Nach Festnahme: USA stellen Visa-Vergabe in Türkei ein - Ankara reagiert mit gleichem Schritt

Nach Festnahme: USA stellen Visa-Vergabe in Türkei ein - Ankara reagiert mit gleichem Schritt
Türkische Behörden erklärten, alle bis dato in Washington, D.C. bereitgestellten Visadienste abseits der Einwanderungs-Sichtvermerke auszusetzen. Dies sei die Gegenmaßnahme zu einer ähnlichen Entscheidung der USA, die wenige Stunden zuvor angekündigt wurde.

von Ali Özkök

"Jüngste Ereignisse haben die türkische Regierung dazu gezwungen, das Engagement der Regierung der Vereinigten Staaten für die Sicherheit der türkischen diplomatischen Einrichtungen und deren Personal neu zu bewerten", sagte die türkische Botschaft in Washington, D.C. am Sonntag in einer Erklärung.

Ein Soldat der US-Sondereinheiten demonstriert, wie man einen Verdächtigen festnehmen kann während der Flintlock 2014 Ausbildungsmission unter amerikanischer Führung für afrikanische Militärs in Niger.

Die türkische Anweisung spiegelt ziemlich genau jene wieder, die weniger als 24 Stunden zuvor Washington herausgegeben hatte. Die USA hatten ihre Visa-Dienste in der Türkei in Reaktion auf die Festnahme eines Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul, Metin Topuz, Anfang der Woche beschränkt. Topuz ist türkischer Staatsbürger.

Topuz wird beschuldigt, ein Komplize des im US-Exil lebenden türkischen Imams Fethullah Gülen zu sein, der hinter dem vereitelten Putschversuch vom vergangenen Jahr in der Türkei stehen soll.

Streit um Gülen und YPG-Unterstützung treiben Keil zwischen USA und Türkei

Die US-Botschaft verurteilte aufs Schärfste die Verhaftung von Topuz, der sich weiterhin in Gewahrsam befindet, und bezeichnete die Behauptungen über dessen Beteiligung am versuchten Staatsstreich als "grundlose, anonyme Anschuldigungen". Die Anschuldigungen könnten "die langjährige Partnerschaft zwischen den USA und der Türkei untergraben und entwerten".

Ankara sagte, die Entscheidung, die Dienste auszusetzen, gilt für "Visa sowie für e-Visa und Visa, die an der Grenze erworben werden".

Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei verschlechtern sich zusehends seit Washingtons Weigerung, den in den USA lebenden, umstrittenen Imam Fethullah Gülen an die Türkei auszuliefern. Hinzu kommt die Unterstützung des US-Militärs für die kurdische YPG-Miliz in Syrien. Ankara betrachtet die YPG als syrischen Ableger der verbotenen PKK, die seit Jahrzehnten in eine militärische Konfrontation mit der türkischen Regierung im Südosten des Landes verwickelt ist.

Symbolbild- THAAD Abfangjäger bei einem Test

Enthüllung türkischer Tageszeitung hatte Ausladung zur Folge

Die renommierte Kolumnistin der türkischen Tageszeitung Sabah, Hilal Kaplan, die vergangene Woche die angebliche Rolle von Metin Topuz im Gülen-Netzwerk enthüllte und aufgrund des Zeitungsberichts von einem Treffen mit US-Botschafter John Bass ausgeladen wurde, sprach exklusiv mit RT Deutsch. Kaplan sagte über die jüngste türkisch-US-amerikanische Eskalation:

Das kann einfach nicht sein. Die Türkei hat jedes Recht, Ermittlungen im Zusammenhang mit dem vereitelten Putschversuch einzuleiten und muss nicht die USA fragen. Topuz ist Kontaktoffizier im US-Konsulat mit eindeutigen Beziehungen zu Gülenisten. Das ist das natürliche Recht nach dem Putsch, dass sich Ankara nicht behindern lässt.

Über den weiteren Kontext der bilateralen Spannungen kommentierte Hilal, die als Insiderin gilt, wenn es um die türkische Außenpolitik geht:

Im Grunde ist die Entscheidung der USA skandalös, die Türkei in diesem Fall zu unterminieren. Das hat aber viel mit der veränderten geopolitischen Lage in der Region zu tun, wo die Türkei mit Russland und Iran kooperiert, weil die USA den syrischen PKK-Ableger, die YPG, bevorzugen. Eine Neuorientierung der Türkei wollen die USA nicht dulden und setzen die Türkei auf diese Weise unter Druck.

Weder Washington noch Ankara präzisierten, wie lange die an diesem Wochenende angekündigte "Neubewertung" der bilateralen Sicherheitsverpflichtungen andauern wird.

Weitere Zuspitzung des Konflikts ist wahrscheinlich

Die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den USA und Ankara dürften weiter eskalieren, da beide Seiten nicht bereit zu sein scheinen, nachgeben zu wollen, sagte Professor für Internationale Beziehungen an der Technischen Universität des Mittleren Ostens in Ankara, Huseyin Bagci, gegenüber RT.

Es ist für beide Seiten eine einschneidende Entwicklung. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir eine solche Situation und die Spannungen werden noch zunehmen, weil die US-amerikanische Seite und die türkische Seite bereit sind, wenn Sie wollen, in diesem Fall zu kämpfen", sagte Bagci und stellte fest, dass er in den nächsten Tagen eine weitere Zuspitzung erwartet.

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Bagci wies darauf hin, dass die US-Türkei-Krise der US-geführten NATO in der Region einen weiteren Schlag versetzen kann. Im Raum zwischen Osteuropa, dem Nahen Osten und dem Kaukasus ist die Türkei nach wie vor der wichtigste Sicherheitspartner Washingtons.

"Es ist heute nicht gut für NATO-Mitglieder, ein strategischer Verbündeter der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein", sagte er und bemerkte, dass es zwar schwierig ist, vorherzusehen, wohin die anhaltende Konfrontation führen wird, "aber beide Seiten werden auf diese oder eine andere Weise verlieren".