Fortsetzung aggressiver Rhetorik: Saudischer Prinz nennt Irans Chamenei „Hitler des Nahen Ostens"

Fortsetzung aggressiver Rhetorik: Saudischer Prinz nennt Irans Chamenei „Hitler des Nahen Ostens"
Der saudische Kronprinz, Verteidigungsminister und stellvertretende Premierminister Mohammed bin Salman in Riad im November 2017.
Der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman bezeichnet das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei im Interview mit der New York Times den „neuen Hitler des Nahen Ostens“. Im Rahmen der Parallele verweist er darauf, dass Appeasement damals nicht die richtige Strategie war.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman behauptete in der "New York Times" vom Donnerstag, Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei gleiche Adolf Hitler, Deutschlands Diktator während des Zweiten Weltkriegs, der das jüdische Volk auslöschen wollte bei dem Versuch ein ethnisch reines arisches Imperium zu schaffen.  

Aber wir haben von Europa gelernt, dass Beschwichtigungspolitik nicht funktioniert“, so der vermeintlich progressive Hoffnungsträger und Königssohn bin Salman. "Wir wollen nicht, dass der neue Hitler im Iran im Nahen Osten das wiederholt, was in Europa passiert ist.“

Bin Salman ging nicht weiter darauf ein, welche Wiederholung der Politik Nazi-Deutschlands er genau seitens des Iran fürchtet: Völkermord, Vernichtungslager oder das Lostreten eines neuen Weltkrieges.

In Jemens Hauptstadt Sanaa demonstrierten am Sonntag zehntausende Menschen ihren Unmut über die von Saudi-Arabien mit westlicher Hilfe verhängte Blockade.

Doch die Spannungen zur rivalisierenden Regionalmacht Iran verschärfte Saudi-Arabien kürzlich bereits mit der Behauptung, das Land sei der "Nummer eins unter der Staatssponsoren des Terrorismus" und untermauert dieses Argument damit, dass der Iran die Hamas in Palästina und die Huthi-Rebellen im Jemen unterstütze. Bin Salman, der gleichzeitig der Verteidigungsminister mit einem der größten Militäretats der Welt und stellvertretender Premierminister der Golfmonarchie ist, wird als maßgeblich treibende Kraft hinter den saudi-arabischen Militäraktionen im Jemen gesehen.

Der Konflikt ist einer der Stellvertreterkriege in der Region zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und hat seit dem Einsatz der saudisch geführten Luftangriffe im Frühjahr 2015 eine der verheerendsten humanitären Katastrophen unserer Zeit nach sich gezogen.

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Die Reaktionen in den sozialen Medien fielen teils sarkastisch aus und verglichen den saudischen Kronprinzen mit Nazi-Propagandaleiter Josef Göbbels.

Andere Leser verwiesen auf die Missachtung seitens der unkritischen Verfasser des Interviews für die Opfer Hitlers, der Leser, der Opfer des Krieges im Jemen sowie der Iraner.

Im Interview bezeichnet der Kronprinz es zudem als „aberwitzig“, dass die zahlreichen die Entlassungen und Festnahmen in den saudischen Führungsrigen Anfang des Monats ein Griff nach der Macht gewesen sei. Vielmehr führe er damit die Absicht seines Vaters König Salman aus, der bei seinem Amtsantritt 2015 schwor, die Korruption im Land auszumerzen, durch die jedes Jahr rund zehn Prozent der Regierungsausgaben verloren gingen.

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In den sozialen Medien kam auch die Frage nach der mysteriösen Rücktrittserklärung des libanesischen Premierministers Saad Hariris aus Riad auf und die Verwunderung, dass das vierstündige Interview dieses Thema komplett ignorierte.

Auch die Frage nach der Nationalität der 9/11-Angreifer kam nicht auf, obwohl 15 der 19 Beteiligten saudische Bürger waren und Saudi-Arabien vorgeworfen wird ISIS und Al-Qaida finanziert zu haben.

Stattdessen lobt der Autor Thomas Friedman in dem Artikel die bedeutenden Reformen, welche er derzeit in Saudi-Arabien beobachtet und die dem 32-jährigen Kronprinzen Mohammad bin Salman zu verdanken seien.