Exklusiv-Interview mit Syriens Außenminister: "Letzte Kapitel in der Geschichte unserer Krise"

Exklusiv-Interview mit Syriens Außenminister: "Letzte Kapitel in der Geschichte unserer Krise"
Syriens Außenminister Walid al-Muallim
RT hat am 25. September am Rande der UN-Generalversammlung mit Syriens Außenminister Walid al-Muallim gesprochen. Der Diplomat erzählte im Exklusiv-Interview über einschneidende Veränderungen in der politischen, diplomatischen und militärischen Situation rund um sein Land.

Walid al-Muallim teilte mit, dass die einheimische Armee in den letzten drei Monaten mehr als 55 Prozent des syrischen Territoriums befreit habe. Ihm zufolge gingen die wichtigsten Gefechte in Syrien allmählich zu Ende, sodass das Land am letzten Kapitel in der Geschichte der akuten Krise schreibe. Der Diplomat erklärte auch, dass Damaskus sich vor diesem Hintergrund bereits Gedanken über den künftigen Wiederaufbau des Landes mache.

In der Anfangsetappe sprechen wir über den Wiederaufbau unseres Landes im Rahmen unserer eigenen Möglichkeiten, der Bemühungen der syrischen Bevölkerung, der befreundeten Staaten. Anschließend werden wir schauen, welche Ressourcen noch in Frage kommen könnten. Vor allem sollten sich an dem Wiederaufbau unseres Landes jene Staaten beteiligen, die sich gegen Syrien verschworen haben, damit sie auf diese Weise ihre Schuld und begangene Verbrechen gegenüber dem syrischen Volk wiedergutmachen können", sagte Walid al-Muallim.

Beim Wiederaufbau Syriens werde das Land jeden Syrer brauchen. Daher sei die Rückkehr der Flüchtlinge aus den Nachbarländern absolut erforderlich. Laut UN-Charta solle die Heimkehr jedoch freiwillig sein. Damaskus werde niemanden zur Rückkehr zwingen, versicherte der Außenminister.

Mehr lesen:  Deir ez-Zor nach IS-Belagerung: Kinder die noch nie Obst gesehen haben

Walid al-Muallim beschrieb auch seine Eindrücke von der diesjährigen Tagung der UN-Generalversammlung. Ihm zufolge gebe es einen Wandel in der Haltung gegenüber der Regierung in Damaskus:

Wer im vorigen und vorvorigen Jahr eine negative Stellung gegenüber Syrien bezogen hatte, schwieg oder versuchte sogar, seine guten Absichten zu bekunden. Deswegen herrschte während der diesjährigen Sitzung eine positive Atmosphäre in Bezug auf Syrien. Eine Ausnahme war lediglich Präsident Trump, obwohl die allgemeine Atmosphäre positiv war."

Der Außenminister äußerte sich auch zu den Vorwürfen, wonach sein Land C-Waffen gegen Zivilisten eingesetzt haben soll, und plädierte erneut dafür, eine unabhängige Untersuchungskommission zu schaffen.

Wir akzeptieren keine grundlosen Anschuldigungen. Solche Vorwürfe werden immer dann erhoben, wenn die syrische Armee einen weiteren Sieg erkämpft, oder wenn ein weiteres Treffen in Astana stattfindet. Das ist absolut unannehmbar. Deswegen betonen wir immer wieder: „Wer anklagt, muss seine Anschuldigungen beweisen.“ Leider aber haben die Amerikaner den Militärflugplatz al-Schairat angegriffen, ohne Indizien und Beweise zu haben. Zugleich fordern wir die OPCW dazu auf, eine unabhängige Expertengruppe zu schicken, um die Ereignisse auf dem Militärflugplatz al-Schairat und in Chan Schaichun zu untersuchen", sagte der Diplomat.

Mehr lesen:  Russische Armee baut innerhalb von 48 Stunden Brücke über Euphrat in Syrien