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Russlands unerwarteter militärischer Sieg in Syrien

Russlands unerwarteter militärischer Sieg in Syrien
Russische Soldatinnen auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim, Ostern 2017, Syrien.
Entgegen allen Erwartungen ist Moskau siegreich aus dem Syrien-Konflikt hervorgegangen. Russland bewies militärische Fähigkeit trotz limitierter Ressourcen. Der Erfolg stärkt Russlands Hand im Nahen Osten und bedeutet eine Rückkehr zu den "warmen Meeren".

Am Montag gab der russische Präsident Wladimir Putin bekannt, dass Moskau die Terrormiliz "Islamischer Staat" besiegt hat. Auch wenn der IS im globalen Maßstab noch weit davon entfernt ist, tatsächlich besiegt zu sein, ist es dem russischen Antiterroreinsatz gelungen, ihm seine staatsähnliche Struktur zu entziehen. Die Rebellen, die vor allem von sunnitischen Staaten im Nahen Osten, angeführt von der Türkei und Katar, unterstützt wurden, verloren die Initiative im Krieg.

Sie sehen sich heute im Fall einer Eskalation einer gegnerischen Überlegenheit gegenüber, die sich in Form von Russland und Iran hinter Baschar al-Assad positioniert. Weitläufigen Annahmen zum Trotz, wonach sich Moskaus Bemühungen im Zuge der Ukraine-Krise und internationaler Sanktionen in Syrien festfahren würden, ging das Kalkül des Kremls auf, fasste der russische Militäranalyst Ruslan Pukhow in einer Analyse für das Fachportal Defense News die Lage zusammen.

Zwei Jahre nach Beginn der Operationen im Jahr 2015 zeichnet sich ab, dass Syrien kein zweites Afghanistan-Fiasko für Moskau wird. Aus Perspektive des Kremls wurden im Grunde alle zuvor definierten strategischen Ziele erreicht.

In erster Linie ging es um die Stabilisierung der al-Assad-Regierung, die im Begriff war, von Rebellen des Dschaisch-al-Fatah-Bündnisses überrannt zu werden. Während al-Assad fester im Sattel sitzt als jemals zuvor seit 2011, muss sich der "Islamische Staat" als weitgehend zerschlagene Guerilla-Truppe zwischen Syrien und Irak durchschlagen. Die Oppositionskräfte, also eine Bandbreite von Gruppen zwischen der Freien Syrischen Armee und islamistischen Milizen, konnte das regierungsloyale Bündnis militärisch isolieren und an den Verhandlungstisch zwingen.

Die Türkei, die als größte Rebellen-Unterstützerin gehandelt wird, trägt die Verantwortung für das Handeln der Rebellen im trilateralen Format der Astana-Friedensgespräche mit Russland und dem Iran. Im Gegenzug erhielt Ankara einen Sonderplatz als Garantiemacht zur Sicherung des Friedens in Syrien. Auch wenn Ankara darauf setzt, über nützliche Kooperationen ein Stück vom Kuchen in Syrien abzubekommen, sind die Gefahren, die von der PKK-nahen YPG-Miliz in Nordsyrien ausgehen, größer geworden. Sie überlagern nun das eigentliche Ziel Ankaras, Russlands Verbündeten Baschar al-Assad zu stürzen. Vom militärischen Standpunkt aus steht der politischen Zukunft von al-Assad dank Russland nichts mehr im Weg.

Beeindruckend sind die militärischen Fähigkeiten, die Russland in Syrien unter Beweis stellt. Mit begrenzten Mitteln vermochten die russischen Streitkräfte das militärische Gleichgewicht zu wenden. Im Schnitt haben sich in Syrien etwa zwischen 4.000 und 4.300 Soldaten aufgehalten. Mit den Abzugsankündigungen des russischen Präsidenten hält der Kreml die Präsenzen am Boden dynamisch. Unterm Strich ist die Anzahl der stationierten Soldaten gering. Neben regulärem Personal setzt Moskau auch auf die Unterstützung von privaten Militärdienstleistern, die meist aus der eigenen Armee stammen und gut ausgebildet sind.

Die russische Expeditionstruppe verlor nicht mehr als 100 Soldaten bei den Kämpfen in Syrien. Ebenso hielten sich die Verluste bei militärischem Gerät in Grenzen. Während sich die Aufwendungen des Humankapitals und des eingesetzten Kriegsgerätes in Grenzen halten, geht aus einem früheren Bericht von RT Deutsch hervor, dass sich Kosten für Russland auch amortisieren. Mittlerweile gehen rund 20 Prozent aller russischen Rüstungsexporte in die Region. Russlands Militärkampagne in Syrien weckte auch unter zahlungsbereiten arabischen Staaten neues Interesse.

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Laut Experten-Einschätzung zählte die Kampfflugzeugflotte der russischen Expeditionstruppen in dem arabischen Land zwischen 30 und 50 Stück. Die Hubschrauberflotte bewegte sich bei etwa zwischen 16 und 40 Stück. Die geringe Anzahl von Flugzeugen konnte die Armee durch die hohe Zahl an Einsätzen pro Maschine ausgleichen. Bis Ende August flogen russische Flugzeuge und Hubschrauber 28.000 Einsätze gegen 90.000 Ziele. Russische Drohnen absolvierten 14.000 Einsätze. Im Afghanistan-Krieg gegen die Mudschaheddin verlor die Sowjetarmee im Vergleich durchschnittlich alle 750 Einsätze ein Kampfflugzeug.

Was machte den russischen Erfolg möglich?

