffentransfers beteiligten Parteien oftmals absichtlich versucht, die Quelle der Waffe zu verbergen, indem sie die Verpackung gewechselt und Fabrikmarkierungen entfernt oder übermalt haben. Zusammenfassend heißt es in dem Bericht, dass "viele Waffen, die US-gestützte Rebellengruppen in Syrien erhielten, an den IS weitergeleitet wurden".

Im Rahmen eines geheimen CIA-Programms stellte Washington den zumeist islamistischen Regierungsgegnern in Syrien tausende Tonnen an Waffen und Munition bereit. Nach Schätzung eines von der Washington Postzitierten "sachkundigen Beamten" hätten die von der CIA unterstützten Kämpfer innerhalb der letzten vier Jahre "100.000 syrische Soldaten und Verbündete getötet oder verwundet".

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