Ziel verfehlt: US-Raketenabwehrsystem versagt bei Huthi-Beschuss von saudischem Flughafen

Ziel verfehlt: US-Raketenabwehrsystem versagt bei Huthi-Beschuss von saudischem Flughafen
Die Medienabteilung der Huthis veröffentlichte Bilder vom Start der Rakete, die auf Riads Flughafen gerichtet war.
Vor einem Monat nahmen Huthi-Rebellen im Jemen mit einer Rakete den Flughafen der saudischen Hauptstadt unter Beschuss. Sowohl Riad als auch Washington erklärten anschließend, das Geschoss sei abgefangen worden. Nun wurde bekannt: Die Abwehr hat wohl versagt.

Am Sonntag verkündeten die Huthi-Rebellen im Jemen, eine Rakete in Richtung eines im Bau befindlichen Atomkraftwerks in Abu Dhabi abgefeuert zu haben. Die staatliche Nachrichtenagentur der Vereinigten Arabischen Emirate dementierte den Beschuss des Kraftwerks. Bislang liegt auch keine Bestätigung darüber vor, dass die Rakete überhaupt in den Emiraten einschlug. Im Zusammenhang mit diesem Ereignis verwies die Deutsche Presse-Agentur auf einen ähnlichen Zwischenfall im November:

Bereits vor einem Monat hatten die Huthis mit einer Rakete versucht, den internationalen Flughafen von Riad zu treffen. Das Geschoss wurde abgefangen. Der Vorfall hatte schwere Luftangriffe Saudi-Arabiens im Jemen zur Folge.

Laut offiziellen saudischen Angaben wurde auch die am 4. November abgefeuerte Rakete der Huthis auf den Flughafen in Riad mithilfe des von den USA gelieferten Patriot-Raketenabwehrsystems abgewehrt. Am Tag nach dem Vorfall prahlte US-Präsident Donald Trump:

Unser System hat die Rakete vom Himmel geholt. So gut sind wir. Niemand schafft, was wir können, und jetzt verkaufen wir es in die ganze Welt.

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Experten widersprechen der Darstellung

Der US-Präsident war zu diesem Zeitpunkt gerade auf dem Weg nach Japan. Der Inselstaat ist eines von 14 Ländern, das sich bei der Verteidigung seines Luftraums auf dieses System verlässt. Ob das Patriot-System aber weiterhin als Exportschlager taugen wird, ist laut einem Bericht der New York Times jedoch fraglich. Denn laut der US-Zeitung hat das System die von den Huthis abgefeuerte Rakete gar nicht abgefangen. In dem am Montag erschienenen Artikel heißt es

Stattdessen spricht das Beweismaterial, das von einem Team von Raketenexperten analysiert wurde, dafür, dass der Sprengkopf der Rakete ungehindert über saudische Verteidigungsanlagen flog und beinahe sein Ziel traf – den Flughafen von Riad. Der Sprengkopf explodierte so nahe am Inlandsterminal, dass die Fluggäste aus ihren Sitzen sprangen. Einige US-Beamte bezweifeln, dass die Saudis irgendeinen Teil der ankommenden Rakete getroffen haben und sagen, dafür gebe es keine Beweise.

Bei der Rakete soll es sich um eine Burqan-2 gehandelt haben, eine Variante der im Nahen Osten weit verbreiteten Scud-Rakete. Auf dem Weg nach Riad legte sie rund 950 Kilometer zurück. Zwar hat das Geschoss nach einer Auswertung von Bildmaterial den Flughafen nicht direkt getroffen und ist an dessen Randzone eingeschlagen, doch laut dem Leiter des Rechercheteams sei das nicht ungewöhnlich.

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In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrieren immer wieder Menschen gegen das von Saudi-Arabien verursachte Elend.

"Ein Kilometer ist eine ziemlich normale Abweichung für eine Scud-Rakete", so Jeffrey Lewis gegenüber der Zeitung. Die Huthis hätten damit bewiesen, dass sie die saudische Verteidigung überwinden und ihre Raketen sehr nahe an das anvisierte Ziel bringen können. Die Raketenexpertin Laura Grego gibt zu bedenken, dass die Saudis mehrmals auf die heranfliegende Rakete geschossen haben sollen:

Du schießt fünf Mal auf diese Rakete und verfehlst immer? Das ist schockierend, denn dieses System sollte eigentlich funktionieren.

Patriot-System hält nicht, was es verspricht

Lewis hält den grundsätzlichen Nutzen solcher Abwehrsysteme ohnehin für überbewertet:

Regierungen lügen über die Effektivität dieser Systeme. Oder sie sind falsch informiert. Und das sollte uns alle Sorgen bereiten.

Laut der New York Times unterstreicht der Vorfall "langjährige Zweifel an der Raketenabwehrtechnologie", die insbesondere im Fall Nordkoreas und Irans das Kernelement der amerikanischen Verteidigungsstrategie sei. Die US-Zeitung verweist in diesem Zusammenhang auf den Zweiten Golfkrieg infolge der gewaltsamen Eroberung Kuwaits durch den Irak. Als die internationale Koalition unter US-Führung sich im Januar 1991 anschickte, die irakischen Truppen aus dem Golfstaat zu vertreiben, reagierte Bagdad mit dem Beschuss Israels mit Scud-Raketen.

Washington verkündete damals voller Stolz, das Patriot-System habe einen Großteil der abgeschossenen Raketen vom Himmel geholt. Tatsächlich habe die Erfolgsquote des Abwehrsystems gen null tendiert, so die Zeitung in einer bereits 1993 veröffentlichten Analyse.  

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