Moskau integrierte seine Streitkräfte in die syrische Armee. Der Kreml förderte damit eine enge Symbiose. Zeitgleich setzte Moskau auf eine robuste Ausbildungsmission, die die Kampffähigkeit der Regierungstruppen stabilisierte. Die konsolidierten Verbände unterstanden anschließend einer robusten russischen Kommandatur, welche die syrische Soldaten anführte. Trotz ihrer geringen zahlenmäßigen Größe war die Erfahrung der russischen Offiziere eine Bereicherung mit Blick auf die Bewältigung der operationellen und taktischen Herausforderungen. Die syrischen Stoßtruppen wurden von russischen Sondereinsatzkräften verstärkt.

Russische Offiziere führten zudem die wichtigsten Verbände der syrischen Armee an. Ein Beispiel dafür ist das fünfte Freiwillige Angriffkorps, das zur Hauptstoßtruppe der syrischen Armee wurde. Das Korps hatte die russische Armee selbst ausgerüstet. In dieser Einheit wählten die russischen Offiziere ihre syrischen Offizierskollegen auch selbst aus, was zu einer engen Verzahnung beider Armeen beitrug.

Symbolbild

Laut dem Militärexperten Ruslan Pukhow war ein weiterer Aspekt die clevere Integration von privaten Militärdienstleistern. Die Firmen waren nicht auf Unterstützungsfunktionen beschränkt. Stattdessen integrierte man sie als Angriffskraft, die wie alle regulären russischen Truppenteile eine enge Symbiose mit syrischen Truppen eingingen. Auf diese Weise gewannen syrische Truppen in der Spitze eine ungewohnte Durchschlagskraft.

Der Vorteil des Einsatzes von Söldnern war es, die Zahl an Opfern in regulären Verbänden auf der Seite Russlands vermindern zu können. Große Opferzahlen hätten die Zustimmungswerte für den Krieg in Syrien in der Föderation negativ beeinflusst.

Erfolg in Syrien: Sprungbrett für stärkere Rolle im Nahen Osten  

Der Krieg in Syrien erlaubt Moskau, wichtige neue Erkenntnisse der modernen Kriegsführung zu sammeln. Nach etwas mehr als zwei Jahren geht Russland in eine politische Verhandlungsphase über, die maßgeblich über die Zukunft des arabischen Landes entscheidet. Die russische Kommandantur in Syrien verfolgte ein Rotationssystem. In diesem kurzen Zeitraum sammelte fast jeder hochrangige Kommandeur der russischen Streitkräfte Auslandserfahrung, bestätigte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow in einer Stellungnahme vom November. Der russische Militäranalyst Ruslan Pukhow betonte:

Alle Offiziere sammelten wertvolle, reale Erfahrungen mit komplexer moderner Kriegsführung in einem entlegenen Kriegsschauplatz, in einer Kampagne, in der die Nutzung hochpräziser Waffen eine wichtige Rolle gespielt haben und in der komplexe Versorgungs- und Logistikaufgaben gelöst wurden.

„Die Verfügbarkeit dieser erfahrenen Kommandeure, die Erfolgsbilanz einer erfolgreichen und siegreichen Militäraktion sowie die Lehren aus dem Einsatz von Luftwaffe, moderner Technologie und Spezialeinsatzkräften werden der russischen Militärmaschinerie auf Jahre hinaus einen großen Schub verleihen“, fügte Pukhow hinzu. Darüber hinaus könne das Vertrauen, welches das russische Militär in Syrien gewonnen habe, „die russische Außen- und Militärpolitik in Richtung eines durchsetzungsfähigeren und interventionistischeren Kurses lenken“.

Symbolbild

Symbol für das neue russische Selbstbewusstsein sind die robusten Friedensverhandlungen in der kasachischen Hauptstadt Astana, die darauf abzielen, Europa und die USA vor vollendete Tatsachen zu stellen. Neben Russland sind der Iran und der NATO-Staat Türkei Garantiemächte in Syrien. Ankara und der Iran nutzten die regelmäßigen Treffen, um sich auch in Hinblick auf den Irak zu koordinieren, was auf das Potenzial einer regionalen Ausweitung des Formats hindeutet. Am Montag flog der russische Präsident Putin nach kurzen Besuchen in Syrien und Ankara schließlich nach Ägypten weiter, zu einem neuen Partner Russlands.

Die Führung unter Präsident Abdelfattah al-Sisi, dem zuletzt von den USA Finanzhilfen gestrichen wurden, sucht nach Militärkontakten im Kreml. Ägypten erhält seit den späten 1980er-Jahren jährlich etwa 1,3 Milliarden US-Dollar an Militärhilfen von den Vereinigten Staaten. Am zweiten Dezember beschlossen Kairo und Moskau einen Entwurf für ein militärisches Kooperationsabkommen. Das Abkommen umfasst die Nutzung des gegenseitigen Luftraums für Kampfflugzeuge, Bomber und militärische Transportflugzeuge, die gefährliche Güter befördern, heißt es in dem Dokument.

Moskau, das in Ägypten eine wichtige Regionalmacht in Nordafrika sieht, blickt auch in das kriegsgeschüttelte Nachbarland Libyen. Dort unterstützt Kairo die Regierung von General Khalifa Haftar, dem Russland wohlwollend gegenübersteht. Außerdem dürfte Kairo die russische Regierung im Kampf gegen dschihadistische Elemente im Sinai bitten, was Moskau eine starke Verhandlungsposition für neue Wirtschaftsprojekte geben könnte.

 

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