Der "andere" Omran: Einwohner Aleppos entlarven die Lügen der Massenmedien

Der "andere" Omran: Einwohner Aleppos entlarven die Lügen der Massenmedien
Das Bild des kleinen Omran Daqneesh schaffte es auf die Titelseiten fast aller westlichen Mainstream-Medien.
Das Bild des blutverschmierten Omran Daqneesh wurde zum "Symbol des syrischen Leidens". Terrorbanden missbrauchten den kleinen Jungen für Propagandazwecke. Unbekannt ist hingegen die Geschichte des "anderen" Omran, der kurz zuvor in dem Rettungswagen saß.

von Vanessa Beeley

Die Bilder von Omran Daqneesh, wie dieser staubbedeckt und mit blutigem Kopf allein in einem Rettungswagen sitzt, gingen im August 2016 um die Welt. Niemand kümmerte sich um das traumatisierte Kind, während die Welt die Klickgeräusche der Kamera des Fotografen Mahmoud Raslan hören konnte. Die CNN-Moderatorin Kate Bouldan brach in Tränen aus, als sie das mitleiderregende Bild von Omran beschrieb.

Die White Helmets im Einsatz: Bilder die um die Welt gehen  - und das nicht nur aus Zufall.

Die mit Millionenbeträgen von den NATO- und Golfstaaten finanzierten Weißhelme wurden wieder einmal als selbstlose Retter glorifiziert – trotz ihrer nachgewiesenen Verbindungen zu Al-Kaida. Der Fotograf Raslan erhielt für sein Foto die Auszeichnung "Getty Defining Image" für das Jahr 2016, obwohl es klare Anzeichen dafür gibt, dass seine Aufnahme "inszeniert" wurde. Bette Lynch von Getty Images verwarf solcherlei Bedenken:

Nein, ich glaube nicht, dass wir das Bild infrage stellen sollten. Ich denke, es läuft auf die Wahrhaftigkeit der Bilder hinaus, woher sie stammen und dass sie von zuverlässigen Fotojournalisten gemacht wurden.

Raslan, der "zuverlässige Fotojournalist", sah sich hingegen schon bald als Mitglied der US-finanzierten Kampfgruppe Nour al-Din al-Zenki entlarvt. Dabei handelt es sich um eine extremistische Fraktion in Syrien, die breitere Aufmerksamkeit erlangte, als sie den 12-jährigen Palästinenser Abdullah Issa öffentliche folterte und enthauptete. Die Gräueltat ereignete sich einen Monat, bevor das Bild von Omran durch die Massenmedien ging.

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Die Bilder belegen die Verbindungen des Fotografen Raslan zur extremistischen Nour al-Din al-Zenki-Bewegung.

Ein weniger bekannter Aspekt dieser ganzen Propagandakampagne ist die Existenz des "anderen Omran". Dieser wurde ursprünglich ausgewählt, um als ein Opfer des Angriffs auf ein Wohngebiet von Ost-Aleppo das "Leiden der Syrer" zu verkörpern. Der 23-jährige Ahmad nahm zuerst auf dem orangefarbenen Sitz in dem Ambulanzwagen Platz. Doch als Omran aus den Trümmern gezogen wurde, vertrieben die Weißhelme Ahmad aus dem Rettungswagen und setzten den niedlichen Jungen an seine Stelle. Anschließend wurde DAS Foto erstellt, mit dem die westliche Öffentlichkeit von der Grausamkeit des Assad-Regimes überzeugt werden sollte.

Terroristen wollten durch ihre PR-Kampagne eine Flugverbotszone erwirken

Das damit verbundene Ziel: Die Einrichtung einer so genannten Flugverbotszone durch die NATO sowie die Verzögerung des Vormarschs der syrischen Armee, die sich anschickte, Ost-Aleppo aus den Händen der Nusra-Front und anderer vom Westen unterstützter Terroristen zu befreien. Die Nusra-Front ist der syrische Ableger Al-Kaidas, der inzwischen unter dem Namen Hay'at Tahrir al-Sham auftritt.

Ahmad hatte eine Verletzung am Kopf und am Arm. Er saß zuerst im Krankenwagen, bevor Omran erschien. Die Weißhelme haben dann Ahmad durch Omran ersetzt", sagt Ahmads Vater Abu Omar.

Als ich im Juli/August 2017 nach Ost-Aleppo ging, traf ich Ahmads Familie, die mir den Verlauf der Ereignisse schilderte. Ahmad dient jetzt in der syrischen Armee und ist im Kampf gegen den "Islamischen Staat" in Palmyra stationiert.

Abu Omar im Juli 2017 vor seinem Haus in Ost-Aleppo im Gespräch mit dem Journalisten Khaled Iskef.

Abu Omar war von Beruf Bauunternehmer, der in Ost-Aleppo sechs Häuser im Al-Qaterji-Bezirk hochzog – eines für jeden seiner sechs Söhne. Abu Omar sagte mir:

Das ist der Hauptgrund, warum wie hierblieben, als im Jahr 2012 die Terroristen einfielen. Wir wollten unser Eigentum nicht aufgeben. Die Nusra-Front kam erst 2015 hier an, zuvor waren hier verschiedene Gruppen aktiv, die Abu-Amara-Brigade war eine davon. Wir blieben, obwohl uns alle militanten Gruppen bedrohten und uns als Schabiha bezeichneten.

