Exklusiv-Interview: Die Frau hinter dem Visa-Streit zwischen der Türkei und den USA

Exklusiv-Interview: Die Frau hinter dem Visa-Streit zwischen der Türkei und den USA
Bildquelle: Twitter Hilal Kaplan
Vergangene Woche stoppten die USA die Visa-Vergabe in der Türkei. Ankara reagierte mit gleicher Münze. RT Deutsch sprach mit der Kolumnistin Hilal Kaplan, die wegen eines von ihr verfassten Artikels zu einem Treffen mit dem US-Botschafter ausgeladen wurde.

Grund für den Eklat ist die Inhaftierung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul, der mutmaßlich Verbindungen zu der Gülen-Bewegung unterhält, die Ankara für den Putschversuch aus dem vergangenen Jahr verantwortlich macht.

Die USA haben die Visa-Vergabe in der Türkei gestoppt. Wie bewerten Sie die Reaktion der USA auf die Festnahme des Konsulatsmitarbeiters?

Das kann einfach nicht sein. Die Türkei hat jedes Recht, Ermittlungen im Zusammenhang mit dem vereitelten Putschversuch einzuleiten und muss nicht die USA fragen. Topuz ist Kontaktoffizier im US-Konsulat mit eindeutigen Beziehungen zu Gülenisten. Das ist doch das natürliche Recht nach dem Putsch, dass sich Ankara nicht behindern lässt.

Schaden die USA damit der Türkei?

Im Grunde ist die Entscheidung der USA skandalös, die Türkei in diesem Fall zu unterminieren.

Hat die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und den USA hauptsächlich etwas mit der Gülen-Bewegung zu tun, deren Anführer im US-Exil lebt?

Ich bin der Meinung, dass der Hauptgrund für die Eskalation und die Reaktion der USA mit der Aufhebung von Visa-Vergaben wenig mit der Festnahme von Metin Topuz zu tun hat. Das ist eine Randentwicklung.

In erster Linie hat es mit der veränderten geopolitischen Lage in der Region zu tun, wo die Türkei mit Russland und Iran kooperiert, weil die USA den syrischen PKK-Ableger YPG bevorzugen. Eine Neuorientierung der Türkei wollen die USA nicht dulden und sie setzen die Türkei auf diese Weise unter Druck. Man will nicht, dass sich die Türkei neuorientiert.

Warum ist eine türkische Kooperation mit Russland und anderen Akteuren zu problematisch für die USA?

Die USA haben große Bedenken entwickelt, als die Türkei eine enge Kooperation mit Russland und die Astana-Initiative startete, um die Syrien-Krise diplomatisch beizulegen. Hinzu kam die Euphrat Schild-Offensive und jetzt die türkische Militärpräsenz in Idlib. Das sind alles Gründe, an denen sich die USA stören. Die USA geben den Türken nicht das Recht, ihre Grenzen zu verteidigen oder eigene Interessen unabhängig zu verfolgen. Die USA verletzen die internationale Politik auf diese Weise.

Sind die USA zum Gegner oder Rivalen der Türkei im Nahen Osten geworden?

Die USA sind keine wirklichen Rivalen der Türkei. Die Bewaffnung und Ausbildung der YPG durch die USA wird von der Türkei als unakzeptabel betrachtet, weil die YPG und ihre Schwesterorganisationen Terroranschläge gegen die Türkei ausführten. Das ist zum Knackpunkt für unsere Beziehungen mit den USA geworden.

Die USA haben Ihre Presseakkreditierung für ein Treffen mit dem US-Botschafter aufgehoben. Was war der Grund?

Meine Presseakkreditierung wurde in letzter Minute aufgehoben. Die Botschaft rief mich an. Der Mitarbeiter sagte mir ziemlich genau, dass ich nicht mehr zum Treffen eingeladen bin, weil sie den Artikel-Titel nicht mochten, der von meiner Redaktion veröffentlicht wurde. Diesen Artikel habe ich noch nicht einmal geschrieben.

Es war unprofessionell für eine solche Institution, jemanden einzuladen und dann abzusagen, aber vor allem zeigte dies deutlich, dass die US-Regierung Pressefreiheit nur vorheuchelt.

Was war das Problem mit der Überschrift?

Es ging um die Verbindungen von Mehmet Topuz. Topuz, der in Istanbul lebt, arbeitet seit 35 Jahren im US-Konsulat. Er ist ein türkischer Staatsbürger. Topuz ist auch nicht registriert als offizieller Mitarbeiter des Konsulats. Er hat zahlreiche Kontakte zu hochrangigen Polizeikadern, darunter wichtige Polizeichefs, die zur Gülen-Bewegung gehören. Er ist eine Art Verbindung in die USA und gab Informationen weiter.