Russisches Verteidigungsministerium: Rakka erinnert an „Dresden 1945“

Russisches Verteidigungsministerium: Rakka erinnert an „Dresden 1945“
Was die US-geführte Anti-IS-Koalition in der syrischen Stadt Rakka militärisch gemacht hat, ist vergleichbar mit den berüchtigten Luftangriffen der Alliierten auf Dresden 1945 während des Zweiten Weltkriegs, hat das russische Verteidigungsministerium kritisiert.

Die selbsternannte Hauptstadt des „Islamischen Staates“ Rakka, die seit Januar 2014 unter Kontrolle der Dschihadisten war, wurde Anfang vergangene Woche von den sogenannten „Demokratischen Kräften Syriens“ eingenommen. Etwa 80 Prozent der Wohngebäude in der Stadt wurden nach Schätzungen während der Kämpfe durch massive Bombardierungen aus der Luft und von der Artillerie zerstört.

Links Saudi-Minister Thamer al-Sabhan und in der Mitte Brett McGurk. (Bildquelle: Twitter

„Rakka glüht immer noch nach der Bombardierung durch die internationale Koalition, und hohe Beamte in Washington, Paris und Berlin machen schnelle Versprechungen, mehrere Millionen US-Dollar und Euro für den Wiederaufbau zuzuteilen“, merkte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, General Igor Konaschenkow, am Sonntag kritisch an.

Der Pressesprecher äußerte, dass die Absicht, den Bewohnern von Rakka zu helfen, lobenswert ist, aber Moskau wundert sich, warum zugleich Aufrufe zur humanitären Hilfe für andere Teile Syriens vom Westen ignoriert oder abgelehnt werden.

„Wir haben eine Liste von Städten und Dörfern erstellt, die am meisten bedürftig sind, und wir haben nicht zwischen ‚schlechten‘ oder ‚guten‘ Syrern unterschieden. Aber die Antwort aus Washington, Berlin, Paris und London war immer die gleiche: wir können nicht, werden wir nicht“, erklärte der General.

Der plötzliche Sinneswandel könnte darauf hindeuten, dass die US-geführte Koalition in erster Linie Beweise für ihre „barbarische Bombardierung“ in Rakka vertuschen will. Diese führte laut dem russischen Verteidigungsministerium dazu, dass „tausende Zivilisten, die eigentlich befreit werden sollten, unter den Trümmern begraben wurden“.

„Rakkas Schicksal erinnert an Dresden 1945, das durch Luftangriffe der USA und Großbritannien zerstört wurde“, sagte Konaschenkow. Bei der Luftoperation gegen die ostdeutsche Stadt wurden im Februar 1945 Bomben mit einem Gesamtgewicht von rund 3.900 Tonnen abgeworfen. Bei der allierten Luftkampagne zum Ende des Zweiten Weltkriegs kamen etwa 25.000 Zivilisten ums Leben. Ein Großteil des Stadtkerns von Dresden wurde zerstört. Die militärische Notwendigkeit einer solchen Operation wurde im Nachhinein von zahlreichen Stellen in Frage gestellt.

Blick auf die syrische Seite Golan-Höhen

Die „Demokratischen Kräfte Syriens“, die von der kurdischen YPG-Miliz angeführt werden, werden seit 2015 intensiv von den USA und anderen westlichen Staaten militärisch und logistisch unterstützt. Bei der Offensive auf Rakka, die im Juni begann, half die US-geführte Koalition den „Demokratischen Kräften Syriens“ mit Luftangriffen, Artilleriefeuer, Sondereinsatzkräften, Geheimdienstinformationen und der Ausbildung von Rekruten. Außerdem wurden dutzende Panzerfahrzeuge ausgeliefert. Aus der Stadt flohen im Zuge der Offensive zehntausende Zivilisten.

Bei den Kämpfen sind etwa 1.800 bis 1.900 Zivilisten ums Leben gekommen, davon mindestens 1.300 durch die Koalition, ergab eine Hochrechnung der Organisation Airwars, die sich auf Luftoperationen von beteiligten Akteuren im Syrien-Konflikt spezialisiert hat.