Jemen: USA flogen im ersten Halbjahr 2017 trotz humanitärer Katastrophe über 100 Angriffe

Jemen: USA flogen im ersten Halbjahr 2017 trotz humanitärer Katastrophe über 100 Angriffe
Blick auf ein Haus, welches nach Aussagen von jemenitischen Sicherheitskräften von US-Drohnen in Hadramout, südliche Provinz Jemens, 4. September 2012
Nach Angaben des regionalen Zentralkommandos der USA, CENTCOM, haben die USA allein im Jahr 2017 mehr als 100 Luftschläge im Jemen durchgeführt. Sie zielten demnach auf Terroristen sowie deren Einrichtungen und Ausrüstung und nehmen dabei das gesamte Al-Qaida-Netzwerk ins Visier.

Bereits seit dem Jahr 2009 setzte die US-Regierung, unter Barack Obama, unbemannte Drohnen im Jemen ein, wo es im Rahmen des sogenannten Krieges gegen den Terror die lokale "Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel" (AQAP) bekämpft, welche sich aus jemenitischen und saudischen Zweigen zusammensetzte.

Ein Junge blickt aus einem durch die US-Koalition zerstörtem Gebäude in Rakka, Syrien, 24. November 2016.

Zuständig ist das United States Central Command (Zentralkommando der Vereinigten Staaten), das Regionalkommando für den Nahen Osten, Ost-Afrika und Zentral-Asien, welches dabei auf Stützpunkte in Kuwait, Bahrain, der VAE und anderen Ländern zurückgreift.

Nachdem das US-Centcom in diesem Jahr berichtet hat, dass es mehr als 80 Schläge gegen AQAP geflogen hatte, erkundigte sich das Magazin Long War Journal nach der genauen Anzahl der Luftanschläge der USA. Das Magazin Long War Journal berichtet insbesondere über den globalen Kampf gegen den Terror.

Mehr als 100 Luftschläge gegen verdächtige Ziele

Die Antwort des US Centcom lautete im September 2017, dass die USA bis dato mehr als 100 Luftschläge gegen AQAP Kämpfer, Infrastruktur, Kampfpositionen und Ausrüstung durchgeführt habe. Nach Recherchen des Magazins entspricht dies einem Anstieg um mehr als das Doppelte, im Jahr 2016 hatte es demnach 44 Luftschläge gegeben.

Die Anfrage des Long War Journals ergab weiterhin, dass das US-Militär dabei ausdrücklich das gesamte Netzwerk der "Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel" (AQAP) als Kampfziel betrachtet. Da das Netzwerk dezentralisiert strukturiert ist, ohne Hierarchie oder klarem Verwaltungs- oder Kontrollzentrum, ist der Erfolg kaum nachvollziehbar.

Die Stadt Sa'da im Nordwesten Jemens: Am 4. August hat die saudische Luftwaffe wieder einmal Häuser von Zivilisten dem Erdboden gleichgemacht.

AQAP gilt auch in den USA und Europa als eine der gefährlichsten internationalen Terrorgruppen. Bei den seit 2005 im Jemen stattfindenden Kämpfen deckten sich die Einsatzgebiete der sunnitischen Extremisten mit denen der saudischen Koalition, welche mit den USA verbündet ist.

Immer wieder kommt es zu hohen Opferzahlen unter Zivilisten bei Luftangriffen im Jemen. Doch nicht nur bei Luftangriffen, auch bei Bodenoffensiven der USA kommt es immer wieder zu zivilen Opfern.

Die durch die USA und seine Verbündeten gestützte Hadi-Regierung verlor derweil an Rückhalt, nachdem innerhalb der Koalition der Anschein aufkam, dass es Konflikte um Ansprüche auf Kontrolle des Jemens selbst gab. So war es bis zum Mai dieses Jahres zu Zerwürfnissen zwischen Hadi und den Vereinigten Arabischen Emiraten gekommen.

Unterdessen konnte sich AQAP im Jemen weiter ausbreiten. Trotz des Einsatzes der USA in der Region seit mehr als zehn Jahren und des seit 2015 offen von Saudi-Arabien geführten Krieges im Land konnte ist das Netzwerk über längere Zeiträume, darunter im vergangenen Jahr, große Teile des Südens kontrollieren.