RT-Exklusiv: Konfrontation mit Iran könnte ein "gefährliches Abenteuer" für Saudi-Arabien werden

RT-Exklusiv: Konfrontation mit Iran könnte ein "gefährliches Abenteuer" für Saudi-Arabien werden
Laut Ali Hashem hat Kronprinz Muhammed bin Selman eine "explosive Agenda."
Der Leiter des arabischsprachigen Nachrichtenportals Al Mayadeen, Ali Hashem, warnte im Gespräch mit RT Deutsch vor den Konsequenzen der aggressiven Machtkonsolidierung des saudischen Kronprinzen sowie vor einer Konfrontation mit dem Iran beziehungsweise der Hisbollah.

von Ali Özkök

Prinz Alwaleed bin Talal gehörte zu den elf saudischen Prinzen, die wenige Stunden nach der Ausrufung eines neuen Korruptionsbekämpfungskomitees durch König Salman bin Abdulaziz al-Saud verhaftet wurden, berichteten verschiedene Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen innerhalb der saudischen Regierung.

Menschen versammeln sich um einen Krater nach einem Luftschlag der saudischen Luftwaffe in Saada.

Alwaleed bin Talal wurde 2017 von Forbes zum 45. reichsten Mann der Welt ernannt. Der Bloomberg Billionaires Index setzte ihn in einem ähnlichen Ranking auf Platz 50. Das Vermögen des saudischen Prinzen beläuft sich nach verschiedenen Schätzungen auf 18 bis 19 Milliarden US-Dollar. Frühe Investitionen in den Erfolg von Unternehmen wie Apple machten den saudischen Investor prominent.

Alwaleed bin Talal hält auch wesentliche Beteiligungen an US-Konzernen wie Citigroup und Twitter. Seit 1997 ist seine Firma ein „bedeutender Investor“ in der News Corporation von Rupert Murdoch, einem der laut Forbes kommerziell erfolgreichsten Medienunternehmer der Welt.

Neben der Festnahme von insgesamt elf Prinzen und vier Ministern kamen Berichte auf, wonach ein Prinz im Süden des Königreichs bei einem Helikopter-Absturz ums Leben gekommen sei. Mansur bin Mukrin, der stellvertretende Gouverneur der Provinz Asir an der Grenze zum Jemen, sei am Sonntag zusammen mit weiteren Beamten verunglückt. Mansur war der Sohn des ehemaligen Kronprinzen von Saudi-Arabien, der vom Konkurrenten Muhammed bin Selman entthront wurde.

Das Nachrichtenportal „The Duran“ schrieb am Montag unter Berufung auf den ehemaligen FBI-Spezialagenten Ali Soufan, dass ein zweiter Kronprinz mutmaßlich getötet wurde. „Er starb, als seine Sicherheitskräfte in ein Feuergefecht mit bewaffneten Angreifern des Regimes gerieten, als sie versuchten, eine Verhaftung vorzunehmen“, schreibt das Portal weiter über die Umstände seines Todes.

Prinz Abdul Aziz war im großen Stil in den Konzern Saudi Oger investiert, ein Unternehmen, das bis im Sommer dieses Jahres im Besitz der libanesischen Familie Hariri war. Der ehemalige libanesische Premierminister Saad Hariri, der am Wochenende seinen Abtritt von seinem Posten bekanntgab, leitete das Unternehmen. Außerdem galt der Prinz als vehementer Kritiker einer saudischen Annäherung an Israel, die unter Kronprinz Muhammed bin Selman durchgedrückt wurde.

Der Vorsitzende des arabischsprachigen Nachrichtenportals Al Mayadeen und Leiter des Iran-Büros Ali Hashem sprach mit RT Deutsch. Über die Entwicklungen in Saudi-Arabien kommentierte er:

Saudischer Prinz bei Hubschrauber-Absturz gestorben

Kronprinz Muhammed bin Selman ebnet sich den Weg zum Thron. Er stellt nicht nur seine Vettern in den Schatten, die sich ihm widersetzen oder als geeignete Kandidaten für seine Thronfolge positionieren könnten. Er schlägt hart auf die Milliardäre des Königreichs ein, so dass niemand mehr während seiner Herrschaft politischen Einfluss gegen ihn ausüben kann.

