Schlüsselsieg der syrischen Armee im Kampf gegen den IS bei Deir ez-Zor: Der Westen schweigt

Schlüsselsieg der syrischen Armee im Kampf gegen den IS bei Deir ez-Zor: Der Westen schweigt
Bildquelle: Press Service of the President of Syria
Syrische Regierungskräfte haben die Stadt Deir ez-Zor vom IS eingenommen. 200 IS-Kämpfer kamen ums Leben, Waffen, Bomben und zerstörte Panzerfahrzeuge wurden zurückgelassen. Doch dieser entscheidende Schlag gegen den IS findet, im Gegensatz zum Fall Mossuls, kaum Widerhall in westlichen Medien.

Während syrische Truppen in Deir ez-Zor einzogen, entdeckten sie ein umfassendes Netzwerk von unterirdischen Tunneln. Diese nutzte die Miliz, um Waffen und Munition zu lagern und Quartiere aufzuschlagen. Der IS baute ein großes Waffenlager, beachtliche Lebensmittel- und Medizin-Rationen in der Stadt auf. Das russische Außenministerium vermutet in einer Erklärung vom Mittwoch, dass sich die Terroristen auf eine langfristige Verteidigung ihrer Positionen vorbereiteten.

Die syrischen Streitkräfte weisen angesichts von etlichen Funden darauf hin, dass zahlreiche Kämpfer des „Islamischen Staates“ in Deir ez-Zor ursprünglich aus Gebieten Russlands und der ehemaligen Sowjetrepublik stammten. Die eingereichten Daten bestätigen vorherige Geheimdiensterhebungen Russlands.

Die russische Marine tötete beim Einsatz von Kalibr-Marschflugkörpern am Dienstag rund 200 IS-Milizionäre, ergänzte das Verteidigungsministerium in Moskau. Außerdem wurden „12 Panzerfahrzeuge, darunter vier Panzer, sechs Artillerie- und Mörserstellungen, ein Kommandoposten, ein Kommunikationszentrum und drei Munitionsdepots“ ausgeschaltet.

Vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Videoaufnahmen der Luftangriffe zeigen Reste von stark befestigten Stützpunkten. Gewöhnlichen Bodenangriffen konnten die Stellungen dank ihrer zusammenhängenden Schusspositionen standhalten.

Die Spuren der Terroristen, die sich im Versteck verschanzten, sind noch zu sehen. Syrische Soldaten drangen in das Tunnelnetz ein. Sie fanden Waffen, Munition, zahlreiche religiöse Bücher, kleine Möbel und Licht.

Bei der Flucht vor der syrischen Armee hinterließ der IS zahlreiches Kriegsgerät. Die Armee fand laut dem russischen Verteidigungsminister über 100 improvisierte Sprengsätze, Selbstmordgurte und Minen.

Die Marschflugkörper-Angriffe einer russischen Fregatte aus dem östlichen Mittelmeer waren entscheidend beim Entsatz der seit drei Jahren eingekesselten Stadt Deir ez-Zor. Der Angriff verhinderte, dass sich die Milizionäre des „Islamischen Staates“ neuorganisieren und einen Gegenangriff starten konnten. Stattdessen gaben die Angriffe der syrischen Armee Zeit, schnell zur Basis der 137. Brigade in Deir ez-Zor vorzustoßen.

Der russische Präsident Wladimir Putin gratulierte dem syrischen Militär für die erfolgreiche Offensive gegen den „Islamischen Staat“, teilte Präsidentensprecher Dimitri Peskow am Dienstag mit. Die Offensive war „ein strategisch bedeutsamer Sieg für die Befreiung Syriens vom Islamischen Staat“, zitierte Peskow das russische Staatsoberhaupt.

Syrische Armee leitet endgültige Zerschlagung der IS-Miliz ein

Der Verlust von Deir ez-Zor ist die jüngste Niederlage einer ganzen Serie von Rückschlägen für die Extremistengruppe. Im Juli nahmen irakische Truppen die einstige Metropolstadt Mossul im Norden Iraks wieder ein. Die Rückeroberung dauerte neun Monate. Die selbsternannte Hauptstadt des IS Rakka wird gegenwärtig von mit den US-Streitkräften alliierten Kurdenmilizen belagert. Die Turkmenen-Stadt Tel Afer westlich von Mossul fiel im August. Die Verteidigung der Miliz kollabierte und hunderte IS-Kämpfer gingen in Gefangenschaft. Die Stadt fiel in neun Tagen.

Die Einnahme von Deir ez-Zor stellt einen strategischen und symbolischen Sieg von immenser Bedeutung für Damaskus dar. Die Rückeroberung der Stadt erlaubt es Damaskus, nun weitere Gebiete im Osten des Landes zurückzuerobern.

Die al-Assad-Regierung kontrolliert rund 40 Prozent des Gesamtgebiets von Syrien. Damaskus ist entschieden, seinen wachsenden Einfluss zu zementieren:

Wenn die Stadt zu einem Ort wird, den al-Assad nutzt, um Angriffe zu starten und sich weiterbewegt, dann eröffnen sich ihm zahlreiche neue Fronten“, sagte der Syrien-Experte der Century Foundation Aron Lund im Gespräch mit dem Magazin Time.

Der Fortschritt in Deir ez-Zor ist ein Hinweis dafür, dass sich der Charakter syrischen Konflikts ändert. Noch im Dezember 2016 kämpfte die syrische Armee mit dem IS um die zentralsyrische Stadt Palmyra. Im gleichen Zeitraum wüteten Kämpfe mit Rebellen im westlichen Syrien. Mit der Etablierung von sogenannten Konflikt beruhigten Zonen in Westsyrien konnte die syrische Armee Kräfte gegen den IS in Zentral- und Ostsyrien sammeln. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass die Niederlage in Deir ez-Zor zur kompletten Zerschlagung der IS-Kräfte in Syrien und der weiteren Region führt.

 

 

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