Von den USA fallengelassen: Russland unterstützt kurdische YPG-Miliz in Ostsyrien

Von den USA fallengelassen: Russland unterstützt kurdische YPG-Miliz in Ostsyrien
Bildquelle: YPG
Russische Kampfjets helfen der Kurden-Miliz YPG bei der Bekämpfung von Restbeständen des "Islamischen Staates" (IS) östlich des Euphrat. Lokale Milizen und ethnische Gruppen sollen so die Kontrolle wiederherstellen und einen stabilen politischen Dialog mit Damaskus aufnehmen können. Die kurdischen Kämpfer fühlen sich zunehmend von den Vereinigten Staaten in Stich gelassen. Sie hoffen auf Russland als Ausgleichsfaktor.

Um das fragile soziale Gefüge der Region zu erhalten und die territoriale Integrität Syriens zu gewährleisten, traf sich eine russische Militärdelegation mit mindestens 23 Gesandten der von den kurdischen YPG-Milizen angeführten "Demokratischen Kräfte Syriens", kurz SDF. Das Bündnis will die Interessen verschiedener Gruppen vertreten, die östlich des Euphrat-Flusses leben.

Das Treffen fand am Sonntag in der Stadt al-Salihiyah im Gouvernement Deir ez-Zor statt. Hintergrund der Zusammenkunft ist die Entscheidung der USA, Waffenlieferungen an die YPG-Miliz einzustellen und sich stattdessen stärker auf andere Elemente innerhalb der bisher von den kurdischen Einheiten geführten SDF-Miliz zu konzentrieren. Insbesondere die regionale NATO-Macht Türkei hatte diesen Schritt zuvor bei den USA eingefordert. Im Gegenzug dürfte Washington erwarten, dass Ankara seinerseits dabei hilft, US-loyale arabische Elemente zu stärken. Außerdem gilt die Türkei als erfahren, wenn es um den Wiederaufbau von Siedlungsgebieten geht. Die Versorgung jener inzwischen 25 Prozent ganz Syriens, die von den SDF kontrolliert werden, ist für die USA kaum zu gewährleisten ohne die Nutzung des türkischen Hinterlandes.

Die YPG ist bewaffnet und da die Koalition ihre Operationen stoppt, brauchen sie die Waffen offensichtlich nicht. Sie brauchen Sicherheit, sie brauchen Polizeikräfte. Das sind lokale Kräfte. Das sind Leute, die sicherstellen, dass der IS nicht zurückkommt", kommentierte der US-Außenminister James Mattis die Situation.

Die Kurden-Miliz scheint sich unterdessen von den USA im Stich gelassen zu fühlen. Russland, das eine Verständigung zwischen den YPG und der Assad-Regierung über den zukünftigen Status der kontrollierten Gebiete fordert, könnte der willkommene Ausgleichsfaktor angesichts der mangelnden US-Unterstützung sein.

Russische Luftwaffe unterstützt auch lokale Kräfte

Während die SDF im Kampf gegen die Terroristen des "Islamischen Staates" das letzte Kapitel aufgeschlagen hat, arbeitet die russische Luftwaffe mit allen bewaffneten Formationen vor Ort zusammen und versucht, den Dschihadisten in Syrien den letzten Schlag zu versetzen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums führte die russische Armee 672 Einsätze durch und bombardierten über 1.450 Ziele, um die "Offensive der Stammesmilizen östlich des Euphrats und kurdischer Milizen" zu unterstützen.

Die Bodenoffensive der Milizen wird von der Basis der russischen Luftwaffe in Hmeimim koordiniert. Dies stellte ein Vertreter des russischen Zentrums für syrische Aussöhnung, Generalmajor Jewgeni Poplawskij, am Montag fest.

In der Stadt al-Salihiyah wurde ein gemeinsamer operativer Stab geschaffen, der die direkte Kontrolle und die Zusammenarbeit mit den Volksverteidigungseinheiten (YPG) organisiert. Neben russischen Beratern nehmen auch Vertreter der östlichen Euphrat-Stämme daran teil", sagte Poplawskij und kündigte an, dass "in den kommenden Tagen" das gesamte Gebiet östlich des Euphrat-Flusses frei von Terroristen sein wird.

Mahmoud Nuri, ein Vertreter der YPG, erklärte, dass die Kurden-Miliz "den IS unter russischem Kommando sehr effektiv bekämpft hat" und dass sich die kurdischen Kräfte bereit erklärt haben, russischen Spezialkräften die Sicherheit am östlichen Euphratufer zu gewährleisten.

Funktionsfähige Lokalregierung als nächstes Ziel

Moskau hofft, dass die Menschen nach der Befreiung des Territoriums vom IS wieder zu einem friedlichen Zusammenleben zurückkehren. Deshalb versucht Russland, den allumfassenden Dialog zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in der Region zu erleichtern. Russland unterstützt die lokalen Stammesführer bei der Bildung des "Komitees für die Verwaltung der östlichen Territorien der Provinz Deir ez-Zor", damit diese eine lokale Regierung bilden können, die für die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung und die Verteilung der humanitären Hilfe zuständig ist. Der Ausschuss ist auch mit der Minenräumung und der Wiederherstellung der Infrastruktur sowie mit der Gewährleistung einer sicheren Rückkehr von Flüchtlingen beauftragt.

Das Komitee stellte klar, Damaskus bezüglich der Kontrolle des Territoriums in Deir ez-Zor nicht herauszufordern, da es die von ihm kontrollierten Gebiete als "integralen Bestandteil Syriens" betrachtet. Am Sonntag wählte das Komitee Hassan Al-Yousef zum Leiter der Organisation. Dieser brachte seine Dankbarkeit gegenüber Russland zum Ausdruck, das entscheidend zur Ausrottung des IS in Syrien beigetragen habe.

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