Droht der nächste Krieg? Libanon macht Armee gegen "israelischen Feind" einsatzbereit

Droht der nächste Krieg? Libanon macht Armee gegen "israelischen Feind" einsatzbereit
Der libanesische Generalstabschef hat das Militär in „volle Einsatzbereitschaft“ versetzt. Der Grund für die Entscheidung sei „der israelische Feind“ an der südlichen Grenze. Zuvor drohte Saudi-Arabien, Maßnahmen gegen die pro-iranische Hisbollah zu ergreifen.

Die Armee muss vorbereitet werden, die „Drohungen und Verletzungen des israelischen Feindes und seiner feindlichen Absichten gegen den Libanon“ zu konfrontieren, sagte General Joseph Aoun am Dienstagmorgen laut einer Veröffentlichung der libanesischen Armee auf dem Micro-Bloggingdienst Twitter.

Der libanesische Generalstabschef forderte die Armee auf, mit den Streitkräften der Vereinten Nationen im Libanon im Rahmen der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates zusammenzuarbeiten. Die Resolution wurde zur Lösung des Israel-Libanon-Konflikts von 2006 implementiert.

Die militärische Anweisung kommt, nachdem der Präsident Libanons Michel Aoun behauptete, dass „israelische Angriffe [gegen Libanon] noch immer andauern und es das Recht der Libanesen ist, sich denen zu widersetzen und [Israels] Pläne mit allen verfügbaren Mitteln zu vereiteln“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters das Staatsoberhaupt.

Laut dem libanesischen Außenminister Gebran Bassil wird sein Land eingeschüchtert, um ein gemeinsames Gasprojekt mit Russland zu verhindern.

Präsident Aouns Bemerkungen wurden auch vom libanesischen Außenminister Gebran Bassil aufgegriffen. Er warnte Israel, einen Krieg zu beginnen. Der Libanon sei bereit zu handeln. Der Zedernstaat wird sein Möglichstes tun, um Israel beim Eindringen ins Land zu hindern, sagte der Außenminister vergangene Woche im Exklusiv-Interview mit RT.

„Wir sollten Israel nicht zu einem Krieg provozieren, weil es ihn wahrscheinlich verlieren wird. Wir sollten Israel vom Beginn eines Krieges zurückhalten, weil sich der Libanon sicher ist, ihn zu gewinnen“, fügte der Diplomat hinzu.

Der Libanon befindet sich in einer tiefen politischen Krise, nachdem Premierminister Saad Hariri am vierten November in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung aus Saudi-Arabien unerwartet zurücktrat. In seiner Abtrittsrede beschuldigte Hariri den Iran und die schiitische Hisbollah-Miliz, in arabischen Ländern Chaos zu verbreiten.

Die Arabische Liga berief am Sonntag in Kairo eine Krisensitzung ein, in der der Iran für die Destabilisierung der Region verantwortlich gemacht wurde. Das arabische Bündnis nannte die pro-iranische Hisbollah eine Terrororganisation. Konkrete Drohungen gegen die schiitische Miliz wollte die Arabische Liga allerdings nicht formulieren.

Ahmed Aboul Gheit, Generalsekretär der Arabischen Liga, verblieb mit der Bemerkung, dass sich die Mitgliedsstaaten an den UN-Sicherheitsrat wenden können, um mögliche Schritte gegen den Iran zu erörtern.

Libanons Präsident Michel Aoun verteidigte die Hisbollah. Er bestand darauf, dass der Libanon jahrzehntelang von israelischen Invasionen heimgesucht wurde und daher das Recht habe, sich selbst zu schützen. Aoun wies „Unterstellungen zurück, dass die libanesische Regierung an Terroranschläge beteiligt“ wäre.

„Der Libanon hat israelische Angriffe von 1978 bis 2006 konfrontiert und war in der Lage, seine Territorien zu befreien“, sagte Präsident Aoun laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA.

Saudi-Arabien, der regionale Erzrivale des Iran, forderte vor kurzem, dass die libanesische Regierung die Hisbollah unter Druck setzen sollte, die Waffen niederzulegen. Riad drohte an, Maßnahmen gegen Irans „aggressive“ Beteiligung an der Politik Jemens und des Libanons zu ergreifen. Am Donnerstag brachte der saudische Außenminister Adel el-Dschubair im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters vor, dass Riad lediglich „auf iranische Angriffe reagiert“.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu.

Auffallend ist, dass die kriegerische Äußerungen Saudi-Arabiens mit ähnlichen Äußerungen der politischen und militärischen Führung Israels zusammenfallen. Am Sonntag sagte der israelische Energieminister Yuval Steinitz dem israelischen Armee-Radio, dass „die Zusammenarbeit mit der gemäßigten arabischen Welt, einschließlich Saudi-Arabien, uns dabei hilft, den Iran einzudämmen“. Israel, das zahlreiche Kriege mit verschiedenen arabischen Nationen in der Vergangenheit führte, „schämt sich für solche Beziehungen nicht“, ergänzte der Minister aus Israel.

Die Enthüllung kommt nur Tage, nachdem Generalleutnant Gadi Eisenkot, Stabschef der israelischen Armee, sagte, dass Tel Aviv bereit sei, zu „einer neuen internationalen Allianz“ im Nahen Osten beizutragen. Diese müsse entschlossen sein, „die iranische Bedrohung zu stoppen“.

Steinitz betonte, auch wenn Israel die Hisbollah nicht selbst angreifen werde, es bereit sei, Geheimdienstinformationen über den Iran mit Saudi-Arabien zu teilen. Offiziell allerdings unterhalten Tel Aviv und Riad keine diplomatischen Beziehungen miteinander. Saudi-Arabien positioniert sich traditionell als Schutzmacht der sunnitisch-muslimischen Welt.