Netanjahu junior verärgert liberale Juden mit antisemitischen Cartoon-Motiven

Netanjahu junior verärgert liberale Juden mit antisemitischen Cartoon-Motiven
Benjamin Netanjahu mit seinem Sohn Yair (rechts) beim Gebet an der Klagemauer, Jerusalem, Israel, 18. März 2015.
Yair Netanjahu, Sohn des israelischen Premierministers, hat liberale Juden mit einem antisemitischen Cartoon verärgert. Von Jerusalem sind sie enttäuscht, nicht zuletzt auf Grund der nachgiebigen Haltung Netanjahus gegenüber Orthodoxen im Kotel-Streit.

Erst nach 48 Stunden hatte Netanjahu nach Ausschreitungen zwischen Neo-Nazis und linksextremen Gegendemonstranten in Charlottesville reagiert. Der Rückhalt für den jüdischen Staat, der in allen Teilen der jüdischen Community der USA als Wunder galt, bröckelt angesichts des schwindenden Interesses der Regierung Israels, die Wünsche liberaler Exponenten zu beherzigen.

So erfreut sich US-Präsident Donald Trump in Israel großer Beliebtheit, in den USA gilt er den liberalen Juden als ein fleischgewordener Albtraum. Konservative Juden in Israel werfen den liberalen Brüdern jenseits des Atlantiks hingegen vor, es an Bodenhaftung und Empathie gegenüber dem von mächtigen Feinden angefochtenen Staat fehlen zu lassen.

Yair Netanjahus jüngst veröffentlichter Cartoon hätte hingegen durchaus an einem antizionistischen Karikaturenwettbewerb teilnehmen können. Das Bild zeigte George Soros, Echsen-ähnliche Figuren und Juden, die von Geld fasziniert sind - klassische antisemitische Motive: 

Der Cartoon ist ein weiterer Beweis dafür, wie sehr sich das Land Israel von Teilen der jüdischen Diaspora entfernt hat. Ein wichtiger Wendepunkt war in diesem Zusammenhang die Abkehr von dem ursprünglichen Vorhaben, einen gemeinsamen Bereich zum Beten für Männer und Frauen an der Klagemauer einzurichten. Für die meisten amerikanischen Juden eine Selbstverständlichkeit, haben vor allem orthodoxe Kräfte in Israel selbst daran Anstoß genommen. Der Riss in dieser Frage ging quer durch die Koalitionsparteien in Jerusalem. Netanjahu legte den 2016 beschlossenen Plan, der auch als "Kotel-Deal" bekannt ist, am Ende wieder auf Eis. Kritiker sehen dies als Verstoß gegen das Prinzip der religiösen Pluralität. Erziehungsminister Naftali Bennett regte zur Beruhigung der Gemüter an, einen weiteren, noch nicht erschlossenen Bereich an der Klagemauer zur gemischten Nutzung auszubauen.

Viktor Orban und Benyamin Netanyahu bei einer Pressekonferenz in Budapest, Ungarn, 18. Juli 2017.

Lieberman: "Israel auf dem Weg zum Halacha-Staat"

Und so gilt weiterhin, dass die bis dato nutzbaren Bereiche der Klagemauer in der Hand der orthodoxen Juden bleiben, die dort auch die Regeln bestimmen. Frauen und Männer müssen deshalb weiterhin getrennt beten. Jüdinnen ist es zudem dort nicht erlaubt, laut aus er Tora zu lesen und einen Gebetsschal zu tragen.

Der liberale Oppositionspolitiker Yair Lapid kritisierte, dass sich Netanjahu mit seiner Entscheidung "vom jüdischen Volk abgewandt" habe. Der sephardische Rabbiner Jerusalems, Schlomo Amor, verglich hingegen in der Debatte um die Klagemauer Reformjuden mit Holocaust-Leugnern.

Gegenüber früheren Zeiten ist auf diese Weise eine neue Qualität der Radikalisierung in die öffentliche Auseinandersetzung eingekehrt. Auch der säkular-konservative Verteidigungsminister Avigdor Lieberman kritisierte Netanjahus Entscheidung und argwöhnte, Israel sei infolge so weitreichender Konzessionen gegenüber den Orthodoxen auf dem Weg in einen "Halacha-Staat". [Halacha=religiöser Rechtsbestand des Judentums]. 

Für liberale Kreise der jüdischen Diaspora wird es zunehmend schwerer, zwischen dem ehemals stramm westlichen Israel vergangener Jahrzehnte und heutigen rechtsgerichteten osteuropäischen Ländern zu unterscheiden. Kritik an Israel gab es in diesen Kreisen vorher nur hinter vorgehaltener Hand. Jetzt aber diese aber immer lauter.