„Beschämende Komplizenschaft“: Britisches Militär bildet saudische Truppen für Krieg gegen Jemen aus

„Beschämende Komplizenschaft“: Britisches Militär bildet saudische Truppen für Krieg gegen Jemen aus
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrieren immer wieder Menschen gegen das von Saudi-Arabien verursachte Elend.
Wie am Sonntag bekannt wurde, bildet das britische Militär saudische Infanteristen für den Einsatz im Jemen aus. Die geheime Mission kam durch einen versehentlichen Facebook-Eintrag des daran beteiligten Bataillons heraus. Von einer Komplizenschaft der Schande ist nun die Rede.

Das britische Militär bildet insgeheim saudische Truppen für den Kampf im Jemen aus. Das wurde durch einen Bericht in der Sonntagsausgabe der Daily Mail bekannt. Demnach sind an der „Operation Crossways“ bis zu 50 britische Militärberater beteiligt, die saudische Infanteristen in die „irreguläre Kriegsführung“ einweisen. Darunter werden Konflikte verstanden, in denen es sich bei den feindlichen Kräften um nicht-staatliche beziehungsweise nicht-reguläre Akteure handelt.

Menschen versammeln sich um einen Krater nach einem Luftschlag der saudischen Luftwaffe in Saada.

Auf britischer Seite nimmt das 2. Bataillon des Royal Regiment of Scotland an der Operation teil. Bekannt wurde die Geheimoperation, weil auf der Facebook-Seite des Bataillons versehentlich Fotos sowie eine Zusammenfassung eines Einsatzes veröffentlicht wurden. So zeigt eine Aufnahme einen britischen Ausbilder, der anhand einer Landkarte eine mögliche Angriffsstrategie skizziert.

Die Daily Mail war auf das Posting aufmerksam geworden und hatte eine entsprechende Anfrage an das Verteidigungsministerium gestellt. Innerhalb von Minuten wurde daraufhin der Facebook-Eintrag gelöscht – doch verheimlichen ließ sich die Operation nicht mehr. 

„Eindeutiges Verbrechen gegen das jemenitische Volk“

Der britische Parlamentsabgeordnete und ehemalige Minister für Internationale Entwicklung, Andrew Mitchell, erklärte angesichts der Enthüllungen gegenüber der Zeitung:

Das Vereinigte Königreich hat sich in beschämender Weise an der Seite Saudi-Arabiens im Jemen beteiligt, wozu eindeutig Verstöße gegen die Genfer Konventionen gehören. Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Parlament angesichts der großen Besorgnis über die humanitäre Katastrophe im Jemen eine Erklärung für diese Ausbildungsmission verlangen wird.

Die von Saudi-Arabien gegen den Jemen verhängte Blockade bezeichnete Mitchell als eine „völkerrechtliches Verbrechen“, dessen Auswirkungen „nicht größer sein“ könnten.

Der Jemen ist ein Land, das von mittelalterlichen Krankheiten heimgesucht wird und am Rande einer biblischen Hungersnot steht. Die Zusage Saudi-Arabiens, einige Häfen für dringende humanitäre Hilfsgüter zu öffnen, kann nicht annähernd eine Bevölkerung satt machen, die zu 80 Prozent von Warenimporten abhängig ist.

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Bei der Blockade handelt es sich nach Ansicht des Abgeordneten um eine „kollektive Strafe“, die den „sinnlosen Tod von Millionen“ riskiert. Die Komplizenschaft Großbritanniens bei diesem „eindeutigen Verbrechen gegen das jemenitische Volk“ sei eine Schande.

Ein Angehöriger der US-Navy bewacht das US-Militärschiff Vicksburg an einem Ölterminal in Dschibuti, Februar 2006.

Dies ist ein Krieg, den britische Verbündete mit britischen Waffen führen: Wir haben Saudi-Arabien in den letzten Jahren Waffen und militärische Unterstützung im Wert von fast 4 Milliarden Pfund geliefert", so Mitchell.

Berlin: Krieg gegen Jemen ist ein „innerstaatlicher Konflikt“

Das Vereinigte Königreich steht mit seiner Unterstützung für den Krieg nicht allein. Auch die USA liefern Waffen und Munition, die in dem Konflikt eingesetzt werden. Zudem betanken sie die saudischen Kampfflugzeuge in der Luft und helfen bei der Zielauswahl. Das US-Repräsentantenhaus hat vor zwei Wochen in einer Resolution die fehlende rechtliche Grundlage für die US-Hilfe bemängelt und zudem festgestellt, dass der saudische Krieg Al-Kaida und dem „Islamischen Staat“ nutzt.

Trotz der gegen den Jemen verhängten Hungerblockade rüstet die Bundesregierung die saudische Marine weiter auf. Erst Anfang November wurden dem Königreich zwei deutsche Patrouillenboote übergeben. Die saudische Küstenwache operiert mit Patrouillenbooten unter anderem auch in jemenitischen Gewässern. Ob auch deutsche Schiffe bei der Seeblockade zum Einsatz kommen, ist unklar.

Die Bundesregierung beteuert, dafür „keine Hinweise“ zu haben, verlässt sich bei dieser Einschätzung allerdings hauptsächlich auf entsprechende Zusicherungen Saudi-Arabiens. Ohnehin hält Berlin den von der saudischen Koalition gegen den Jemen geführten Krieg für einen „innerstaatlichen bewaffneten Konflikt“.

In dem arabischen Land befinden sich derzeit sieben Millionen Menschen am Rande einer Hungersnot. Gleichzeitig sieht der Jemen der größten Cholera-Epidemie der modernen Geschichte ausgesetzt. Durchschnittlich 130 Kinder sterben täglich. Hilfsorganisationen fürchten, dass bis Ende des Jahres mehr als 50.000 Kinder an den Folgen von Krankheiten und Hunger sterben könnten.

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