Banden griffen zivile Wohngebiete als Strafe für Regierungsloyalität an

"Schabiha" ist ein abfälliger Begriff, den die vom Westen unterstützten Extremisten benutzen, um diejenigen zu beschrieben, die den syrischen Staat und die Armee unterstützen. Abu Omar und seine Familie kommen ursprünglich aus Jibreen, einem Außenbezirk von Aleppo und einer traditionellen Hochburg von Regierungsanhängern. Abu Omar fährt fort:

Im Jahr 2012 versuchten diese militanten Gruppen, die Madrassa-Dschihad-Schule in der Gegend zu übernehmen, um sie als Militärzentrum zu nutzen. Wir stellten uns ihnen in den Weg und verhinderten die Beschlagnahme der Schule. Im folgenden Jahr beschossen sie unsere Häuser aus Mörsern, die auf dem Gelände der Augenklinik im angrenzenden Al-Sh'ar-Bezirk positioniert waren. Die Nusra-Front übernahm im Jahr 2016 die Schule.

An diesem Punkt unterbrach ich Abu Omar und fragte ihn, ober er glaube, dass es sich bei dem Angriff, der in dem Foto von Omran resultierte, um einen Luftschlag der Syrer oder der Russen gehandelt hat, wie die westlichen Massenmedien einhellig behaupteten.

Nein, es war kein Luftschlag. Die Terroristen haben diese Gegend ständig angegriffen, wegen unserer Loyalität gegenüber der Regierung. Sie hatten bereits in drei der Häuser, die ich für meine Söhne gebaut hatte, Sprengstoff ausgelegt. Sie haben mein Eigentum absichtlich zerstört. In jener Nacht zielten sie mit Mörsern auf unsere Gegend.

Diese Information bestätigte jüngst auch Omrans Vater, wie die Journalistin Eva Bartlett berichtete:

Herr Daqneesh selbst erzählte mir, dass er an dem Abend keine Kampfflugzeuge gehört hatte und er von den Medien regelrecht verfolgt und gedrängt wurde, zu sagen, es habe sich um einen Luftangriff gehandelt. Er forderte sie auf, ihm Überreste der Munition des vermeintlichen Luftschlags zu zeigen. Er sagte, sie hätten sich geweigert.

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"Moderate" richteten drei Söhne Abu Omars als "Kuffar" hin

Abu Omar fuhr fort und zeichnete ein erschütterndes Bild des Alltags unter der Besatzung durch die Terroristen. Dieses unterscheidet sich völlig von der Darstellung NATO-konformer Medien und NGOs, die von "Freiheitskämpfern" und "moderaten Rebellen" sprachen

Ende Januar 2015 hielt ein Transporter vor unserem Haus, aus dem maskierte Kämpfer ausstiegen. Sie verhafteten fünf meiner Söhne. Mohammed, Omar, Hossam, Ahmad und Younis. Sie behaupteten, meine Söhne hätten Koordinaten ihrer Stellungen an die syrische Luftwaffe übermittelt.

Das Einkaufszentrum im Al-Sh'ar-Bezirk in Ost-Aleppo wurde zuerst von der Abu Amara-Brigade und dann von der Nusra-Front in Beschlag genommen.

Abu Omar sagte mir, dass Ahmad und Younis beinahe sofort aufgrund eines "Mangel an Beweisen" freigelassen wurden, aber seine anderen drei Söhne nicht so ein Glück hatten. Nach einer quälenden Zeit, in der er versuchte, herauszufinden, wohin seine Söhne gebracht wurden, ereilte Abu Omar die Nachricht, dass sie zuerst in das Einkaufszentrum im Al-Sh'ar-Bezirk gebracht wurden. Das Gebäude hatten die Kämpfer der Abu-Amara-Brigade und dann die der Nusra-Front in Beschlag genommen. Anschließend wurden seine Söhne nach Idlib und schließlich nach Haritan, nördlich von Aleppo, gebracht, um sie unter Anwendung von Folter zu verhören.

Bana Alabed, bekannt als

Während Abu Omar sprach, saß seine Frau neben ihm und hielt die Fotos von ihren Söhnen in ihren Händen. Sie betete und weinte leise. Auf dem Sofa saßen zwei junge Mädchen, die aufmerksam zuhörten. Abu Omar beschrieb, wie er nach Haritan ging und seinen Sohn Omar zu sehen bekam - mit Elektroschock-Bändern, die um seine Handgelenke und seinen Hals gewickelt waren. Laut Omar waren die meisten der Wärter Saudis.

