Irakische Menschenrechtskommission: US-geführte Koalition tötete 2.000 Zivilisten in Mossul

Irakische Menschenrechtskommission: US-geführte Koalition tötete 2.000 Zivilisten in Mossul
Die Menschenrechtskommission des irakischen Parlaments gibt der US-geführten Koalition die Schuld an tausenden toten Zivilisten. RT Deutsch sprach mit einem US-amerikanischen Oberst im Ruhestand und einem irakischen Politik-Analysten über die Anschuldigungen.

Iraks offizielle Menschenrechtskommission, die dem irakischen Parlament untersteht, fordert, die US-geführte Militärkoalition anzuklagen. Das Gremium beschuldigt das westliche Militärbündnis, für den Tod von 2.000 Zivilisten in der Stadt Mossul verantwortlich zu sein.

"Zahlreiche Gebäude im westlichen Mossul wurden durch Koalitionsluftangriffe zerstört. Fast 2.000 Leichen liegen unter den Trümmern begraben", sagte das irakische Kommissionsmitglied Wahda al-Dschumaili in einer Erklärung.

Weiter heißt es in der Erklärung:

Wir fordern die irakische Staatsanwaltschaft auf, eine offizielle Anklage gegen Koalitionskommandeure auf Grund von Verletzungen des humanitären Rechts und der fehlenden Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kämpfern einzubringen.

RT Deutsch sprach exklusiv mit dem US-Oberst für Sondereinsatzkräfte im Ruhestand, David M. Witty, über die Anschuldigungen. Der Offizier dementierte die Aussagen der irakischen Seite. Al-Dschumaili drängte den irakischen Premierminister Haidar al-Abadi dazu, eine sofortige Untersuchung einzuleiten, "um festzustellen, genau für den Verlust des unschuldigen Lebens verantwortlich ist". Witty verteidigte die USA und warf ein:

Es gab im März bereits eine Ermittlung zum Al-Dschadida-Luftschlag in Mossul. Die USA kamen zum Ergebnis, dass die Einsatzregeln richtig befolgt wurden.

"Irakische Polizei hat Altstadt großflächig mit Artillerie beschossen"

Hussam Eddin al-Abbar, ein Mitglied des Provinzrats der Provinz Niniwa, sagte der Nachrichtenagentur Anadolu, dass die Altstadt von Mossul "großflächige Zerstörungen" infolge heftiger Koalitionsluftangriffe erlitt.

"Bevor sie die USA anklagen wollen, sollten sie zuerst die irakische Polizei für deren wahllosen Beschuss der Mossuler Altstadt mit Artillerie zur Rechenschaft ziehen", kritisierte der US-Offizier im Ruhestand wiederum die irakische Seite.

Der Forscher am Institut für Strategie und Sicherheit an der britischen Universität von Exeter und Gewinner des Jungforscher-Awards von Al Jazeera 2015, Tallha Abdulrazaq, gab im Gespräch mit RT Deutsch sowohl den USA als auch der irakischen Regierung, die eng mit dem Iran verbündet ist, die Schuld an der Tötung tausender Zivilisten in Mossul. Er äußerte:

Es ist etwas merkwürdig, dass eine irakische parlamentarische Menschenrechtskommission die US-geführte Koalition für die Bombardierung von Mossul anklagen möchte. Die Verwüstung Mossuls durch die US-geführte Koalition erfolgte schließlich auch auf Antrag der irakischen Regierung selbst, die die Gewalt rechtfertigte.

Gesamtzahl ziviler Opfer bislang unbekannt

Im Juli nahm die irakische Armee mit Koalitionshilfe die ehemalige nordirakische Metropole Mossul ein. Die Offensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" dauerte neun Monate. Regelmäßig hatten die Truppen Positionen in der Stadt mit schweren Bomben aus der Luft und zu Boden ins Visier genommen. Noch immer ist unklar, wie viele Menschen bei der Offensive insgesamt ums Leben kamen.