Wegen Iran: US-Armee will auf unbestimmte Zeit in Syrien stationiert bleiben

Wegen Iran: US-Armee will auf unbestimmte Zeit in Syrien stationiert bleiben
Die USA planen, ihre Truppen in Syrien auch lange nach der Zerschlagung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ stationiert zu lassen. Obwohl die Existenz des IS bisher der Vorwand für die illegitime US-Militärpräsenz in Syrien war, argumentieren Beamte in Washington nun, dass bei einem Abzug der Iran den Syrien-Konflikt gewinnen würde.

von Ali Özkök

Die Trump-Regierung „weitet ihre Ziele“ in Syrien aus, schreibt die US-Zeitung Washington Post am Mittwoch unter Berufung auf US-Beamte. Es gehe um das „unbefristete Engagement“ zur Unterstützung der sogenannten „Demokratischen Kräfte Syriens“, kurz SDF, die von der Kurden-Miliz YPG angeführt werden. Die Entscheidung kommt angesichts der bevorstehenden Niederlage des „Islamischen Staates“ in Syrien.

Bisher rechtfertige Washington seinen Einsatz von Bodentruppen in Syrien, der die Souveränität Syriens verletzt, mit dem Hinweis auf den Kampf gegen den Terror. US-Verteidigungsminister James Mattis behauptete vergangene Woche irrtümlich, dass den USA von den Vereinten Nationen ein Mandat für Syrien erteilt worden wäre. Er sagte zu Reportern:

Wissen Sie, die UN sagte, dass wir im Grunde genommen den IS verfolgen können. Und wir sind da, um ihn auszuschalten.

Die USA unterhalten hunderte Soldaten in Syrien. Medienberichte gehen allerdings davon aus, dass die US-Army mehrere tausend Soldaten in Syrien unterhalten könnten. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass die USA mindestens acht Militärbasen in Syrien unterhalten. Im Washington Post-Artikel deuten US-Beamte an, dass die USA ihre Militärpräsenz ausnutzen könnten, um Präsident Baschar al-Assad und seine Verbündeten zu Geständnisse zu zwingen.

„Ein abrupter Rückzug der USA könnte Assad's Macht auf syrischem Territorium vervollständigen und ihm helfen, sein politisches Überleben zu sichern – ein Ergebnis, das einen Sieg für den Iran, Assads engen Verbündeten, bedeuten würde. Um dieses Ergebnis zu vermeiden, sagen US-Beamte, planen sie, die US-Truppenpräsenz in Nordsyrien aufrechtzuerhalten und eine neue lokale Regierung einzurichten, abgesehen von der Assad-Regierung“, fasst die Zeitung zusammen.

Der Redaktionsleiter des Geopolitik-Portals The Duran, Adam Garrie, sagte auf Anfrage von RT Deutsch, dass Russland und Damaskus im Falle eines Verbleibs der USA in Syrien zahlreiche Optionen haben, auf das Verhalten zu reagieren. Er kommentierte:

Ich bin der Meinung, dass Russland der Türkei entweder grünes Licht für die Fortsetzung ihrer Militäroperationen gegen kurdische Milizen geben kann oder mit der Türkei zusammenarbeiten kann, um einen Kompromiss zu finden, einige Kurden bei Astana an den Friedenstisch zu bringen. Auf diese Weise verlieren die USA im Grunde ihre Berechtigung, noch in Syrien zu bleiben. 

Der Syrien-Experte geht davon aus, dass die USA Schwierigkeiten haben werden, sich in Syrien zu etablieren. Er sagte:

Selbst wenn die USA nicht abziehen, wird fast jede Macht in der Region gegen die USA sein und unter solchen Bedingungen ist eine Besetzung Syriens dieser Größenordnung weitgehend unhaltbar.

Offiziell lautet die Position der USA, dass sie die territoriale Integrität Syriens respektiert. Faktisch unterminiert das US-Militär aber die staatliche Einheit des arabisch dominierten Landes. Washington macht sich dabei die Autonomie- und Unabhängigkeitstendenzen der Kurden-Miliz YPG zu Nutze, die von der Türkei als PKK-nahe Organisation eingestuft wird. Wie im Irak streben Kurden im Einflussgebiet der YPG eine Unabhängigkeit von der Zentralregierung an.

„Die Bedingungen sind so, dass sich die Anti-IS-Kampagne in eine Anti-Iran-Kampagne verwandelt“, sagte Nicholas Heras vom Washingtoner „Zentrum für Neue Amerikanische Sicherheit“ gegenüber der Washington Post. „Indem das Pentagon keinen Zeitrahmen für das Ende der US-Mission bekanntgibt, schafft es einen Rahmen, dass den USA ermöglicht, für die nächsten Jahre in Syrien zu bleiben.“