„Muhammed bin Selman will der nächste Abdul Aziz sein, der erste König Saudi-Arabiens“, fügte der Journalist über die Person des Kronprinzen hinzu. „Wenn er diesen Weg weiter geht, dann ist das ein ernsthaftes historisches und politisches Erdbeben.“

Explosive Agenda könnte Königreich erschüttern

Ali Hashem ist der Meinung, dass die Agenda von Muhammed bin Selman explosiv ist und bei falschen Entscheidungen das gesamte Königreich erschüttern könnte. Er sagte:

Es könnten sich viele Feinde bilden, von denen einige darauf hinarbeiten, Muhammed bin Selman selbst abzusetzen. Er bewegt sich buchstäblich in einem großen Minenfeld, und wenn er irgendeinen falschen Schritt macht, könnte er eine große Explosion verursachen."

Auf die Frage, was die außenpolitischen Implikationen für die innenpolitische Allwetterlage in Saudi-Arabien sind, beantwortete der Al Mayadeen-Journalist:

Ich denke, dass Bedrohungen aus Saudi-Arabien ernst sind. Es geht nicht um einen Medienkrieg. Die Saudis sind sehr daran interessiert, sich als die Flaggenträger des sunnitischen Islams in der Region zu zeigen, indem sie den Iran konfrontieren. Doch das könnte ein Abenteuer sein, ein gefährliches Abenteuer, das die regionale und internationale Sicherheit gefährdet."

Über die Wahrscheinlichkeit einer Konfrontation des libanesischen Alliierten von Iran, die schiitische Hisbollah-Miliz, sagte Ali Hashem:

Saudische Artillierie aus US-Produktion feuert auf jemenitisches Gebiet - Dank Expertise des Rheinmetall-Chefs Andreas Schwer wird die jemenitische Zivilbevölkerung wohl bald auch aus saudischen Geschützen einheimischer Produktion beschossen werden...

Ein Krieg mit der Hisbollah ist kein Zuckerschlecken. Der wäre schwieriger als der Krieg im Jemen. Das würde eine Zusatzbelastung für den Kronprinzen bedeuten, der sich einer Situation ausgesetzt sehen würde, wenn er die rote Linie Irans überkreuzt.

Der mutmaßliche Tod von Prinz Abdul Aziz, der sich angeblich während einer versuchten Festnahme ereignet haben soll, wirft ein neues Licht auf die Annahme von Kritikern, dass Riad den Abtritt von Saad Hariri aus innenpolitischen Erwägungen erzwungen hat.

Der schiitische Hisbollah-Führer im Libanon, Sayyid Hassan Nasrallah, bemerkte, dass möglicherweise Hariri in Geschäfte oder wegen persönlichen Beziehungen zu einigen saudischen Beamten in die „Anti-Korruptionsmaßnahmen“ des neuen Kronprinzen involviert gewesen ist.

Die Gründe für die Verhaftung von Alwaleed bin Talal sind nach wie vor ein Rätsel. Sie löste bereits eine Reaktion auf den Aktienmärkten aus. Die Aktien seiner Kingdom Holding Co. sanken am Handelssonntag um 7,5 Prozent, obwohl das Unternehmen im dritten Quartal Gewinne in Höhe von 66 Millionen US-Dollar bekannt gab.

„Dies führt zu einer Beunruhigung bei den Investoren, die Saudi-Arabien beobachten“, sagte Graham Griffiths, Analyst beim Beratungsunternehmen Control Risks mit Fokus auf Saudi-Arabien, gegenüber AP. Er nannte Alwaleed bin Talal „jemanden, der als Gesicht des Königreichs dargestellt wurde, jemanden, mit dem viele Leute Geschäfte gemacht haben und mit dem sie gut Geschäfte machen können.“