Alles für die Kunst: Syrischer Filmemacher inszenierte Anschlag auf sich selbst für Anti-Assad-Film

Alles für die Kunst: Syrischer Filmemacher inszenierte Anschlag auf sich selbst für Anti-Assad-Film
Derick Gefängnis, in Hasaka, Syrien 10. September 2015.
Zu Vermarktungszwecken eines fiktionalen Filmes über Folter stellte ein syrischer Filmemacher einen Mordversuch gegen sich nach und glaubte, dass ihm diese Aktion zu Ruhm und Ehren verhelfen würde. Der Presse-Stunt schlug fehl, denn sein Produzent nahm die Aussagen zum Täuschungsversuch auf Video auf.

Muhammad Bayazid weilte letzten Monat in der Türkei, um seinen Film "Der Tunnel" zu vermarkten. Dieser sollte keine Fiktion, sondern Realität sein und die Folter im syrischen Gefängnis Tadmur darstellen. Angeblich wurde er in die Brust gestochen und gab bekannt, dass der Mordversuch von der syrischen Regierung ausging. Das Filmhandwerk lernte der Syrer in den USA. Hier erhielt er Asyl und gründete mit seiner Frau ein Filmstudio zur Produktion von Filmen, die sich mit Menschenrechten, Religion und humanitären Angelegenheiten befassen.

Im Zentrum seines Films steht ein syrischer Amerikaner, der 20 Jahre im Gefängnis von Palmyra verbrachte. 

Die Promo-Aktion des Regisseurs schlug jedoch fehl, denn einer seiner Produzenten, Mohammed al-Hindi, filmte eine Unterhaltung mit ihm, worin er seine Inszenierung zum Attentat gegen ihn bekannt machte. Bayazid

Die Nationalität des Angreifers muss syrisch sein. Das macht Sinn, denn ich bin von Syrern umgeben und ein Syrer wäre derjenige, der mich jetzt am ehesten verletzen würde. 

In dem Clip kann man ihn hören, wie er ruft: "Araber, Araber, Araber... Wenn sie sehen, dass das Projekt im Rampenlicht steht, werden sie anfangen zu spenden."

Bana Alabed, bekannt als

Damit der Todesstoß der syrischen Regierung gegen den Filmemacher noch glaubhafter wirkt, kreierte er ein falsches Facebook-Konto und nutzte dazu einen VPN, ein virtuelles privates Kommunikationsnetz. Es sollte so aussehen, als ob er vorher mit jemandem in Kontakt stand, der an seinen Film glaubte und mithelfen wollte, der dann aber versuchte, ihn zu ermorden.

Bayazid war sich sicher, dass ihm und seinem Produzenten bald Ruhm und Ehren zugehen würden: 

Wir werden beide die berühmtesten Leute für 48 Stunden sein - jeder wird darüber sprechen. Sobald der Angriff geschehen ist, wird mein Mobiltelefon bei Dir sein. Du wirst es den Leuten über die sozialen Medien weitergeben und es wird eine große Szene geben. Für 12 Stunden werden Dich Leute anrufen und Du bist ihre Kontaktperson. 

Danach werden wir den Trailer [des Films] veröffentlichen und werden darüber sprechen, wie wir ihn eigentlich zurückhalten wollten, aber jetzt sei die richtige Zeit dies zu tun. 

Auch die Frau des Filmemachers Samah Safi Bayazid spielte mit. In einem Gespräch mit "The Guardian" berichtete sie vom versuchten Mord an ihrem Ehemann: 

Letzte Nacht war sein Zustand sehr instabil, er wurde in die Brust gestochen nahe der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, also blutete er sehr stark. Gott sei Dank ist er nun wach und bei Bewusstsein. Es war ein Wunder, dass er überlebte. 

Nachdem die Inszenierung aufgedeckt wurde, teilte Bayazid "The New Arab" mit, dass auch wenn der Mordversuch vorgetäuscht gewesen sei, der Film auf einer wahren Geschichte basiere. 

Trailer zum Film "The Tunnel":