Saudi-geführte "Islamische NATO" erklärt Terrorismus den totalen Krieg - und meint damit Iran

Saudi-geführte "Islamische NATO" erklärt Terrorismus den totalen Krieg - und meint damit Iran
Der saudi-arabische Kronprinz Salman hat geschworen, Terroristen vom "Antlitz der Erde" zu "tilgen". Dazu will er die Ressourcen der Islamischen Militärallianz, eine Art "arabische NATO", nutzen. Doch im Fokus des "Anti-Terrorkampfes" steht nicht etwa der IS, sonder der Iran.

Gegründet im Jahr 2015 durch den damaligen stellvertretenden saudi-arabischen Kronprinzen und Verteidigungsminister, Mohammed bin Salman, hat die Islamische Militärallianz (IMA) bisher nur auf dem Papier funktioniert. Nun will der Kronprinz seine Idee weiter ausbauen. Dazu erklärte er während des Sonntagsgipfels der IMA einen "totalen Krieg gegen den Terrorismus". Die IMA wird auch als Islamische Militärische Anti-Terror-Koalition (IMATK) oder als "arabische NATO" bezeichnet.

Heute beginnen wir mit der Verfolgung des Terrorismus, und wir sehen seine Niederlage ... rund um die Welt, vor allem in muslimischen Ländern ... Wir werden weiter kämpfen, bis wir seine Niederlage sehen", sagte Prinz Mohammed bin Salman den Verteidigungsministern aus fast 40 Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, die sich in Saudi-Arabien zum Gipfel der Militärkoalition versammelt hatten.

"In den vergangenen Jahren hat der Terrorismus in allen unseren Ländern gewirkt. Das endet heute mit diesem Bündnis", erklärte er weiter in seinen einleitenden Worten.

Saudi-Arabiens König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas

Zur "Islamischen Allianz", die offiziell 41 Mitgliedsstaaten hat, gehören allerdings keine Länder mit schiitisch-dominierten Regierungen, wie der Iran, Irak oder Syrien. Aufgrund der von Saudi-Arabien verhängten wirtschaftlichen und diplomatischen Blockade von Katar nahm der Golfstaat nicht am Gipfel teil.

Die pan-islamische, sunnitisch-dominierte Front erklärte vor zwei Jahren, dass sie beabsichtige, auch die Berufung auf den Islam durch Terroristen zu bekämpfen. Dieses Prinzip bekräftigten die Teilnehmerstaaten erneut am Sonntag. Raheel Sharif, ein pensionierter pakistanischer Vier-Sterne-General, wurde zum Oberbefehlshaber ernannt, um den Kampf gegen radikale Extremisten zu führen, die den Islam weiterhin "beflecken" würden.

Die größte Bedrohung durch den Terrorismus und Extremismus besteht nicht nur darin, unschuldige Menschen zu töten und Hass zu verbreiten, sondern auch, den Ruf unserer Religion zu beschmutzen und unseren Glauben zu verzerren. Wir werden das nicht zulassen, verkündete der Kronprinz.

Im Mai, während des arabisch-islamisch-amerikanischen Gipfeltreffens, einigten sich die von Saudi-Arabien geführten Länder darauf, bis zu 34.000 Soldaten für potenzielle Anti-Terror-Operationen im Irak und in Syrien zur Verfügung zu stellen. Doch in diesen Ländern sind die entscheidenden Kämpfe gegen Terroristen nun fast vorbei, da sowohl das irakische als auch das syrische Militär kurz vor der endgültigen Zerschlagung der organisierten Verbände der Terroristen stehen. Die Islamische Militärallianz vertritt jedoch eine andere Auffassung und behauptet, dass "der Terrorismus eine ständige und wachsende Herausforderung für die regionale und internationale Sicherheit darstellt".

Obwohl General Raheel Sharif behauptete, dass das Bündnis nicht gegen ein bestimmtes "Land oder eine Sekte", sondern gegen den "gesichtslosen Feind mit extremistischer Ideologie" geeint sei, bezeichnete das wichtigste Bündnismitglied Saudi-Arabien den Iran jüngst offen als den wichtigsten staatlichen Unterstützer des Terrorismus.

Nach einem Raketenangriff auf einen saudi-arabischen Stützpunkt im Jemen ging der Kronprinz sogar so weit, Irans obersten Führer "den neuen Hitler des Nahen Ostens" zu nennen. Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, die Houthi-Rebellen im Jemen zu unterstützen. Der Konflikt im Jemen, der weithin als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran angesehen wird, begann im Jahr 2014, als die Rebellen die Hauptstadt Saana eroberten und die Regierung zwangen, zu fliehen. Die jemenitische Regierung bat daraufhin Saudi-Arabien um militärische Unterstützung. Die von Saudi-Arabien geführte Militärintervention hat es jedoch bisher nicht geschafft, den aus dem Land gejagten jemenitischen Präsidenten wieder an die Macht zu bringen. Trotzdem führte die bewaffnete Aktion zu Tausenden von Toten unter der Zivilbevölkerung und zu einer humanitären Katastrophe von beispiellosem Ausmaß, die von humanitären Organisationen weltweit verurteilt wurde.

Die arabischen Staaten sind auch bereit, den Terrorismus im Kommunikationsbereich zu bekämpfen. Dies möchten sie erreichen, indem sie der extremistischen Propaganda, auch im Finanzbereich, entgegenwirken, indem sie den Quellen der Terrorismusfinanzierung nachgehen.

Die Vision von der Islamischen Militärischen Anti-Terror-Koalition ist es, eine kollektive Antwort gegen den Terrorismus zu entwickeln, die in der Lage ist, die Bemühungen der Mitgliedsländer mit hoher Effizienz und Effektivität zu leiten und zu koordinieren", sagte Pakistans ehemaliger Militärchef und bemerkte, dass in den letzten Jahren bei etwa 70.000 Terroranschlägen in der Region über 200.000 Menschen getötet wurden.

Am Ende des Gipfels einigten sich die Länder darauf, ihre militärischen Anstrengungen zu koordinieren und zu integrieren, Informationen auszutauschen und Schulungen sowie gemeinsame Übungen durchzuführen. Die militärische Beteiligung der Koalitionsstaaten soll jedoch "in Übereinstimmung mit den Fähigkeiten und Ressourcen jedes Landes sowie mit dem Wunsch jedes Landes, an einer bestimmten Militäroperation teilzunehmen, begrenzt" werden, heißt es in ihrer Erklärung, in der die Schaffung eines gemeinsamen Militärstabs in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad angekündigt wird.