Armut, Inflation und explodierende Ölpreise: Die Folgen eines Krieges zwischen Riad und Teheran

Armut, Inflation und explodierende Ölpreise: Die Folgen eines Krieges zwischen Riad und Teheran
Saudische Soldaten beschießen im Grenzgebiet zum Jemen Stellungen der Huthis. Riad wirft Teheran vor, die schiitischen Rebellen zu unterstützen.
Ein Krieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran hätte starke Auswirkungen auf die Ölmärkte und die Weltwirtschaft. RT fragte verschiedene Experten, was ein offener Konflikt zwischen den konkurrierenden Regionalmächten für die Rohölpreise bedeuten würde.

Sollte es zu einem bewaffneten Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran kommen, wären die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft erheblich. Die beiden Länder gehören zu den weltweit wichtigsten Erdölexporteuren. Im Falle eines Kriegs könnten die könnten die Ölpreise um 500 Prozent steigen. Mikhail Mashchenko, Analyst des Investmentnetzwerkes eToro, sagte dazu gegenüber RT:

Die Energiepreise werden stark von der Schwere des Konflikts abhängen. Erinnert an das international nicht anerkannte irakische Kurdistan, das im Zustand eines fortwährenden Krieges täglich etwa 550.000 Barrel Öl durch die Türkei exportierte. In diesem Zusammenhang können wir mit einem panischen Anstieg des Ölpreises auf 150 bis 2.000 US-Dollar am ersten Tag des Konflikts rechnen. Wenn die Saudis und die Iraner dabei ihre Ölanlagen gegenseitig angreifen, können die Rohölpreise auf 300 US-Dollar ansteigen.

Ivan Karyakin, Investment-Analyst bei Global FX, weist darauf hin, dass knapp ein Drittel des global geförderten Öls dem Gebiet entspringt, das von einem solchen Konflikt betroffen wäre. So produzieren Saudi-Arabien, der Irak, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, der Oman sowie Katar zusammen etwa 28 Millionen Barrel pro Tag, was etwas weniger als 30 Prozent der weltweiten Produktion entspricht. Bei einem offenen Schlagabtausch zwischen Riad und Teheran dürften die Ölpreise sofort auf 150-180 US-Dollar pro Barrel steigen, so Karyakin. 

Dann hängt alles von der Dauer des Konflikts ab. Der Weltmarkt wird zwei oder drei Tage überstehen. Wenn der Konflikt eine Woche andauert, dann werden die Preise auf über 200 US-Dollar steigen. Und das wird langfristige Folgen haben, da die Lagerbestände zurückgehen werden.

Der Analyst insistiert aber, dass ein Krieg zwischen Saudi-Arabien und Iran unwahrscheinlich ist, da er nicht im Interesse Russlands und Chinas liegt:

Russland ist ein Partner vieler Länder im Nahen Osten, die untereinander Konflikte haben. China als größter Öl-Importeur wäre von einem Anstieg der Ölpreise besonders hart betroffen und wird deshalb seinen ganzen Einfluss auf den Iran und die USA nutzen, um einen Konflikt zu verhindern.

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Ölproduktion wird auch im Konfliktfall möglichst aufrechterhalten

Ein weiterer Krieg im Nahen Osten wird sich für die ÖlIimporteure als äußerst unrentabel erweisen, so Ivan Kapustiansky, Analyst von Forex Optimum:

Im Kriegsfall könnten die Märkte etwa 20 Prozent des weltweiten Angebots verlieren. Zunächst einmal werden natürlich die größten Importeure betroffen sein. Dazu gehören die USA, China, Japan und die Eurozone, die wichtigsten Lokomotiven der Weltwirtschaft.

Sowohl Saudi-Arabien als auch der Iran verstehen, wie wichtig Öl für ihre Wirtschaft ist, und werden daher versuchen, die Produktion auch im Falle eines Konflikts aufrechtzuerhalten, so die Einschätzung von Andrey Djachenko vom Finanzberatungs- und Marktforschungsunternehmen Castle Family Office.

Selbst ein vorübergehender Rückgang ihres Marktanteils wird dazu führen, dass andere Marktteilnehmer wie die USA ihren Platz einnehmen werden. Und sie werden ihren Marktanteil nicht mehr zurückgewinnen können. Wenn es zu einem solchen Konflikt kommt, werden Saudi-Arabien und der Iran alles tun, um weiterhin so viel wie möglich zu produzieren und zu liefern“, sagte Djachenko.

Rex Tillerson beim Treffen mit König Salman in Saudi-Arabien, Riad, 22. Oktober 2017.

Inflation und Armut: Die Folgen für die Weltwirtschaft

Ein starker Anstieg der Preise von Öl und anderer fossiler Brennstoffe wird die Stabilität der gesamten Weltwirtschaft bedrohen, da ein Anstieg der Inflation die Folge sei, warnt Djachenko. Er merkte zudem an: 

In Zeiten relativ niedriger Wachstumsraten wird ein deutlicher und sprunghafter Inflationsanstieg zu einer Verarmung eines großen Teils der Weltbevölkerung führen.

Laut ihm werden sowohl die Ölproduzenten als auch die Importeure gezwungen sein, die Preise zu senken, um dies zu verhindern. Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran haben schon schlechtere Zeiten erlebt als jetzt, versichert Petr Puschkarev, Chefanalyst bei TeleTrade. Die iranische Revolution von 1978 bis 79 und der Tod iranischer Pilger während der Hadsch im Jahr 1987, die drei Jahre lang zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien führten, seien ein größerer Belastungstest für die beiden Länder gewesen. Gegenüber RT sagte Puschkarev:

Saudi-Arabien ist in den kommenden Jahren zu sehr mit technologischen und innovativen Projekten beschäftigt, um die verlorenen Öleinnahmen zu ersetzen. Die Saudis sind gegenwärtig überhaupt nicht bereit für umfassende bewaffnete Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn, die sehr kostspielig wären. Vor allem zu einem Zeitpunkt, wenn der Kronprinz Mohammed Bin Salman bestrebt ist, innenpolitisch die Macht in seinen Händen zu konzentrieren. Möglicherweise kann die Präsenz eines äußeren Feindes wie dem Iran seinen Zwecken dienen, aber nur in einem vermittelten Konflikt auf dem Territorium des Jemen. 

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Krieg wäre für Riad und Teheran nicht lohnenswert

Laut Mikhail Mashchenko wäre ein Krieg sowohl für Saudi-Arabien als auch für den Iran unrentabel. „Die Saudis, obwohl sie sich selbstbewusster fühlen als ihre östlichen Nachbarn, haben ein Budgetdefizit von 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Teheran hat erst nach einer teilweisen Aufhebung der Sanktionen damit begonnen, die Ölexporte zu steigern“, sagte der Analyst gegenüber RT.

Die meisten Experten sind sich einig darin, dass der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran auf die Stellvertreterkriege im Jemen und in Syrien beschränkt bleibt. Die Situation sei vergleichbar mit der Zeit des Kalten Krieges, als sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion Stellvertreterkriege wie in Vietnam lieferten, sich aber nicht direkt bekriegten.