Geleakte E-Mails: Saudi-Arabien stand kurz davor, in Katar einzumarschieren

Geleakte E-Mails: Saudi-Arabien stand kurz davor, in Katar einzumarschieren
Angehörige einer saudischen Spezialeinheit während des Schießtrainings. Laut geleakten E-Mails soll Saudi-Arabien kurz davor gestanden haben, in Katar einzumarschieren.
Saudi-Arabien soll kurz davorgestanden haben, in Katar einzumarschieren. Das soll zumindest der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate gegenüber einem ehemaligen US-Diplomaten behauptet haben, der wiederum Verständnis für ein solches Unterfangen äußerte.

Laut jüngst geleakten E-Mails soll Saudi-Arabien kurz davorgestanden haben, in Katar einzumarschieren. Das berichtete am Wochenende das Nachrichtenportal Middle East Eye unter Verweis auf eine E-Mail-Korrespondenz des amtierenden Botschafters der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in den USA, Yousef Al Otaiba, und dem ehemaligen US-Diplomaten Elliott Abrams.

Saudi-Arabiens Außenminister Adel bin Ahmed Al-Jubeir während einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. Am Montag hat sein Land alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, weil das Emirat Terrorismus unterstütze.

Demnach soll Otaiba in einer E-Mail vom Mai dieses Jahres geschrieben haben, dass eine Invasion Katars „jedermanns Probleme lösen“ würde. Der Botschafter sprach dabei nicht von einer abstrakten Möglichkeit, sondern von konkreten Plänen Saudi-Arabiens. In den Monaten vor seinem Ableben im Januar 2017 habe der saudische König Abdullah ibn Abd al-Aziz kurz davorgestanden, „etwas in Katar zu unternehmen“. 

Sichtlich überrascht erwiderte Elliott Abrams daraufhin: „Das wusste ich nicht. Dramatisch!“ Anschließend stellte der US-Diplomat die eher rhetorische Frage, wie schwer eine Invasion des Emirats schon sein könne, angesichts einer Bevölkerung von lediglich 300.000 Katarern. In der Monarchie leben zwar über 2,5 Millionen Menschen, doch nur rund jeder neunte Einwohner ist ein Einheimischer.

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„Die Ausländer werden sich nicht einmischen“, prophezeite Abrams für den Fall einer saudischen Invasion. Der ehemalige stellvertretende Nationale Sicherheitsberater unter der Regierung von US-Präsident George W. Bush machte auch gleich konkrete Vorschläge, wie einen Invasion möglichst reibungslos umgesetzt werden könnte:

Versprich den Indern und der Polizei höhere Gehälter, und wer wird dann noch bis zum Tode kämpfen? 

Mit dem Verweis auf die Inder spielte Abrams wahrscheinlich auf die vielen südasiatischen Gastarbeiter an, die in Katar als billige Arbeitskraft eingesetzt werden.

Eroberung Katars nur ein Spaziergang

Otaibas Antwort darauf:

Das war die Schlussfolgerung. Es wäre ein Spaziergang gewesen.

Katars Minister erzählt im Exklusiv-Interview für RT über Vor- und Nachteile der Blockade

„Obama hätte es gehasst, aber der neue Kerl…“, erwiderte Abrams, der damit zum Ausdruck brachte, dass US-Präsident Donald Trump einer Invasion Katars wesentlich aufgeschlossener gegenübergestanden hätte als sein Amtsvorgänger Barack Obama. „Ganz genau“, entgegnete Otaiba.

Laut Middle East Eye hat der Botschafter ursprünglich auf einen Vorschlag Abrams reagiert, wonach doch Jordanien in Katar einmarschieren könnte. „Die Haschimiten müssen Katar erobern, das würde ihre Geldprobleme lösen und das Problem der katarischen Unterstützung für Extremismus“, so Abrams, der sich auf die herrschende Dynastie Jordaniens bezieht, die dem Clan der Haschimiten angehört.

Die digital geführte Konversation soll sich einen Monat vor der von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten Anfang Juni verhängten Blockade Katars ereignet haben. Die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate wollte den Inhalt der E-Mails gegenüber der Nachrichtenseite weder bestätigen noch dementieren.

Bereits vor einem Monat waren E-Mails von Yousef Al Otaib an die Öffentlichkeit gelangt, die den von Saudi-Arabien gegen den Jemen geführten Krieg zum Inhalt hatten.

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