Deir ez-Zor: USA auf direktem Kollisionskurs mit syrischer Armee im Wettlauf um Ölfelder

Deir ez-Zor: USA auf direktem Kollisionskurs mit syrischer Armee im Wettlauf um Ölfelder
Ein T-72-Panzer der Republikanischen Garde Syriens an der Frontlinie eines Außenbezirks von Deir ez-Zor.
Das Rennen zwischen der syrischen Regierungsarmee und den US-gestützten "Demokratischen Kräften Syriens" (SDF) um die Kontrolle der ölreichen Provinz Deir ez-Zor nimmt an Intensität zu. Es droht eine direkte Konfrontation mit SDF und US-Spezialeinheiten.

Am Dienstag der Vorwoche war es der syrischen Armee mit russischer Luftunterstützung gelungen, den dreijährigen Belagerungsring des IS um die ostsyrische Stadt zu sprengen. In weiterer Folge gelang es den regierungsloyalen Truppen am Samstag auch, die Umzingelung des Militärflughafens aufzubrechen, der als Lebensader der eingekesselten Stadt fungierte.

Unmittelbar nach diesem strategischen Sieg der Regierungstruppen gegen den IS verkündeten die US-gestützten SDF eine eigene Offensive auf das Zentrum der syrischen Erdölförderung im Osten der Stadt. Deir ez-Zor liegt nur 140 Kilometer südöstlich von Rakka, wo die US-geführte Koalition ihre Hauptoffensive gegen den IS durchführt.

Die Combined Joint Task Force – Operation Inherent Resolve (CJTF-OIR) begrüßt den Beginn der Offensive 'Operation Jazeera Storm' im Norden von Deir ez-Zor zur Niederschlagung des Islamischen Staates", so die Stellungnahme des Pentagons vom vergangenen Samstag.

Bildquelle: Press Service of the President of Syria

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte zudem, dass die US-geführte Koalition die hauptsächlich von kurdischen Milizen getragene SDF neben Ausrüstung, Aufklärung und logistischem Beistand auch mit "Präzisionsfeuer und Militärberatern" unterstützen werde.

Gegenüber RT erläuterte der ehemalige Pentagon-Beamte  Michael Maloof:

Das wird auf jeden Fall ein Wettlauf. Es wird ein Wettrennen, da die syrische Armee mit russischer Unterstützung vom Westen kommt, und gleichzeitig die USA vom Norden und Osten.

Der Sprecher der US-geführten Koalition, Oberst Ryan Dillon erklärte am Sonntag, dass die SDF "signifikante Geländegewinne im Chabur-Stromtal" erzielt und seit Beginn der Operation Jazeera Storm bereits 250 Quadratkilometer unter ihre Kontrolle gebracht haben.

SDF und Armee versuchen einander zu blockieren

Der Chabur-Fluss ist der längste Nebenfluss des Euphrat in Syrien und fließt im Süden von Deir ez-Zor in den Hauptstrom, 35 Kilometer von der gleichnamigen Provinzhauptstadt entfernt. Laut Angaben des Nachrichtenportals Al-Masdar stehen die SDF-Kräfte nur noch wenige Kilometer von Deir ez-Zor entfernt. Sie hätten bereits die Basis der 113. Brigade sowie Teile des Bezirks Al-Salihiyah erobert.

Währenddessen stieß die syrische Armee erfolgreich gegen die verbliebenen IS-Kämpfer im Westen der Stadt, in der Nähe des Flughafens vor.

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Laut Al-Masdar versuchen die SDF und die syrische Armee, sich gegenseitig den Weg zur Stadt Ablukamal am Euphrat zu blockieren, welche in der Nähe der Grenze zum Irak liegt.

Da wir uns nun Deir ez-Zor annähern, haben wir nur diese zwei Kräfte, die sich annähern, und es gewinnt die Kommunikation zwischen den Russen und der Koalition [CJTF-OIR] sowie der SDF und dem Regime [Assad-Regierung] immer mehr an Bedeutung", so der Sprecher der US-Koalition, Ryan Dillon.

Ölförderanlage bei Deir ez-Zor

Derweil hat die SDF verkündet, keine syrischen Regierungskräfte anzugreifen:

Wir haben klare Befehle, dass wir nach der Eliminierung des IS keine Kräfte des Regimes oder der mit ihn verbündeten Kräfte wie Russland, Iran oder Hisbollah angreifen sollen", erläuterte SDF-Sprecher Talal Silo gegenüber Sputnik am Montag.

Kurden sollen als US-Statthalter fungieren

Mit den SDF verbündete Stämme haben unterdessen im Zuge der Militäroperation zur Sicherung der ölreichen Provinz ein "Vorbereitungskomitees zur Gründung eines Stadtrates für die gesamten Einwohner von Deir ez-Zor nach der endgültigen Befreiung der Stadt" einberufen. Allerdings gibt es in der Stellungnahme keinen einzigen Verweis auf die Rolle der syrischen Armee oder der Zentralregierung in Damaskus.

Der ehemalige Pentagon-Beamte Maloof glaubt, dass die USA bewusst die Kurden einsetzen, um langfristig in der ölreichen Provinz präsent zu sein:

Ich denke, die US-Aktivitäten, ihre Initiativen sind sehr kalkuliert. Sie zielen darauf ab, eine langfristige US-Präsenz in Deir ez-Zor sicherzustellen. Auch wenn derzeit die syrische Armee mithilfe der russischen Luftunterstützung die Region übernommen hat: Die Vereinigten Staaten wollen auf jeden Fall dieses Gebiet mithilfe der Kurden besetzen und so ihren Einfluss in dieser strategischen Grenzregion sichern. Die USA planen dort nach meinen Informationen den Bau von US-Militärbasen. Es ist nun an Russland und den USA, über Gespräche die Gefahr einer weiteren Konfrontation und Eskalation zu bannen. 

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