Sie zeigten mir ein Geständnis, das von einem saudischen Scheich gezeichnet wurde und worin behauptet wird, meine Söhne seien 'Kuffar', also Glaubensabtrünnige. Sie sagten mir, meine Söhne seien zum Tode verurteilt wurden. Zuerst weigerte ich mich, zu gehen, aber ein syrischer Kämpfer zwang mich, wieder nach Hause zu gehen. Ich fragte ihn, wie er seine eigenen Leute auf Befehl eines saudischen Ausländers ermorden könne. Er antwortete mir nicht.

Sichtlich bewegt, beschrieb Omar die Hinrichtung seiner drei Söhne:

Zuerst töteten sie Hossam. Sie schossen ihm eine Kugel in den Rücken, die seinen Magen durchdrang. Wir wissen immer noch nicht, wo und wann genau er getötet wurde. Sie sagten uns nur, dass wir seine Leiche aus dem Bayan-Krankenhaus in Al-Sh'ar abholen können. Nach acht Monaten der Gefangenschaft wurden Mohammed und Omar auf dem Sid Al'Ose-Marktplatz im Al-Sh'ar-Bezirk öffentlich hingerichtet.

Abu Omars drei Söhne, die von der Nusra-Front als "Glaubensabtrünnige" hingerichtet wurden.

Abu Omars Ehefrau reichte mir die kostbaren Fotos ihrer Söhne und zeigte auf das jüngere der beiden Mädchen auf dem Sofa: "Noch immer ruft sie jeden Abend nach ihrem Vater", sagte sie mit einer vor Emotionen zitternden Stimme. Der Vater des Mädchens war der 26-jährige Hossam, der jüngste der drei Brüder. Sie war sein einziges Kind. Der 31-jährige Omar hinterließ zwei Jungen und ein Mädchen, der 27-jährige Mohammed zwei Töchter. Die von der US-Koalition unterstützten Terroristen hatten dieser Familie im Namen der "Freiheit" das Herz herausgerissen.

"Lassen Sie Syrien leben!"

Abu Omars Söhne haben die Terroristen im August 2016 hingerichtet, als die Schlacht zur Befreiung Ost-Aleppos tobte. Hamad Showa, der örtliche Anführer der Nusra-Front, hatte auch Abu Omar wiederholt mit dessen Ermordung aufgrund seiner unerschütterlichen Unterstützung für den syrischen Staat und die Armee gedroht: "Er sagte mir, er wolle mich vor der Befreiung tot sehen."

Nach Monaten heftiger Straßenkämpfe zeichnete sich jedoch der Sieg der Armee ab. Um den 4. Dezember 2016 herum erhielt Abu Omar eine Nachricht, in der seine Familie aufgefordert wurde, alle wertvollen Sachen einzupacken und zur Kreuzung Tarek Al-Bab zu gehen, die nach West-Aleppo herausführt. Der Beschuss durch Granaten und Raketen seitens der Terroristen intensivierte sich, als sie zusammen mit insgesamt 15 Familien die Gegend verließen. "Sie wollten nicht, dass jemand lebend herauskommt", sagte Abu Omar.

Ein anderer Bewohner des Bezirks zeigt seine Verletzungen, die von einem Mörserangriff der Nusra-Front stammen.

Zwei Stunden lang führte sie ihr Weg durch heftig umkämpfte Straßen. Der Familienvater fährt fort:

Hisbollah-Kämpfer überwachen den Abzug von Dschihadisten aus Arsal. Zuvor wurde vereinbart, dass die Kämpfer und deren Familienangehörigen mit Bussen in die Provinz Idlib umquartiert werden.

Plötzlich sahen wir zwei uniformierte Kämpfer, aber wir waren nicht sicher, ob sie zur Armee oder den Terroristen gehörten. Sie signalisierten uns, in ein Gebäude zu gehen. Im Inneren sahen wir, dass die Häuser miteinander verbunden waren, weil die Terroristen Durchgänge in die Wände geschlagen und Tunnel errichtet hatten, durch die sie sich während eines Angriffs der Armee sicher bewegen konnten. Wir gingen dann selbst durch den 'Tunnel'.

In diesem Moment begannen sowohl Abu Omar als auch seine Frau zu weinen, ihr Schluchzen erfasste ihre gesamten Körper. Ich ging hinüber und hielt ihre Hand, sie legte ihren Kopf auf meine Schulter und weinte hemmungslos: „Wir gingen durch all diese Häuser, und plötzlich am Ende des 'Tunnels' konnten wir die syrische Fahne sehen, unsere Fahne. Wir brachen zusammen, endlich waren wir sicher."

Diese Geschichte ist nicht einzigartig. Die Mehrheit der Familien, die den US-gestützten Besatzern in Ost-Aleppo entkommen konnte, schilderte ähnliches. Es sind Geschichten, die in der Berichterstattung der Mainstream-Medien nicht vorkamen, die ihren Aleppo-Narrativ letztlich aufgeben mussten, nachdem ihre "Freiheitskämpfer" als Henker und Terroristen entlarvt wurden. Ich fragte Abu Omars Frau danach, mir eine Botschaft für die Menschen im Westen mit auf den Weg zu geben:

Lassen Sie Syrien leben. Vorher lebten wir sicher – bevor der Westen in unserem Land Terroristen zu unterstützen begann.

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