Türkei droht: S-400-Raketensystem aus Russland kann US-Kampfflugzeuge und Bomber abschießen

Türkei droht: S-400-Raketensystem aus Russland kann US-Kampfflugzeuge und Bomber abschießen
Die Türkei ist US-Verbündeter und NATO-Mitglied. Trotzdem erwirbt sie das russische Langstrecken-Luftabwehrsystem S-400. Über ihre staatliche Nachrichtenagentur veröffentlichte sie nun eine brisante Infografik, die zeigt, dass US-Kampfflugzeuge abgeschossen werden können.

Eine am Mittwoch von der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu veröffentlichte Infografik beschreibt die Komponenten einer S-400-Batterie und die Fähigkeiten des Systems. Die untere Hälfte des Bildes beschreibt Flugzeuge, die das System „eliminieren kann“.

Zu den möglichen Zielen des künftigen türkischen S-400-Raketensystems gehören B-52 Bomber Stratofortress, B-1 Lancer sowie E-3 Sentry, besser bekannt als AWACS-Flugzeug. Die Liste umfasst auch ein halbes Dutzend Kampfflugzeuge und Unterstützungsflugzeuge aus den USA, darunter das moderne Kampfflugzeug F-22 Raptor, das Frühwarnflugzeug E-2 Hawkeye sowie zwei Arten von taktischen Raketen - die Tomahawk Cruise Missile und eine unspezifizierte ballistische Rakete.

Die Türkei ist dabei, das hochmoderne S-400-Systems von Russland zu erwerben. Das Bild impliziert, dass die Türkei das System braucht, um sich gegen andere Länder zu verteidigen, die solche Flugzeuge in ihrem militärischen Inventar führen. Zu den besagten Ländern gehören die USA und Nachbarstaaten. Darunter auch Griechenland, Israel, Saudi-Arabien und andere Golfmonarchien.

Die NATO und Verbündete, einschließlich die USA, kritisierten die Türkei für die Wahl eines Luftabwehrsystems, das in Russland anstatt von Mitgliedern der Organisation produziert wird. Die USA erklärten, dass dem S-400 die Interoperabilität und Kompatibilität für NATO-Waffensysteme fehlt und daher abgelehnt werden sollte.

Das S-400-Raketenabwehrsystem während der Parade zum Jahrestag des Sieges über den Nazi-Faschismus am 9. Mai 2015 in Moskau.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wies die Kritik zurück und sagte, er habe zuerst an die Sicherheit der Türkei gedacht. Mit einem Seitenhieb erwähnte der Präsident, dass er die Zeiten nicht vergisst, in denen die NATO-Verbündeten die Türkei in Fragen der Sicherheit im Stich ließen.

Was erwartet ihr? Sollten wir auf euch warten? Wir kümmern uns um uns in jeder Sicherheitsfrage. Wir ergreifen Vorkehrungen und wir werden es auch weiterhin tun, betonte Erdogan.

Ankara scheint sich in zunehmendem Maße von anderen NATO-Mitgliedern bei geopolitischen und Sicherheitsfragen abzugrenzen. Insbesondere kam es zu einem Riss im Verhältnis der Türkei zu den USA bei der Unterstützung der PKK-nahen kurdischen YPG-Miliz in Syrien. Darüber hinaus lehnt Washington die Auslieferung des islamischen Imams Fethullah Gülen ab, der laut Ankara hinter dem vereitelten Putschversuch vergangenes Jahr in der Türkei steht.

Die Türkei ist ebenso im Clinch mit Deutschland, das Ankara vorwirft, Menschenrechte zu brechen und zum autoritären Staat abzurutschen. Erdogan wiederum kritisiert, dass Deutschland zahlreichen Putschisten in Verbindung mit der Gülen-Bewegung Unterschlupf gewährt hat und sich die kurdische PKK im Land frei bewegen kann.