Türkei: Geschäftsmann setzt Kopfgeld in Höhe von 780.000 US-Dollar auf CIA- und Pentagonbeamte aus

Türkei: Geschäftsmann setzt Kopfgeld in Höhe von 780.000 US-Dollar auf CIA- und Pentagonbeamte aus
Ein türkischer Geschäftsmann hat für Hinweise, die zur Ergreifung zweier früherer US-amerikanischer Spitzenbeamter führen, eine Belohnung in Höhe von 780.000 US-Dollar ausgesetzt. Die US-Amerikaner seien "Verräter, die sich in die Politik Ankaras einmischen".

Die Belohnung für Informationen, die zur Verhaftung eines ehemaligen Spitzenbeamten der CIA namens Graham Fuller und eines ehemaligen Beamten des Pentagon mit dem Namen Michael Rubin führen, hat letzte Woche ein Anwalt im Auftrag des türkischen Geschäftsmanns ausgelobt, berichtete die türkische Zeitung Cumhuriyet.

Der Sponsor der privaten Fahndung, der anonym bleiben will und sich nur als "eine Person, die in sein Land, seine Fahne und seine Nation verliebt ist" bezeichnet, soll davon überzeugt sein, dass die beiden US-Bürger die Türkei "angegriffen" haben. Sie sollen während des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei im Juli 2016 zu den "verräterischen Banden" gestanden haben, die diesen geprobt hatten. Die türkische Regierung beschuldigt das islamische Netzwerk des im US-Exil lebenden Imams Fethullah Gülen, den Putsch mithilfe von Teilen der Armee durchgeführt zu haben, die die Bewegung zuvor unterwandert habe.

Fuller soll die Putschnacht nahe Istanbul verbracht haben

Auch die Staatsanwaltschaft in Istanbul hat bereits Haftbefehle gegen Rubin und Fuller wegen deren angeblicher Rolle beim versuchten Regimewechsel in der Türkei erlassen. Deren Begründung zufolge befand sich Fuller in der Nacht zum 15. Juli 2016, also zur Zeit des Putschversuches, in der Nähe von Istanbul - auf der Insel Büyükada. Dort soll er sich mit weiteren Personen getroffen haben, die als Interessensträger mit Blick auf die Türkei gelten.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, die Beamten hätten die Berichte über das türkische Kopfgeld "zur Kenntnis genommen", berichtete das Nachrichtenportal Washington Free Beacon.

In einem Huffington-Post-Artikel soll Fuller eingeräumt haben, bereits 2006 offiziell dafür eingetreten zu sein, Gülen einen speziellen US-Visastatus zu gewähren:

Vollständige Offenlegung: Es steht in öffentlichen Aufzeichnungen, dass ich als Privatperson einen Brief im Zusammenhang mit Gülens Antrag auf eine US-Green-Card im Jahr 2006 geschrieben habe, in dem ich sagte, dass ich nicht glaube, dass Gülen eine Sicherheitsbedrohung für die USA darstellt.

Empfehlung Fullers wog schwerer als Einschätzungen von FBI und Homeland Security

Fullers "vollständige Offenlegung" lässt außer Acht, dass es sich nicht nur um ein beiläufiges Empfehlungsschreiben zu Gunsten eines Mannes handelte, von dem Fuller behauptet, diesen nur einmal getroffen zu haben. Fullers Befürwortung von Gülens Green-Card-Antrag war so bedeutsam, dass dieses Statement es schaffte, die ablehnenden Stellungnahmen des FBI, der Anwälte des US-Außenministeriums und der Homeland Security außer Kraft zu setzen, fasst die kanadische Denkfabrik Global Research in einer jüngst erschienenen Analyse zusammen.

Die Anwälte des Außenministeriums gaben an, dass es wegen der "umfangreichen Finanzmittel, die Gülens Bewegung für die Finanzierung ihrer Projekte verwendet", Behauptungen gibt, dass dieser "geheime Abkommen mit Saudi-Arabien, dem Iran und Regierungen in Turkstaaten hat". Es bestehe der Verdacht, dass die CIA ein Mitzahler bei der Finanzierung dieser Projekte sei.

Bildquelle: Twitter Hilal Kaplan

Rubin gilt als lautstarker Erdogan-Kritiker

Laut US-Medien steht Rubin "im ständigen Konflikt" mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der auch persönlich eine Klage gegen den ehemaligen Pentagon-Beamten eingereicht hat. Die beiden US-Bürger sind lautstarke Kritiker von Erdogan, betonten US-Medien. US-Beamte sollen hingegen eine Beteiligung von Fuller und Rubin am gescheiterten Staatsstreich als "absurd" beschreiben. Rubin selbst warnt gar vor Konsequenzen für die bilateralen Beziehungen.

Das Schweigen des Außenministeriums mit Blick auf die Türkei, die ein Kopfgeld auf zwei Amerikaner ausgesetzt hat - beide waren Regierungsbeamte - sendet ein schreckliches Signal, das die Türkei ermutigt", sagte Rubin auf Anfrage von Washington Free Beacon. "Alles, was man braucht, ist ein Verrückter, der Stille mit grünem Licht gleichsetzt, und die Dinge können sich sehr schnell sehr schlecht entwickeln", fügte er hinzu.

Im Zuge des gescheiterten Militärputsches im Juli 2016 nahm die Türkei zehntausende mögliche Anhänger von Fethullah Gülen und mutmaßliche Beteiligte des versuchten Staatsstreichs fest.